Samstag, 7. Dezember 2019

Panne des Regierungs-Airbus Fehler der Lufthansa verursachte Panne des Kanzler-Jets

Das deutsche Regierungsflugzeug, der Airbus A340 Konrad Adenauer

Einen Monat nach der peinlichen Panne des Kanzler-Jets ist klar, dass eine fehlerhafte Lötstelle den Defekt auslöste. Für den Totalausfall des Funksystems aber war wohl ein Lapsus der Lufthansa verantwortlich.

Die peinliche Panne einer Regierungsmaschine mit Bundeskanzlerin Merkel an Bord wurde nach SPIEGEL-Informationen maßgeblich durch einen Fehler der Lufthansa verursacht. Lufthansa-Technik, eine Tochter der Kranich-Airline, hatte den A340 der Flugbereitschaft 2009 umgebaut und wartet den Jet seitdem regelmäßig.

Laut einem vertraulichen Bericht des Generals Flugsicherheit der Bundeswehr vom 15. Dezember versäumte es die Lufthansa nach einer dieser Wartungen im Jahr 2010, die Piloten der Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus über ein neu eingebautes digitales Kommunikationssystem in dem Jet zu informieren.

Die Folgen beim Flug zumG20-Gipfel waren fatal: Auf dem Weg nach Argentinien konnten die Piloten der "Konrad Adenauer" nicht angemessen auf einen Stromausfall der Bordelektronik reagieren. Deswegen gelang es ihnen nicht, das ausgefallene Funksystem für den Kontakt mit dem Boden wieder in Gang zu setzen.

Was an dem Novemberabend als kleines Problem im Luftraum über Braunschweig begann, endete in einer Posse. Am Ende mussten die Piloten über Holland umdrehen und mit vollen Tanks in Köln landen. Die Kanzlerin und der Finanzminister flogen am nächsten Tag mit einem Linienflug der Iberia zum G20-Gipfel.

Blamage auf ganzer Linie

Für die Luftwaffe war die Panne eine Blamage. Folglich untersuchte Brigadegeneral Peter Clement, bei der Truppe für alle Flugunfälle zuständig, den Vorfall genau. Weil ein Flug ohne Funksystem und eine Landung mit vollen Tanks durchaus gefährlich ist, stufte er den Defekt nachträglich in die Kategorie C für erhebliche Vorfälle hoch.

Laut dem vierseitigen Dossier führte eine ganze Kette von Vorfällen zum Flugabbruch. Zunächst verursachte kurz nach dem Start eine "fehlerhafte Lötstelle" an einem Transformator, diese wandeln den durch Turbinen erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom um, einen Stromausfall in Teilen der Bordelektronik.

Normalerweise ist ein solcher Defekt kein großes Problem. Wie jedes Verkehrsflugzeug verfügt auch der Kanzlerinnen-Jet über mehrere redundante Transformator-Einheiten. Bei einem Defekt springen diese sofort ein und sichern die Stromversorgung für die wichtigsten Bord-Geräte wie den Funk.

Im Fall des Regierungs-Airbus aber hielt dies nur 70 Sekunden an, da laut dem Bericht gleich "mehrere defekte Umschaltrelais" in der Bordelektronik die Notstromversorgung sofort wieder lahmlegten.

Nachdem im Cockpit nun kurz die Monitore aufflackerten und ein Warnton zu hören war, konnten die Piloten keinen Kontakt mehr mit dem Boden aufnehmen. Das gesamte Funksystem war tot. Nur mit dem Satellitentelefon gelang es den Piloten, ihren Kommandostand in Köln zu erreichen.

Heikel wurde es erst wegen der Lufthansa

Ebenso betroffen von dem Stromausfall waren Teile der Hydraulik - zum Beispiel für das Ablassen von Sprit. Da der A340 zu dieser Zeit etwa 100 Tonnen Kerosin getankt hatte, war dies ein wichtiger Faktor.

Heikel aber wurde die Situation erst durch den Fehler der Lufthansa. Bereits 2010 hatte die Wartungs-Gesellschaft in dem A340 ein digitales "Audio Management Unit" eingebaut. Das Bauteil kontrolliert die gesamte Kommunikation der Piloten - sowohl im Flugzeug als auch Gespräche mit dem Boden.

Die neue Technik jedoch hat eine wichtige Besonderheit. So kann bei einem Stromausfall "bei einer digitalen AMU im Gegensatz zur analogen AMU die Kommunikation nicht wiederhergestellt werden", so der Bericht. Anhand der Notfall-Checkliste an Bord versuchten die Piloten, den Funk neu zu starten. Vergeblich.

Für diese Situation hatte der Hersteller Airbus allen A340 Kunden bereits vor Jahren eine Notfall-Anleitung, das sogenannte Service-Bulletin "A340-23-4242", übersandt. Darin wird beschrieben, wie man die Funkanlage wieder mit Strom versorgen und den essentiellen Kontakt zum Boden wiederherstellen kann.

Die Piloten des Kanzler-Jets, zwei der erfahrensten Luftwaffen-Kapitäne überhaupt, aber wussten nichts davon. In dem Bericht der Bundeswehr heißt es dazu, das Systemverhalten habe "nicht der aktuellen Dokumentation" entsprochen, der Funk konnte deswegen "entgegen der Notfallcheckliste nicht wiederhergestellt werden".

Laut Bundeswehr kein Mangel

Für die Lufthansa, deren Technik-Tochter international einen exzellenten Ruf genießt, ist der Lapsus, ausgerechnet bei dem Prestige-Projekt Kanzler-Jet, ziemlich peinlich. Die Flugbereitschaft ordnete an, dass sofort alle Piloten über die neue Technik um das entsprechende Service Bulletin von Airbus unterrichtet werden müssen.

Der Transformator wurde sowohl in der "Konrad Adenauer" als auch in dem baugleichen A340 der Regierung ausgebaut. Laut einer Antwort des Wehrressorts für den Grünen-Abgeordneten Tobias Lindner war er mehr als 20 Jahre alt und wurde bereits 1999 in den Jet eingebaut, bevor der A340 zunächst knapp zehn Jahre für die Lufthansa flog.

Einen Mangel will die Bundeswehr darin nicht erkennen. Laut dem Schreiben an Lindner sei eine regelmäßige Wartung oder gar ein zyklischer Austausch der Transformatoren des A340 "nicht vorgesehen". Interessanterweise erwähnt das Ministerium in dem Schreiben an den Abgeordneten den folgenreichen Lapsus der Lufthansa gar nicht.

Bei der Luftwaffe hofft man nun, dass es erstmal keine Pannen des A340 mehr gibt. Der Austausch der Transformatoren und der Relais, schließe "alterungsbedingte Einflüsse" auf die Stromversorgung aus, die Wahrscheinlichkeit für eine weitere G20-Odyssee liegt demnach bei minimalen 1:100.000.000.

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