Mittwoch, 22. Mai 2019

EZB und Fed verstärken die Krise, statt sie zu lösen Entmachtet die Notenbanken!

Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Chef Mario Draghi: Die Notenbanken treiben uns mit ihrer Politik immer tiefer in die Krise, statt sie zu lösen

3. Teil: Die Notenbanken dienen nur einem Teil der Bürger - den Vermögenden

Da dies zunehmend offensichtlicher wurde, haben die Notenbanken ihr Tun als eine explizite Strategie verkauft: über steigende Vermögenswerte soll es zu einem "Reichtumseffekt" kommen, der dazu führt, dass die Vermögensbesitzer mehr konsumieren und so die Realwirtschaft ankurbeln. In der Praxis lässt sich der Effekt allerdings nicht nachweisen. Da ist es eher so, dass die Vermögensbesitzer eine geringere Konsumneigung haben und entsprechend mehr Sparen.

Damit dienen die Notenbanken nicht allen Bürgern, sondern nur einem Teil. Da ist es nur konsequent, dass Ben Bernanke, einer der Hauptbefürworter dieser Politik, kurz nach seinem Ausscheiden bei der Fed beim zweitgrößten Hedgefonds der Welt in Chicago als Berater angeheuert hat. Dessen Gründer, Ken Griffin, ist durch seine Vorliebe für edle Immobilien bekannt und ebenfalls auf der Liste der reichsten Amerikaner.

Dabei betonen die Notenbanken ständig, Gutes zu wollen. Es geht um die Belebung der Realwirtschaft, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und das Verhindern fallender Preise - also einer Deflation. Gerade bei letzterer befürchten die Notenbanken eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale.

Was, wenn man vom Sonderfall der durch zu hohe Schulden ausgelösten großen Depression der 1930er Jahre absieht, völliger Blödsinn ist. Fallende Preise sind in einer Wettbewerbswirtschaft aufgrund von Produktivitätsfortschritten der Normalzustand. Über Jahrzehnte herrschte in der Vergangenheit Deflation, bei hohen Wachstumsraten und steigender Beschäftigung.

Deflation ist Folge der Notenbankpolitik

In Wirklichkeit geht es den Notenbanken darum, eine Vermögenspreis-Deflation zu verhindern, weil dann das ganze auf Schulden basierte System kollabieren würde. Der Leverage-Effekt wirkt dabei wie ein Turbolader nach unten. Bei Eigenkapitalquoten von 10 Prozent und weniger genügt nämlich eine Vermögenspreisdeflation von wenigen Prozenten, um Schuldner in die Überschuldung zu treiben.

Das Bemühen fallende Vermögenspreise zu verhindern, verstärkt derweil die Deflation in der Realwirtschaft. Dies geschieht auf verschiedene Wege:

· Die gestiegene Verschuldung führt zu geringerer Nachfrage, weil Konsum und Investitionen vorgezogen wurden. Nun haben die potentiellen Schuldner keine Verschuldungskapazität oder -Bereitschaft mehr und fragen deshalb weniger nach.

· Fehlinvestitionen und Überkapazitäten werden nicht bereinigt. Über Jahrzehnte wurde mehr oder weniger sinnvoll investiert. Normalerweise wären Fehlinvestitionen in den Rezessionen abgeschrieben worden. Da das verschuldete System solche Abschreibungen nicht mehr verkraftet, werden diese Kapazitäten heute am Leben erhalten. Dies ist möglich, weil Geld fast nichts mehr kostet. Ein Blick auf den Bestand an faulen Krediten genügt, Beispiel Italien. Damit werden Zombie-Unternehmen am Leben erhalten, die weder investieren noch innovieren, dafür aber für alle Unternehmen das Wasser vergiften.

· Die Sparer müssen mehr sparen, weil sie keine Erträge auf ihren Ersparnissen bekommen. Wer für das Alter vorsorgen will, muss deshalb mehr zur Seite legen und kann weniger konsumieren.

Wenn die EZB nun beteuert, "alles zu tun" um eine Deflation in Europa zu verhindern, darf man dies als Ankündigung einer sich verstärkenden Deflation verstehen. Kein Wunder, dass die Zinsen weiter sinken, statt in Vorfreude auf die kommende Inflation zu steigen. Die Märkte wissen sehr wohl, was droht.

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