Dienstag, 20. August 2019

1 . FC KAISERSLAUTERN "Damit kannst du an der Aldi-Kasse nicht zahlen"

Fussball: 1. FC Kaiserslautern
DPA

3. Teil: Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung

SPONSORs : Sie studierten in der Folge Sportmanagement und begannen im Jahr 2005 als Manager beim Regionalligisten TuS Koblenz, ehe Sie im 2006 zum VfL Bochum wechselten, wo sie in gleicher Position tätig waren. War der Revierclub Ihr Karriere- Sprungbrett?

Kuntz: Es hat mir damals sehr geholfen, dass es mit Werner Altegoer einen Fürsprecher im Aufsichtsrat des VfL Bochum gab und vor allem mit Andrea Peschke im Marketing und mit Finanzexperte Ansgar Schwenken beim VfL zwei Menschen gab, die Bereiche abgedeckt haben, von denen ich wenig Ahnung hatte. Während der zweijährigen Zusammenarbeit mit den beiden habe auch ich ein Gespür für ihre Themen entwickelt. Dann kam der Anruf aus Kaiserslautern. Ich wollte unbedingt Vorstandsvorsitzender werden, da mich die Fülle der Aufgaben gereizt hat und ich mich in diesem Bereich auch persönlich weiterentwickeln wollte.

SPONSORs : Im Juli 2014 hat der FCK mit Ansgar Schwenken ihren ehemaligen Weggefährten vom VfL Bochum als freien Berater engagiert. Laut Finanzvorstand Fritz Grünewalt soll er den Bereich Finanz- und Rechnungswesen weiterentwickeln. Das klingt sehr vage. Welche konkreten Aufgaben hat Herr Schwenken beim FCK?

Kuntz: Fritz und ich haben festgestellt, dass wir in der Fülle der Aufgaben nicht mehr ganz hinterherkommen. Ansgar soll die Strukturen und Prozesse in und mit der Abteilung Finanz- und Rechnungswesen weiter optimieren und unter anderem gewonnene Erkenntnisse aus den Betriebsprüfungen 2001 bis 2011 in Standardabläufen und Richtlinien definieren.

SPONSORs : Als Ansgar Schwenken beim FCK offiziell vorgestellt wurde, wurde gemutmaßt, er solle die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung aus dem e. V. vorbereiten. Ist eine Ausgliederung tatsächlich ein Thema für den FCK?

Kuntz: Es ist dahingehend kein Thema, dass derzeit bei uns andauernd Sponsoren anklopfen würden, um Anteile zu kaufen.Wenn wir eine Ausgliederung durchführen, dann aus steuerlichen Gründen und nicht, weil wir den Mitgliedern das Mitspracherecht entziehen wollen. Die Finanzbehörden haben uns bei der letzten Betriebsprüfung darauf hingewiesen, dass unsere Gemeinnützigkeit am seidenen Faden hängt. Die Frage ist: In welcher Gesellschaftsform können wir das vermeiden und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Betze-Anleihe am effektivsten und umfassend für die Investitionen am Trainingszentrum verwendet wird und wir den Ausbau steuerlich optimal geltend machen können? Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Veränderung des momentan nachteilig für den FCK festgelegten Verhältnisses zwischen wirtschaftlichem und ideellem Bereich.

SPONSORs : Haben Sie schon einen zeitlichen Horizont für das Thema Ausgliederung?

Kuntz: Wir möchten Ende Frühjahr 2015 die Weichen dafür stellen.

SPONSORs : Ihr Liga-Konkurrent RB Leipzig hat jüngst seine Profimannschaft und den Nachwuchs bis zur U16 in eine GmbH ausgegliedert. Sind Sie neidisch auf die Kollegen im Osten, die unter ganz anderen Strukturen machen können, was sie wollen?

Kuntz: Zunächst mal haben die Verantwortlichen in Leipzig etwas an einem Ort aufgebaut, an dem der Fußball keine große Rolle mehr gespielt hat. Es lässt sich dann natürlich leicht sagen, dass das mit Geld ohne Ende jeder kann. Aber das stimmt nicht ganz. Bei RB Leipzig spielen viele deutsche Spieler, es sind eine Spielidee und ein Nachwuchskonzept vorhanden. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch daran, dass Clubs wie Leipzig Traditionsvereinen den Platz wegnehmen und dadurch in der Bundesliga eine gewisse Attraktivität verloren geht.

SPONSORs : Können Sie ein Beispiel nennen?

Kuntz: Bei unserem Mittwochsspiel um 17.30 Uhr gegen Union Berlin in der vergangenen Saison hatten wir beispielsweise mit 30.000 Besuchern mehr Zuschauer als eine zwei Stunden später zur Primetime angesetzte Bundesliga-Partie, die ein Lokalderby war. Da muss man dann schon sagen, dass die Traditionsvereine und die Nachhaltigkeit dieser Vereine - ob es nun um den Zuschauerzuspruch zu Hause und auswärts, Abozahlen oder Einschaltquoten im Fernsehen geht - genau das ist, was der deutsche Fußballzuschauer sehen will. Wenn alle dieser Meinung sind, könnte diese Tatsache in der Verteilung der Fernsehgelder Berücksichtigung finden. Unabhängig davon würde ich mir auch manchmal etwas mehr Unterstützung innerhalb der Traditionsclubs im deutschen Profifußball wünschen.

SPONSORs : Wie meinen Sie das?

Kuntz: Wenn die Traditionsvereine der ersten Liga über Retorten-Clubs meckern, dann hindert sie ja niemand daran, den Traditionsvereinen der 2. Bundesliga auch mal mit der einen oder anderen Geschichte zu helfen, damit man wieder hoch kommt. Damit meine ich nicht nur, dass einem Spieler ausgeliehen werden. Einen Vorstoß gab es ja jetzt schon von Harald Strutz, dem Präsidenten des 1. FSV Mainz 05.

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