Freitag, 22. November 2019

Neues Gleichberechtigungsgesetz Frauenquote in der Führung - teures Ärgernis oder Chance?

Berlin macht ernst: Bis 2016 muss das Gesetz "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" umgesetzt sein

Heiner Thorborg
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    Michael Dannenmann
    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".
Bis Ende September war es Aufgabe des Managements der knapp 4000 deutschen Unternehmen, für die das neue Gleichberechtigungsgesetz gilt, Zielgrößen für den Frauenanteil im Aufsichtsrat, in der Geschäftsführung und in den beiden Ebenen darunter festzulegen. Gleichzeitig waren Termine zur Erreichung dieser Ziele zu bestimmen - spätestens bis zum 30. Juni 2017 sollen sie erreicht sein. Außerdem empfahl es sich für börsennotierte, paritätisch mitbestimmte Gesellschaften, die Suche nach geeigneten Kandidatinnen zur Erfüllung der 30-Prozent-Quote im Aufsichtsrat zu starten - schließlich kennen die neuen Vorschriften keine branchen- oder unternehmensspezifischen Härtefallregeln.

Berlin macht ernst: Bis 2016 muss das Gesetz "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" umgesetzt sein, sonst drohen Strafen von bis zu Euro 50.000. Denn selbst wenn die Novelle keine Strafen vorsieht, könnten doch die gleichen Ordnungsstrafen verhängt werden, die bei nicht Einhaltung der Publizitätsvorschriften fällig werden.

Im Vorfeld wurden diese Regelungen endlos hin- und her debattiert, doch nun seit der Verabschiedung der Novelle, herrscht seltsames Schweigen. Die Unternehmen müssen ihre Quoten und Ziele nämlich erst mit dem nächsten Jahresabschluss öffentlich kommunizieren. Und weil das noch ein halbes Jahr weit entfernt ist, wursteln viele offenbar erst einmal weiter wie bisher.

BASF: Mindestens eine Frau im Vorstand

BASF Börsen-Chart zeigen beispielsweise ließ verlauten, dass es im Vorstand mindestens eine Frau geben soll, was bereits der Fall ist. Der Frauenanteil liegt damit bei 12,5 Prozent. Der Vorstand beschloss für die beiden Führungsebenen unter der Geschäftsführung einen Frauenanteil von 9,4 und 11,8 Prozent - was ebenfalls dem gegenwärtigen Stand entspricht. In einem Jahr sollen die Zielgrößen überprüft werden; bis 2021 soll der Anteil der Führungsfrauen im Konzern weltweit von derzeit 19 Prozent auf 22 bis 24 Prozent steigern. Ambitioniert geht anders - aber immerhin hat der weltgrößte Chemiefabrikant schon mal Quoten und Ziele formuliert.

Jede Menge andere, kleinere Betriebe haben noch nicht mal das getan. Schlimmer noch, viele haben noch gar nicht begriffen, dass sie unter das neue Gesetz fallen. Das befürchten zumindest Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie KPMG und Ernst and Young.

Es besteht also dringend Handlungsbedarf: Zwar stieg der Anteil weiblicher Aufsichtsräte seit dem vergangenen Jahr um zwei Prozentpunkte auf nunmehr knapp 26,7 Prozent, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) meldete jedoch Ende August, dass die MDax- und Tec-Dax-Werte bei der Suche nach weiblichen Entscheidern durchaus noch Nachholbedarf haben: Hier liege der Frauenanteil bei 20,3 Prozent, also gut zehn Prozentpunkte unter dem Zielwert.

Die kleineren Firmen im SDax kommen aktuell auf rund 17 Prozent, so der BDI. Viele Unternehmen, deren Vorstände aus höchstens drei Personen bestünden, wollen sich in Sachen weibliche Bosse auch zunächst die "Zielgröße 0" setzen.

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