Donnerstag, 22. August 2019

Wenn Konzerne Startup spielen Innovationen brauchen Schutz von ganz oben

Paypal-Gründer Max Levchin: "Ich bin mit drei Gründungen gescheitert, das vierte überlebte, das fünfte war Paypal". Wenn Konzerne innovativer werden wollen, reicht es nicht, nur auf die Startup-Stars zu schauen. Große Unternehmen brauchen fünf Strategien, um "Intrapreneure" zu werden
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Paypal-Gründer Max Levchin: "Ich bin mit drei Gründungen gescheitert, das vierte überlebte, das fünfte war Paypal". Wenn Konzerne innovativer werden wollen, reicht es nicht, nur auf die Startup-Stars zu schauen. Große Unternehmen brauchen fünf Strategien, um "Intrapreneure" zu werden

Große Unternehmen wollen innovativ sein wie Startups und fehlerfreundlich wie Gründerunternehmer. Doch ein Feuerwerk an Ideen zündet man nicht mit einer neuen Stabsstelle. Innovationen brauchen Schutz von ganz oben.

Waren Sie auch schon im Silicon Valley, um den Mythos Startup zu entschlüsseln? Sogar Verleger und Chefredakteure sollen ja dorthin gepilgert sein. Mit Bart, Brille und Kapuzenshirt glaubten sie dem Phänomen des "Learn from Failure" auf die Spur zu kommen. Alles, um ihren Organisationen daheim mehr Innovationskraft oder Risikofreude einzuhauchen.

Man kann auch nach London, Tel Aviv oder Berlin reisen, um zu studieren, wie furchtlose Gründerunternehmer das Prinzip des "trial and error" unermüdlich auf die Spitze treiben. Und im Erfolgsfall unsere altgedienten Geschäftsmodelle angreifen - neuerdings in schwindelerregendem Tempo.

Heidi Stopper
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    Heidi Stopper war zuletzt Vorstandsmitglied bei der Prosiebensat1 Medien AG. Die Juristin aus Ravensburg hat zuvor im Airbus-Konzern Karriere gemacht. Heute arbeitet sie selbstständig von München aus, und zwar als Business- und Karrierecoach und als Unternehmensberaterin für Transformationen und Digitalisierung.
Die schöpferische Zerstörung, die der Ökonom Josef Schumpeter vor 100 Jahren als Grundlage des Kapitalismus beschrieben hat, legt mit der Digitalisierung eine ungeahnte Geschwindigkeit vor. Es ist so viel Geld im System und es lässt sich so viel Geld damit verdienen, dass sehr viele Investitionen in disruptive Innovationen realisiert werden. Beinahe jede im Markt schon aktive Firma ist davon betroffen.

Wir "Altgedienten" müssen also ebenso kreativ und mutig werden wie Neustarter. Aber das Gründer-Gen lässt sich nicht leicht verpflanzen.

Wenn wir ihren Code in den Organismus eines bestehenden Unternehmens integrieren möchten, erfordert das immense Einfühlung und Aufmerksamkeit.

"Probiere, erkenne, reagiere" statt "Erkenne, analysiere, reagiere"

Die gewohnte Vorgehensweise im etablierten Unternehmen ist: "Erkenne, analysiere, reagiere". Was machen Startups? "Probiere, erkenne, reagiere". Denn Gründer stoßen in neue Terrains vor, zu denen es keine Erfahrungswerte gibt. Sie müssen im Blindflug ihr Glück versuchen und stetig scheitern. Sie müssen die eigenen Annahmen ständig prüfen und aus den gemachten Fehlern ziemlich emotionslos lernen.

Da Startup-Unternehmer oft alles Geld, alle Zeit und Energie in ihr "Baby" investieren, müssen sie sehr schnell verstehen, ob das Produkt beim Kunden ankommt. Wenn nicht, muss der Gründer es radikal verändern oder komplett verwerfen, bevor großer finanzieller Schaden angerichtet ist. Um dann vom "next big thing" zu träumen.

Im etablierten Unternehmen, das solche Innovationen erzeugen will, sind die Voraussetzungen völlig andere. Man setzt auf erprobte Prozesse, Perfektion und Zeit. "Most companies are slow by design", kritisierte die Google-Führung, und sie hat recht.

Wie kann man das ändern? Ein "Veränderungs-Manager" auf einer Stabsstelle reicht leider nicht aus. Es hilft auch nicht, flockige Mitarbeiter von Startups einzustellen. Oder das eigene Personal zum Praktikum ins Feld der Nerds und Maniacs zu schicken. Das alles erweitert zwar den Horizont, doch echte Ergebnisse bringt nur der unbedingte Wille der Unternehmensleitung, alles auf den Prüfstand zu stellen, alles neu zu denken.

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