Satire So hindern Chefs ihre Mitarbeiter am Faulenzen

Aus Unternehmen und Behörden häufen sich alarmierende Nachrichten: Viele Berufstätige langweilen sich während eines Großteils ihrer Arbeitszeit. Manch einer bleibt gleich ganz zu Hause, weil er seinen Job so öde findet - und das mitunter viele Jahre lang!

Arbeitgeber, die dagegen etwas tun wollen, haben es nicht leicht. Denn viele Mitarbeiter wissen ihren Leerlauf mit allerlei Kniffen gut zu verbergen. So ist es praktisch unmöglich, betroffene Kollegen individuell anzusprechen und für Linderung zu sorgen.

Die gute Nachricht für Manager und Führungskräfte lautet jedoch: Findige Betriebswirte haben bereits Methoden entwickelt, mit denen sich das Problem systematisch eindämmen lässt. Lesen Sie daher im Folgenden: Die wichtigsten Tricks, mit denen Chefs ihre Mitarbeiter am Faulenzen hindern können!

Die exakte Kalkulation der optimalen Mitarbeiterzahl

Ausgelastet? Je weniger Mitarbeiter, desto weniger Freiraum

Ausgelastet? Je weniger Mitarbeiter, desto weniger Freiraum

Foto: Corbis

Beginnen wir mit dem kleinen Einmaleins des Managements: Angenommen, auf Betriebsebene muss Arbeitsmenge X bewältigt werden und die Anzahl der Mitarbeiter beträgt zunächst Y. Dann ist offensichtlich, dass jeder Mitarbeiter in der Lage ist, die individuelle Arbeitsmenge X/Y zu leisten.

So weit verständlich? Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zur ersten Maßnahme mit gewöhnlich durchschlagendem Erfolg: Wenn jeder Mitarbeiter die Menge X/Y leisten kann, warum sollte er dann nicht auch 2 mal X/Y leisten können?

Im Klartext heißt das: Arbeitgeber, deren Leute während der Arbeitszeit offenkundig unter zu viel Freiraum leiden, sollten zunächst mal jeden zweiten entlassen. Die Verbliebenen sind in der Regel dankbar, zum Beispiel darüber, dass sie künftig ausgefüllter arbeiten können. Und ganz nebenbei lassen sich auch noch Kosten sparen.

Das Prinzip "Legebatterie"

Prinzip "Legebatterie": Großraumbüros haben zweifellos auch Vorteile

Prinzip "Legebatterie": Großraumbüros haben zweifellos auch Vorteile

Foto: Deutsche Bank

Ein weiterer Vorteil von Maßnahme eins ist: Die Firma kommt nun mit deutlich weniger Platz aus. Dieser Effekt wird durch Trick zwei noch gesteigert: Setzen Sie so viele Mitarbeiter wie möglich in ein Zimmer (das Prinzip "Großraumbüro", oder, wie Consultants gerne ulken, "Legebatterie").

So benötigen Sie unterm Strich deutlich weniger kostspielige Fläche. Und noch viel wichtiger: Ihre Leute lungern nicht mehr dauernd zurückgelehnt in ihren Stühlen und lassen den Blick aus dem Fenster schweifen.

Kollege Big Brother wirkt Wunder

Privates Internetsurfen während der Arbeitszeit? Nicht, wenn alle dabei zusehen

Privates Internetsurfen während der Arbeitszeit? Nicht, wenn alle dabei zusehen

Foto: Corbis

Stattdessen könnten die Mitarbeiter nun natürlich auf die Idee kommen, (noch mehr als bisher schon) nach Herzenslust im Internet zu surfen, was Fachleuten zufolge ein immenses Problem in vielen Firmen darstellt.

Auch dafür gibt es aber eine Lösung: Stellen Sie unbedingt alle Schreibtische so auf, dass die Bildschirme für Jedermann einsehbar sind. Denn merke: Das Gefühl, ständig einen Beobachter im Rücken zu haben, hat noch keinem geschadet. Also keinem Arbeitgeber.

