Donnerstag, 22. August 2019

1 . FC KAISERSLAUTERN "Damit kannst du an der Aldi-Kasse nicht zahlen"

Fussball: 1. FC Kaiserslautern
DPA

2. Teil: Proteste gegen das aktuelle Jersey

SPONSORs : Die Abschlüsse von Wolf Möbel beim "Club" und von Paysafecard.com beim FCK ähneln sich: Beide Verträge kamen extrem spät zustande, sind rund 1,6 Millionen Euro wert und laufen lediglich für eine Spielzeit. Mit Verlaub, das hätte es vor einigen Jahren nicht gegeben. Da wäre das Trikot ein halbes Jahr vorher vom Markt gewesen und es hätte einen Vertrag mit drei Jahren Laufzeit gegeben.

Kuntz: Eine solche Tendenz will ich nicht verhehlen. Allerdings kann aus dem Hauptsponsorship mit Paysafecard.com ja auch etwas Längeres entstehen. Der Vertrag beinhaltet eine Verlängerungsoption.

SPONSORs : Nach SPONSORs-Informationen ist auch die Verlängerung des im Sommer auslaufenden Ausrüstervertrags mit Uhlsport nur noch Formsache. Wann können Sie Vollzug melden?

Kuntz: Wir sind uns bereits über eine weitere Zusammenarbeit einig.

SPONSORs : Ihr Verein hat im Herbst 2014 eine Umfrage unter seinen Fans durchgeführt, wie das Trikot der Saison 2015/16 aussehen soll, nachdem es wegen der Farbe Orange Proteste gegen das aktuelle Jersey gegeben hatte. Werden die FCK-Trikots ab der kommenden Spielzeit wieder dem Club- Spitznamen "Rote Teufel" gerecht?

Kuntz: Ich sehe das überhaupt nicht kritisch. Wir wollten in Sachen Trikot mal etwas wagen, haben uns für einen Farbverlauf vom klassischen Rot zum trendigen Fluo-Rot entschieden. Dass über unser Trikot gesprochen wird, das haben wir definitiv erreicht: Es haben sich mehr als 10.000 Fans an der Umfrage beteiligt. Und auch wenn die Mehrheit für die klassischen Trikotfarben rot und weiß plädiert hat, liegen wir zurzeit mit circa 6000 verkauften Trikots über unsere Kanäle deutlich über dem Wert aus der Vorsaison, als es rund 1500 Jerseys weniger waren. Insofern ist auch die Wirtschaftlichkeit gegeben.

SPONSORs : Neben dem Ausrüstervertrag mit Uhlsport ging auch die Vermarktungskooperation mit Sportfive bis zum Ende der Saison 2019/20 in die Verlängerung. Dabei hatte im Pitch zwischenzeitlich Ufa Sports die Nase vorn. Haben Sie gut gepokert?

Kuntz: Ich habe das nicht allein gemacht, wir sind ja keine One-Man-Show. Wir arbeiten in Kaiserslautern immer als Team. Bei den Verhandlungen um den Vermarktungsvertrag war besonders auch unser Finanzvorstand Fritz Grünewalt involviert. Wir haben einen Partner in der Vermarktung gesucht, der etwas zusammen mit dem FCK entwickeln möchte, der neue Ideen hat und unsere Ideen umsetzen kann. Und am Ende war es auch kein großes Pokern, um in Ihrem Bild zu bleiben. Sondern wir waren stolz, dass zwei Konkurrenten am FCK interessiert waren.

SPONSORs : Andere Fußballbundesligisten wie Hertha BSC und der 1. FC Köln haben zuletzt vorzeitig deutlich längere Agenturkooperationen mit Sportfive respektive Infront geschlossen. Warum hat der FCK so lange gewartet und ist zudem einen vergleichsweise kurzen Fünfjahresvertrag mit Sportfive eingegangen?

Kuntz: Wir haben akut keine Liquidität gebraucht. Und deshalb war uns auch Flexibilität bei der Entwicklung des FCK in den kommenden Jahren wichtig.

SPONSORs : Planen Sie, langfristig zur Eigenvermarktung zurückzukehren?

Kuntz: Bei dieser Frage werden wir uns die Entwicklung in den kommenden Jahren genau anschauen. Wir haben ja bereits die Vermarktung unseres Nachwuchsleistungszentrums als vereinseigenes Werberecht zurückgeholt und werden hier einen Schwerpunkt legen.

SPONSORs : Lassen Sie uns über Ihre Rolle beim FCK sprechen. Im Mai 2014, als Sie Ihren Vertrag als Vorstandsvorsitzender bis 2017 verlängert haben, haben Sie parallel Markus Schupp als Sportdirektor vorgestellt. Warum haben Sie diese Funktion abgegeben - kennen Sie sich in Finanzen besser aus als im Fußball?

Kuntz: Durch aktuelle Anforderungen wie den Vermarktervertrag, die Verzögerung beim neuen Pachtmodell und den Ausbau des Nachwuchsleistungszentums habe ich gemerkt, dass ich es zeitlich nicht mehr schaffe, mich zu hundert Prozent auch noch um den sportlichen Bereich zu kümmern.Und da war es meine Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Ich habe mich schon vor längerer Zeit nicht vollkommen nur auf die Aufgaben eines Sportdirektors konzentrieren wollen, sondern lieber auf die Unternehmensführung mit all ihren umfangreichen Herausforderungen.

Aber es ist doch generell so, dass der Fußballer sich am Ende seiner Karriere fragt, was er eigentlich machen soll. Dann machst du das, was naheliegt, und wirst Trainer. Aber das hat bei mir leider nur bedingt erfolgreich funktioniert. Ich stand mit 38 Jahren da und wusste nicht wohin - ohne Abitur, ohne Studium.

SPONSORs : Und dann?

Kuntz: Es ist entscheidend, dass man sich nicht zu schade ist, sich von seinem bisherigen Image als Fußballprofi zu trennen. Du musst bereit sein, von Grund auf etwas Neues anzufangen. Meine Oma hat das mal super auf den Punkt gebracht, als sie meine Autogrammkarte in der Hand hielt, auf der alle Erfolge draufstanden: "Bub, das haste toll gemacht, aber damit kannst du später an der Aldi-Kasse nicht bezahlen." Und damit hat sie recht.

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