Samstag, 25. Januar 2020

Wer in diesem Jahr wichtig wird Auf diese Frauen sollten Sie 2020 achten

Sie werden 2020 wichtig: Doreen Nowotne, Anna Maria Braun, Sigrid Nikutta, Melanie Köhler, Hildegard Wortmann, Christina Foersters (von oben links im Uhrzeigersinn).

In der deutschen Wirtschaft übernehmen Frauen immer mehr wichtige Führungsposten. Im Spätherbst 2019 fielen etliche Bastionen, die bis dahin männlich geprägt waren. Der sichtbarste Durchbruch: Die Berufung von Jennifer Morgan (48) zur ersten CEO eines Dax-Konzerns. In diesem Jahr geht es weiter - wer 2020 wichtig wird.

Ab April wird die Private Equity-Expertin Doreen Nowotne (46) den Aufsichtsrat des Duisburger Traditionsunternehmens Haniel führen - als erste Familienfremde in mehr als 260 Jahren. Die Sächsin tritt mitten in einem tiefgehenden Transformationsprozess an die Spitze des Kontrollgremiums. Der neue CEO Thomas Schmidt (48) ist noch nicht lange an Bord, das Unternehmen will sich nach 50 Jahren von seinen Metro-Anteilen trennen und sucht eine neue Investitionsstrategie.

Mit Nowotne hofft der Clan um Franz Markus Haniel (64) die Aufsichtsratschefin mit dem richtigen Know-how gefunden zu haben: Bei dem Private Equity-Investor BC Partners war sie bereits in die Partnerriege aufgerückt, als man Frauen in der Branche noch mit der Lupe suchen musste. Seit einigen Jahren ist sie als Multi-Aufsichtsrätin tätig. Gemeinsam mit der Familie will Nowotne nun verstärkt in Wachstumsunternehmen investieren.

Genau wie SAP-Chefin Morgan gehört auch Nowotne zu den 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft, die das manager magazin in Kooperation mit der Boston Consulting Group jedes Jahr präsentiert. Die mit Hilfe einer Jury zusammengestellte Liste versammelt die wichtigsten Businessfrauen des Landes - und solche, die in nächster Zeit noch mächtiger werden.

Dazu zählt auch Anna Maria Braun (40), die den Sprung an die - in diesem Fall operative - Spitze eines Familienunternehmens geschafft hat, ihres eigenen nämlich. Mit der Juristin übernahm nach dem Willen ihres Vaters Ludwig Georg Braun, des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, nach acht Jahren Interims-Herrschaft durch angestellte Manager erstmals wieder ein Familienmitglied die Führung bei B. Braun in Melsungen. Sie muss den Medizintechnikhersteller mit 6,8 Milliarden Euro Umsatz nun in die Zukunft führen - und darf dabei das Digitale nicht vernachlässigen.

In der Dax-Welt verspricht in diesem Jahr unter anderem die Karriere von Martina Merz (56) einiges an Spannung. Bereits seit Oktober leitet sie als CEO Thyssenkrupp und hat damit einen Job übernommen, den gleich mehrere männliche Kandidaten zuvor abgesagt hatten. An der ehemaligen Bosch-Managerin hängt jetzt nun das Schicksal der taumelnden Industrieikone. (Hier lesen Sie ein ausführliches Porträt: Allein unter Memmen.)

Einen Höllenjob hat auch Sigrid Nikutta (50) ergattert. Neun Jahre lang bewies sich die resolute Psychologin erfolgreich als CEO der Berliner Verkehrsbetriebe, die sie aus dem Defizit manövrierte. Immer wieder wurde sie in der Zeit als Vorstandskandidatin der Deutschen Bahn gehandelt, jetzt ist es so weit. Zum Jahreswechsel hat sie bei der Bahn den Güterverkehr übernommen und ist zugleich CEO der DB Cargo geworden. Nikutta verantwortet in beiden Rollen Großbaustellen.

Auch Christina Foersters (48) Laufbahn hat zum Jahreswechsel einen Sprung gemacht. Nach nur knapp zwei Jahren als Chefin der Kranich-Tochter Brussels Airlines hat die frühere Beraterin der Boston Consulting Group zum 1. Januar das neu geschaffene Vorstandsressort für Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Lufthansa übernommen. Auch das Kundenbindungsprogramm Miles & More fällt in ihren Bereich. Dass der Konzern aktuell unruhige Zeiten erlebt, dürfte sie auch in ihrem Job zu spüren bekommen.

Ähnlich wie Hildegard Wortmann (53) bei Audi, wo die Zeiten ebenfalls unruhig sind. Bereits seit Juli 2019 ist Wortmann Vertriebsvorständin in Ingolstadt. Die ehemalige Markenchefin von BMW, die bereits in München als Vorstandskandidatin galt, dann aber nach Singapur wegkomplimentiert wurde, muss den Absatz der angeschlagenen Marke Audi treiben. Gelingt ihr dies, könnten die Zweifler endgültig verstummen.

Welche der Top 100 außerdem von sich hören lassen werden:

Sabina Jeschke (51): Die Vorständin bei der Deutschen Bahn und renommierte Professorin für künstliche Intelligenz trägt ab Januar zusätzlich die Verantwortung die Instandhaltung der Züge - und damit für eines der größten Problemfelder der Bahn: die chronische Unpünktlichkeit aufgrund maroden Materials.

Birgit Bohle (46): Die frühere McKinsey-Frau ist seit einem Jahr Personalvorständin bei der Deutschen Telekom und übernimmt nun zusätzlich die Verantwortung für Datenschutz, Recht und Compliance - das bis dato eigenständige Vorstandsressort entfällt.

Melanie Köhler (29): Die Jungmanagerin wurde in den Vorstand der Schwarz Dienstleistungen berufen und firmiert nun als stellvertretende Vorsitzende des Gremiums. Für Klaus Gehrig, bislang Alleinherrscher und Statthalter des Gründers Dieter Schwarz (Kaufland/Lidl), erledigt sie Sonder- und Spezialaufgaben größerer Komplexität und dürfte weiter an Einfluss gewinnen.

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