Muckibude ade Von McFit bis FitnessFirst - der neue Volkssport Fitness

Deutschland, das Land der Fußballvereine? Das war einmal. Fitnessstudios waren im vergangenen Jahr mit 9,5 Millionen registrierten Sportambitionierten die mitgliedsstärkste Trainingsform. "Volkssport" Fußball hatte zum Jahresende 2015 nur knapp sieben Millionen Mitglieder.
Von Laura Bethke
Der Fitnesstrend spricht auch Frauen an - die möchte jeder im umkämpften Markt für sich gewinnen

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Foto: Youtube / WeAreIvyPark

Volkssport Fitness: Dem wichtigsten Segment im gesamten Lifestyle-Bereich hat sich die Beratungsfirma Deloitte in einer Studie gewidmet und Zahlen der boomenden Branche ermittelt. Dabei fällt auf: Die Mitgliederzahlen in Fitnessstudios steigen nicht nur seit Jahren, der Markt differenziert sich auch in immer mehr einzelne Facetten. Man versucht alle Sportbegeisterten und solche, die es werden wollen, mitzunehmen.

Unterschieden wird zwischen Discount-, Medium-, Premium-, Special Interest- und Digitalen Fitnessstudios. Der Begriff Special Interest Studios fasst Fitnessstudios zusammen, die sich auf eine bestimmte Zielgruppe spezialisieren. Bekanntes Beispiel ist die Kette Miss Sporty, die mit 415 Studios ausschließlich für Frauen die meisten Studios in Deutschland umfasst.

Einstieg bei 9,90 Euro im Monat

Die verschiedenen Angebote unterscheiden sich vor allem in Serviceumfang und Preis. Discount-Angebote starten bei 9,90 Euro im Monat, das Premium Segment fängt bei 66 Euro monatlich erst an - je mehr Komfort und Service, desto teurer. Im Schnitt lassen sich laut Deloitte die Deutschen ihre Mitgliedschaft 45,30 Euro kosten - ein mittleres Preissegment.

Mit immer mehr Nischen-Produkten, die auf die verschiedenen Zielgruppen abgestimmt sind, hoffen viele Firmen sich im Fitnessmarkt zu etablieren - der Wettbewerb ist groß. "Die verschiedenen Anbieter sehe ich nicht als Feinde. Die Kunden sind sehr heterogen und wer in ein Discountstudio gehen will, erwartet eben auch weniger als in einem Premiumstudio", relativiert Udo Münster, CEO bei milon industries GmbH, den hohen Wettbewerbsdruck in der Branche. Milon möchte mit seinen chipkartengesteuerten Zirkeltrainings Kunden ansprechen, die Unterstützung brauchen, um sicher und effektiv zu trainieren.

Dicht besetztes Discount-Segment

Mit 1,4 Mitgliedern pro Quadratmeter können Fitness-Ketten ihre Preise drücken

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Im Discountsegment ist neben FitX vor allem die Würzburger Kette McFit stark. Sie hat den bisherigen Mitgliedsbeitrag von 19,90 Euro monatlich in einer neuen Kette "High5" mit 9,90 Euro im Monat (bei 24 Monaten Vertragslaufzeit) selbst noch unterboten. Das expansionsfreudige Unternehmen betreibt zum Ende des letzten Jahres bereits elf "High5"-Studios.

Mit einem Netto Gesamtumsatz von etwa 200 Millionen Euro in 2015 ist McFit am umsatzstärksten und deutlich vor Premium-Anbieter Fitness First mit rund 150 Millionen Euro Umsatz. Der Umsatz wird bei Discount-Preisen durch hohe Mitgliedszahlen erreicht - McFit und FitX haben mit unter 20 Euro netto den geringsten monatlichen Umsatz pro Mitglied. Im Schnitt trainieren laut Deloitte 1,4 Mitglieder auf einem Quadratmeter der Studios.

Digitale Trainer: Gymondo bis Runtastic greifen Fitnessstudios an

Wer lieber im Freien zwischen Eichhörnchen, Kaninchen und Gräsern trainiert und sich nicht an Öffnungszeiten halten will, trainiert digital. Zum Beispiel mit einem von zahlreichen digitalen Angeboten wie Gymondo oder Runtastic. Doch damit Geld zu verdienen ist nicht so leicht. Kostenlose Apps und Trainings auf Plattformen wie Youtube schwemmen den Markt.

Dennoch: Bei der Übernahme von Runtastic durch Adidas  im vergangenen August wird ein Unternehmenswert der App von 220 Millionen Euro angegeben - der Markt boomt.

Apps, die auf Workouts mit dem eigenen Körpergewicht setzen, sind auf dem Fitness-Markt zahlreich zu finden

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Wie groß der gesamte Markt für digitale Fitnessstudios ist und wer die Nase vorn hat, lässt sich laut Deloitte nur schwer berechnen, da nicht alle Anbieter Nutzungszahlen veröffentlichen. Zudem sind die Angebote sehr unterschiedlich und dadurch schwer zu vergleichen. Im reinen Online-Fitnessstudio Markt konnte die Beratungsfirma Daten erheben. Digital umgehen die Kunden noch oft die Mitgliedsbeiträge: nur ein Viertel der etwa 525 Tausend Mitglieder von Online-Fitnessstudios nutzen zahlungspflichtige Angebote. Um dies zu vermeiden und trotzdem die Heim- und Garten-Sportler anzusprechen, kamen sogenannte Hybride auf den Markt. NewMoove zum Beispiel gehört zu FitnessFirst und bietet Kombinationsangebote aus Offline und Online Training.

Die Studios vernetzen

Das stationäre Fitnessstudio selbst zu vernetzen haben sich Firmen wie milon auf die Fahne geschrieben. Smartphones, -watches und Co. sollen in Zukunft mit den Fitnessgeräten kommunizieren, Daten sammeln und sich anpassen können. Auf der Fitnessmesse FIBO in der vergangenen Woche stellte das Münchner Unternehmen eine Software vor, bei der die Herzfrequenz des Sportlers gemessen wird und sich das Trainingsgerät entsprechend anpasst. "Wir wollen Synergieeffekte nutzen und aus Big Data Smart Data machen", so Udo Münster.

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So soll auch eine der größten Herausforderungen für die Fitnessstudio-Branche, der demographische Wandel, mit Daten gemeistert werden. Mit messbaren Trainingserfolgen, die Erkrankungen vorbeugen, sollen neben Kunden auch die Krankenkassen überzeugt werden. Denn die gesetzlichen Kassen bezahlen zwar nach wie vor keine Fitnessstudios, seit Juni letzten Jahres sind Fitnessstudios jedoch erstmals im sogenannten Präventationsgesetz erwähnt.