Hauptversammlung der Porsche SE Piëchs wohl letzter Auftritt bei Porsche verläuft entspannt

Ferdinand Piëch: Der scheidende VW-Patriarch ist nach zwei Jahren Abstinenz wieder bei der Hauptversammlung der Porsche SE dabei. Der Generationswechsel bei Porsche und VW ist jedoch längst eingeläutet

Ferdinand Piëch: Der scheidende VW-Patriarch ist nach zwei Jahren Abstinenz wieder bei der Hauptversammlung der Porsche SE dabei. Der Generationswechsel bei Porsche und VW ist jedoch längst eingeläutet

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Er kam tatsächlich. Die Frage, ob Ferdinand Piëch persönlich erscheint, ist Jahr für Jahr eines der Hauptthemen auf der Hauptversammlung der VW -Dachgesellschaft Porsche SE. Zuletzt war Ferdinand Piëch in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied der einflussreichen Beteiligungsholding im Jahr 2014 bei dem Stuttgarter Aktionärstreff gewesen. Danach ließ er sich zwei Jahre in Folge entschuldigen.

Denn 2015 begann der Familienknatsch - Piëch äußerte sich kritisch über den damaligen VW-Konzernboss Martin Winterkorn, seine Verwandten des Porsche-Familienzweiges gaben ihm keine Rückendeckung. Piëch grollte, der Groll wurde größer. Er blieb den Porsche-SE-Versammlungen 2015 und 2016 fern.

Doch in diesem Jahr war es anders. Nun nahm der ehemalige Volkswagen-Konzern- und Aufsichtsratschef Piëch persönlich seinen Sitz im Kontrollgremium der Porsche-Holding ein. Er kam als einer der ersten auf die Tribüne. Seinen Platz hatte er dabei neben Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück und Hans-Peter Porsche - und damit in Respektsabstand zu seinem Cousin Wolfgang Porsche und seinem Bruder Hans Michel Piëch.

Während der einleitenden Worte von Wolfgang Porsche, der als Aufsichtsratschef der Porsche SE die Hauptversammlung eröffnete, unterhielt sich Piëch angeregt mit seinem Nachbarn Hück. Ein Wort ans Publikum richtete er in der ersten Dreiviertelstunde der Veranstaltung nicht. Das überließ er seinem langjährigen Vertrauten Hans Dieter Pötsch, der als Porsche SE-Vorstandschef eine längere Rede hielt.

Piëch wird Posten als Porsche-Aufsichtsrat bald räumen

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Pötsch hob dabei hervor, dass das Hauptinvestment der Porsche Holding, die Volkswagen AG, eine neue Bestleistung vorgelegt habe. "Trotz der Dieselthematik präsentiert sich VW in sehr robuster Verfassung", drückte es Pötsch aus, der zugleich als Aufsichtsratschef des Volkswagen-Konzerns fungiert. Die Porsche-Holding schreibe dank der guten Entwicklung des Volkswagen-Konzerns wieder schwarze Zahlen, für dieses Jahr peilt die Holding einen operativen Gewinn zwischen 2,1 und 3,1 Milliarden Euro an.

Auch auf die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Porsche-Holding ging Pötsch ein. Da sei man im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gewesen, Porsche habe etwa eine Klage in Milliardenhöhe erfolgreich abgewehrt. Insgesamt haben sich alle Vorwürfe gegen Porsche bisher als haltlos erwiesen, so Pötsch.

Für Piëch wiederum dürfte der heutige Auftritt einer der letzten vor größerer Öffentlichkeit sein. Heute hat der 80-jährige bei der Hauptversammlung der PSE Platz genommen, um sich als Aufsichtsrat bestätigen zu lassen. Doch der frühere Auto-Patriarch bleibt bei der Stuttgarter Beteiligungsholding nur vorläufig an Bord .

Denn klar ist auch: Den Stuhl als Porsche-Kontrolleur, auf dem er schon seit 1981 sitzt, wird Piëch bald räumen. Schließlich hat er vor kurzem fast sein komplettes Aktienpaket an Verwandte verkauft. 14,7 Prozent hielt er an der mächtigen Beteiligungsholding, die 52,2 Prozent der Stimmrechte am Autobauer Volkswagen hält. Marktwert seines Pakets: gut 1,1 Milliarden Euro.

