Sonntag, 19. Mai 2019

EZB und Fed verstärken die Krise, statt sie zu lösen Entmachtet die Notenbanken!

Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Chef Mario Draghi: Die Notenbanken treiben uns mit ihrer Politik immer tiefer in die Krise, statt sie zu lösen

2. Teil: Immer mehr Schulden, um die Illusion der Bedienung alter Schulden zu erhalten

Das Ergebnis: noch nie war die Welt so hoch verschuldet wie heute und wir nähern uns dem Ende der Verschuldungskapazität. Immer weniger potentielle Schuldner sind noch bereit und in der Lage, zusätzliche Schulden zu machen. Immer weniger führen neue Schulden zu Mehrnachfrage. Immer mehr Schulden werden nur noch gemacht, um die Illusion der Bedienung vorhandener Schulden zu erhalten.

Eng mit dem Schuldenboom verbunden ist die Entwicklung der Vermögen. Jeder vierte der 400 reichsten Amerikaner ist durch "Investments" so reich geworden. Die meisten davon mit billigem Kredit. Banken, Hedgefonds und Private Equity erzielen ihre zum Teil fantastischen Renditen nur durch den massiven Einsatz von "Leverage", also Kredit.

Schon vor Jahren rechnete die Citibank vor, dass man, wenn man einen Aktienindex mit ähnlichem Leverage kauft, wie ihn die Private Equity Branche nutzt, auch Erträge auf ähnlichem Niveau erzielt.

Der Wirkungsmechanismus ist bekannt: Nehmen wir an, Sie könnten sich eine Aktie zu 100 Euro kaufen, die eine Dividende von 10 Euro pro Jahr bezahlt. Dies ergibt eine Rendite von 10 Prozent. Attraktiver wäre es, sich zusätzlich zu ihren 100 Euro noch 400 Euro von der Bank zu leihen und gleich fünf Aktien zu kaufen. Gibt die Bank sich mit fünf Prozent Zinsen zufrieden, gehen 20 Euro an die Bank und 30 Euro bleiben bei Ihnen. Macht 30 Prozent Rendite.

Einbahnstraße zum Reichtum - ohne Notenbanken wäre Piketty unbekannt

Nun merken auch andere, was für ein gutes Geschäft das ist und geben sich mit Renditen unter 30 Prozent zufrieden, zahlen also mehr für die Aktie. Die Vermögenspreise beginnen zu steigen. Schön für jene, die schon die Aktie gekauft haben, denn Dank des höheren Wertes bekommen sie von der Bank noch mehr Kredit angeboten und können noch mehr Aktien kaufen. Je tiefer der Zins und je geringer die Eigenkapitalanforderungen, desto attraktiver ist das Spiel und desto höher können die Vermögenspreise steigen.

Die Notenbanken haben Kapitalanforderungen und Zinsen in den letzten Jahrzehnten deutlich gesenkt. Eine Einbahnstraße zum Reichtum für jene, die das Spiel mitgemacht haben. Ohne die Notenbanken hätte sich Thomas Piketty, der französische Professor der in seinem Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" die ungleiche Vermögensverteilung anprangert, ein anderes Forschungsgebiet suchen müssen.

Dabei merkt er auf seinen fast 1000 Seiten nicht mal, dass der Vermögensanstieg parallel mit dem Verschuldungsanstieg Mitte der 1980er Jahre beginnt und bleibt deshalb bei einer Symptombeschreibung hängen, ohne zu der eigentlichen Ursache zu kommen: billige Kredite sind der Treibstoff für Vermögenspreise.

Zugleich sind die billigen Kredite auch die Ursache für die ungleiche Vermögensverteilung. Denn naturgemäß profitieren von steigenden Vermögenswerten nur jene, die Vermögen besitzen.

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