Dienstag, 17. September 2019

City2City-Chef Roderick Donker van Heel "Es herrscht Goldgräberstimmung"

Fotostrecke: Britischer Herausforderer: National Express mit City2City
National Express

National Express ist Fernbus-Marktführer in Großbritannien und Spanien. Mit der Marke "City2City" will das Unternehmen jetzt auch den deutschen Markt erobern. Im Interview spricht Geschäftsführer Roderick Donker van Heel über Expansionspläne, Konkurrenz und mangelhafte Infrastruktur.

mm: Herr Donker van Heel, im März haben Sie angekündigt, mit City2City Marktführer in der deutschen Fernbusbranche werden zu wollen. Derzeit liegt Ihr Marktanteil bei etwa 6,5 Prozent. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen rund 100 Tage nach dem Start?

Donker van Heel: Wir liegen voll im Plan und betreiben derzeit fünf Linien. Jetzt müssen wir sehen: Wie entwickelt sich der Markt weiter? Wie erreichen wir noch mehr Kunden, und wie intensiv ist der Wettbewerb? Das werden wir in den nächsten Monaten sehen und dann die nächsten Schritte machen.

mm: Was macht City2City anders als die Konkurrenz?

Donker van Heel: Es gibt einen großen Unterschied zwischen uns und unseren Wettbewerbern. Wir konzentrieren uns auf die großen Städte und eine hohe Frequenz von Verbindungen. Andere Wettbewerber bedienen auch kleinere Städte, haben dafür aber weniger Verbindungen pro Tag. Es wird interessant sein zu sehen, wer langfristig mehr Erfolg hat. Wir planen langfristig und wollen Schritt für Schritt ein deutschlandweites Netz aufbauen. Das ist unser Ziel.

mm: Ein Markteinstieg erfordert hohe Investitionen. Wann wollen Sie mit City2City Geld verdienen?

Donker van Heel: Das kommt ganz darauf an, wie sich der Markt entwickelt. Viele potenzielle Kunden kennen Fernbusse noch gar nicht. Sie überlegen sich: Wie komme ich von A nach B, und sind dann sofort bei der Deutschen Bahn. Das ist für uns die größte Herausforderung. Der andere Faktor ist der Wettbewerb. Wir glauben, dass alle Wettbewerber im Markt derzeit Geld verlieren. Das ist auch normal, es ist ein neuer Markt und ein neues Geschäftsfeld. Wir investieren viel Geld in Marketing und Werbung, zum Beispiel bei unserer Aktion, bei der wir 50.000 Tickets für 8 Euro verkaufen. Wie die nächsten Monate aussehen, ist schwer zu sagen. Wenn es normal läuft, sollten wir in zwei Jahren in den schwarzen Zahlen sein.

mm: Die Deutsche Bahn hat ihre Aktivitäten verstärkt, und Ende des Jahres kommen mit ADAC und Post weitere Schwergewichte dazu. Ist es in dieser Situation realistisch, mit der noch wenig bekannten Marke City2City Marktführer in Deutschland zu werden?

Donker van Heel: Absolut. Unser Kerngeschäft ist der Fernbusverkehr. Wir haben eine Vision, und das ist der Unterschied zu manchen Wettbewerbern. Es herrscht derzeit eine regelrechte Goldgräberstimmung. Viele denken, auf diesem Markt ist jetzt leicht Geld zu verdienen. Das stimmt aber so nicht. Man kann Geld mit Fernbussen verdienen, aber nur langfristig. Ich glaube viele Konkurrenten werden enttäuscht sein, wenn sie feststellen, dass dieses Geschäft nicht einfach ist. Der große Unterschied ist unsere langfristige Orientierung. Wir sind die Nummer eins in England und Spanien, und wir wollen auch unbedingt die Nummer eins in Deutschland werden.

mm: Schließt das die Bereitschaft ein, auch längerfristig Verluste in Kauf zu nehmen?

Donker van Heel: Ja, wir sind darauf vorbereitet, dass wir am Anfang Geld verlieren werden. Wir investieren vor allem in Marketing und haben das Ziel, unsere Marke bekannter zu machen. Bei unserem Kennenlern-Angebot geht es nicht um eine Niedrigpreis-Strategie. Sondern darum, dass mehr Leute bei uns einsteigen und das Reisen mit dem Fernbus kennenlernen. Klar ist auch, dass dies kein dauerhafter Preis sein kann.

mm: Sie werben mit modernen Bussen, Beinfreiheit, Steckdosen und W-LAN an Bord. Das tun andere Anbieter auch. Ist am Ende nicht doch der Preis das entscheidende Kriterium?

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