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Fifa-Funktionäre in Haft: Diese Stützen fehlen dem System Blatter jetzt

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Verdacht auf Geldwäsche Fifa-Skandal bringt Großbanken ins Visier der Ermittler

Von mm-newsdesk

Bei den Korruptionsvorwürfen gegen Spitzenfunktionäre der Fifa wird auch die Rolle namhafter Großbanken wie JPMorgan, Citigroup und Barclays geprüft. Es werde untersucht, ob ihnen bewusst gewesen sei, dass sie beim Waschen von Schmiergeld geholfen hätten, sagte US-Staatsanwalt Kelly T. Currie am Mittwoch. Gegen keine der Banken gebe es bislang aber irgendwelche Anschuldigen.

Aus den USA stehen JPMorgan, Citigroup und Bank of America im Fokus der Behörden, aus Großbritannien Barclays, HSBC und die Republic Bank.

In der Schweiz waren am Mittwoch auf US-Ersuchen sieben hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbandes Fifa festgenommen worden. Hintergrund sind Vorwürfe, seit Beginn der 90er-Jahre seien mehr als 150 Millionen Dollar Bestechungsgeld geflossen. Zudem untersucht die Justiz in der Schweiz in einem separaten Verfahren, ob es bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar Unregelmäßigkeiten gab.

Wegen des Skandals drohen gewichtige Sponsoren der Fifa mit Rückzug. Die Konföderationen des Verbands beraten derweil über ihr Wahlverhalten am Freitag, wenn der in der Kritik stehende Fifa-Präsident Joseph Blatter im Amt bestätigt werden soll. Blatter sagte eine für Donnerstag geplante Rede ab.

Der auf Geldwäsche und organisiertes Verbrechen spezialisierte Anwalt Eric Lewis sagte Reuters, die betreffenden Banken hätten angesichts des prominenten Namens Fifa und des langen Zeitraums der mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen stutzig werden müssen. "Die Offiziellen der Fifa sind so etwas wie hochrangige Politiker, und ab einem gewissen Punkt sollte das auf dem Radarschirm der Banken auftauchen."

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In den USA müssen Banken dem Finanzministerium verdächtige Geschäfte melden. Dazu hat die Regierung das "Financial Crimes Enforcement Network" eingerichtet, um einheimische oder internationale Geldwäsche, Terrorfinanzierung und andere Straftaten aus dem Finanzbereich bekämpfen zu können. Die Banken müssen durch Prüfungen sicherstellen, dass ihre Kunden Konten nicht für kriminelle Geschäfte nutzen. Die Banken müssten ihre Kunden kennen und sich auch ein Bild davon machen, woher deren Einnahmen stammten und ob deren Aktivitäten legal seien, sagte Dennis Lommel vom Verband ACAMS, in dem Experten im Kampf gegen Geldwäsche zusammengeschlossen sind.

Sponsoren drohen mit Rückzug

Angesichts des Skandals drohen wichtige Geldgeber der Fifa mit dem Ausstieg. Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte "rasche und sofortige Maßnahmen" an, um die Probleme innerhalb der Fifa zu beheben. "Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden", teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

Auch der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai betonte in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. "Als Unternehmen, für das ethischen Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte Fifa-Führungskräfte."

Fifa-Hauptquartier in Zürich: Sponsoren nehmen die Lage "sehr ernst"

Fifa-Hauptquartier in Zürich: Sponsoren nehmen die Lage "sehr ernst"

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Visa und Hyundai (zusammen mit Schwesterfirma Kia Motors) zählen neben Adidas , Coca-Cola und Gazprom zu den ständigen Marketingpartnern der Fifa. Aus diesem Pool waren die Airline Emirates und Sony Ende 2014 ausgestiegen. Stattdessen laufen Gespräche mit Samsung und Qatar Airways über eine Zusammenarbeit.

Coca-Cola hinterlegte wiederholt seine Besorgnis im Fifa-Hauptquartier in Zürich. "Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der Fifa", schrieb der Getränkeriese laut der Nachrichtenagentur AFP. Der US-Fastfood-Gigant McDonald's nimmt die Vorgänge, die am Mittwoch den Weltverband schwer erschüttert hatten, "sehr ernst".

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas betonte, sein Engagement fortsetzen zu wollen. Die Firma aus Herzogenaurach hielt die Fifa aber an, weiter konsequent "Standards für Transparenz" einzuführen. Der US-Konkurrent Nike teilte mit, die Ermittlungen der US-Behörden zu unterstützen.

Im Zuge von US-Ermittlungen gegen insgesamt 14 Personen waren am Mittwoch in Zürich sieben hochrangige Fifa-Funktionäre von der Kantonspolizei verhaftet und abgeführt worden, darunter auch die beiden Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay). Der frühere Vizepräsident Jack Warner hat sich in seiner Heimat Trinidad und Tobago der Polizei gestellt. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt zudem wegen Unregelmäßigkeiten bei den WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022).

Mehrheit für Blatter nicht mehr garantiert

Eine Mehrheit von Fifa-Chef Blatter bei der Präsidentschaftswahl am Freitag scheint wegen der Geschehnisse nicht mehr garantiert. Nach dpa-Informationen wollen die Vertreter der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL bei internen Gesprächen am Donnerstag ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der CONCACAF-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden.

Die Uefa fordert eine Verschiebung der Wahlen. Ab 12.30 Uhr wollten die Europäer um Präsident Michel Platini und DFB-Chef Wolfgang Niersbach in einem Hotel in Zürich weiter beraten.

Blatter sagte die für Donnerstagmorgen in Zürich geplante Eröffnungsrede zum zweiten Teil der Fifa-Medizinkonferenz ab. Auch am Mittwoch hatte er auf einen öffentlichen Auftritt verzichtet und nur eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Dabei äußerte er sich nicht zu einer möglichen Verschiebung der Präsidentschaftswahl.

Die asiatische Konföderation AFC erneuerte hingegen am Donnerstag ihr Treuebekenntnis zu Blatter. In einem AFC-Statement hieß es: "Die Asiatische Fußball-Konföderation drückt ihre Enttäuschung und Trauer über die Ereignisse vom Mittwoch in Zürich aus, lehnt eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen am Freitag aber ab." Darüber hinaus stehe man zu der Entscheidung, "Blatter zu unterstützen". Die AFC hat bei der Wahl 46 von 209 Stimmen.

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Die Blatter-Kritiker der Uefa hatten sich vor dem Skandal als einzige Konföderation zu Gegenkandidat Prinz Ali bin al-Hussein bekannt. Nun könnte der Jordanier eventuell auch mit Unterstützung aus Südamerika rechnen.

Dies würde allerdings noch nicht für eine Mehrheit reichen. Beide Konföderationen haben zusammen nur 63 Stimmen. Daher wird offenbar in bilateralen Verhandlungen eine Allianz mit den durch die Enthüllungen der US-Justiz ebenfalls stark belasteten CONCACAF-Zone (35 Stimmen) gesucht. Sogar bei einem Dreierpakt müssten noch Einzelstimmen aus Afrika (54 Stimmen), Asien oder Ozeanien (11) für Al-Hussein gefunden werden, um Blatter gefährlich werden zu können.

ts/Reuters/sid/dpa
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