Sobald der Anteilsverkauf durch ist, soll Piëch Mandat niederlegen

Ferdinand Piëch verkaufte seine allermeisten Aktien an seinen Bruder Hans Michel Piëch, der wiederum einen Teil davon an den Porsche-Zweig weiterreichte.

Wieviel, ist unklar - der Piëch-Stamm in dem mächtigen Autoclan soll aber auch künftig mehr als 25 Prozent an der PSE halten und somit die Sperrminorität haben. Diese Balance, das hat Familiensprecher Wolfgang Porsche beteuert, soll erhalten bleiben.

Bis spätestens Frühjahr 2018 dürften Finanzbehörden dem Aktiendeal zugestimmt haben. Wenn das grüne Licht kommt, soll auch der Auto-Patriarch außer Diensten, Piëch, sein Mandat niederlegen - und den Platz freimachen für einen jüngeren Verwandten.

Der Übergang der Macht von der 3. auf die 4. Generation - also von den Enkeln des Autogenies Ferdinand Porsche auf dessen Urenkel - lässt zwar noch etwas auf sich warten. Für den Autoexperten Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach ist das aber nur eine Frage der Zeit. "Wir werden den Generationswechsel in den nächsten Jahren erleben - da wird es einige Veränderungen geben."

Porsche und Piëch: Die neue Generation

Die Zeiten, in denen der Autoclan streng unterscheide zwischen Porsche- und Piëch-Zweig, neigten sich dem Ende entgegen. Aus Sicht von Bratzel ist der Abgang von Piëch auch eine Chance, den familieninternen Graben zu überwinden.

Der 3. Generation bei den Porsche/Piëchs gehören sechs Familienmitglieder an, darunter Ferdinand Piëch, sein Bruder Hans Michel sowie deren Cousin Wolfgang Porsche. Zur 4. Generation wiederum zählen 34 Verwandte. Hier ist noch nicht absehbar, wer künftig vor allem in den Fokus rückt. Es ist aber naheliegend, dass es Nachfahren sein werden, die ohnehin schon in der Pflicht stehen und schon jetzt Aufsichtsratsposten im VW-Reich haben.

Da wäre zum Beispiel Ferdinand Oliver Porsche, Jahrgang 1961, Neffe von Wolfgang Porsche. Der Jurist sitzt ohnehin schon im Aufsichtsrat der PSE, von VW und Audi - damit hat er in der 4. Generation den meisten Einfluss.

Da wäre zudem der Sohn von Familiensprecher Wolfgang, Christian Porsche, Jahrgang 1974 - der Mediziner mit Praxis in Salzburg sitzt im Aufsichtsrat der VW-Lastwagentöchter MAN und Scania .

Peter Daniell Porsche, ebenfalls Neffe von Wolfgang, wird nach Informationen von manager magazin bald in den Aufsichtsrat der Porsche SE aufrücken. Zudem hat er eine Beteiligungsholding mit Verlagen und kleinen Industrieunternehmen - er ist im Kontrollgremium der VW-Tochter Skoda.

Hinzu kommen andere Kandidatinnen: etwa Julia Kuhn-Piëch, Jahrgang 1981, Tochter von Hans Michel Piëch - sie ist im Aufsichtsrat bei MAN und Audi. Die im Jahr 1957 geborene Louise Kiesling sitzt im VW-Aufsichtsrat. Eigentlich gehört sie zum Piëch-Zweig, doch sie brachte ihre Aktien ein in eine Stiftung auf der Porsche-Seite. So hat Kiesling schon vor Jahren den familieninternen Graben überwunden.

Kein Verwandter soll bei Porsche mehr operativ das Sagen haben

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Dieser Graben war einst so tief, dass die Familienzweige 1971 eine harte Entscheidung fällen mussten: Sie einigten sich darauf, dass kein Verwandter mehr operativ das Sagen haben durfte beim Sportwagenbauer Porsche  . Auch Ferdinand Piëch musste damals gehen - und machte später Karriere bei Audi  und Volkswagen  .

Seine Wiederwahl als Porsche-Aufsichtsrat am Dienstag könnte das letzte Kapitel einläuten, in dem Zugehörigkeit zu einem der Familienzweige noch eine große Rolle spielt - bevor jüngere Nachfahren das Zepter übernehmen, egal von welchem Zweig. Eins ist für Autofachmann Bratzel sicher: "Einen so starken Einfluss auf die Autobranche ausüben wie Ferdinand Piëch wird keiner der jüngeren Familienangehörigen."

wed/la mit Material von dpa/Wolf von Dewitz
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