Wozu eigentlich Stühle?

Wozu Stühle? Viele Tätigkeiten lassen sich ebenso gut stehend erledigen

Wozu Stühle? Viele Tätigkeiten lassen sich ebenso gut stehend erledigen

Foto: Roland_Scheidemann/ picture-alliance / dpa

Apropos im Stuhl zurücklehnen und den Blick schweifen lassen: Wozu brauchen Ihre Leute eigentlich Stühle? Ist Arbeiten im Stehen nicht bekanntlich viel gesünder? Es gibt bereits tolle Stehpulte für den Büroalltag. Die sind deutlich platzsparender als herkömmliche Schreibtische inklusive der Stühle - und zum Hinsetzen ist doch schließlich die Pause da.

Das Prinzip "Imbissbude"

Kaffeehaus-Szene in Indien: Im Stehen dauern Pausen kürzer

Kaffeehaus-Szene in Indien: Im Stehen dauern Pausen kürzer

Foto: DPA

Andererseits: Haben Sie mal beobachtet, wie gemütlich Ihre Leute mittags in der Kantine zusammensitzen und plauschen. Das Essen ist mitunter längst verspeist, aber an Aufbruch denkt da keiner. Hier noch ein Dessert, dort ein Käffchen ... Sie kennen das.

Merke dazu: Wer nicht sitzen kann, macht kürzer Pause. Fachleute raten daher dringend, Kantinen und Cafeterias zu modernisieren. Sprich: Alle Stühle rauszuschmeißen und stattdessen Tresen und Stehtische aufzustellen (das Prinzip "Imbissbude"). Und unbedingt das Dessert vom Speiseplan streichen - ist auch viel gesünder.

Die Transparenzoffensive

Moderne Architektur: Viel Glas steigert die Arbeitseffizienz

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Foto: Corbis

Wo wir gerade beim Thema Modernisierung sind: Machen Sie am besten gleich Nägel mit Köpfen, immer entlang der neuesten Trends in der Architektur. Sprich: Reißen Sie so viele Bürowände wie möglich ein und ersetzen Sie sie durch Glas. Glastüren, Glastische, Glaswände, Glasdecken, Glasfahrstühle - Sie werden sehen, so eine helle, lichtdurchflutete Bürogestaltung motiviert ungemein.

Ihre Mitarbeiter werden schlagartig mit größerem Eifer bei der Sache sein (was natürlich auch daran liegt, dass jeder jeden in jeder Minute und überall bei der Arbeit beobachten kann).

Geheimwaffe Bewegungsmelder

Bastion der Ruhe und Gelassenheit? Auch auf dem "stillen Örtchen" sind Mitarbeiter nicht unbedingt ungestört

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Foto: RAVEENDRAN/ AFP
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Wenn Sie als Arbeitgeber bis hierher gekommen sind, haben Sie es beinahe geschafft. Ihre Angestellten haben jetzt kaum noch eine Chance, etwas anderes zu tun als zu arbeiten, zu arbeiten und nochmal zu arbeiten. Für Faulenzerei gibt es weder die Zeit noch den geeigneten Platz, an dem keiner etwas davon bemerken würde.

Bis auf eine Ausnahme natürlich. Ein einziges Plätzchen findet sich noch, an das sich weiterhin zurückziehen kann, wer wenigstens ein paar Minuten des Arbeitstages entspannt verbringen will. Die Rede ist, wie sollte es anders sein, von: der Toilette.

Wer hätte das gedacht: Der Abort, der Lokus, das sprichwörtlich "stille Örtchen" als letzter Rückzugsort in der modernen Arbeitswelt, als Bastion der Ruhe und Gelassenheit, als Festung gegen all die Hektik, die Karrieristen und Optimierer von morgens bis abends verbreiten. Doch Sie ahnen es: Auch dafür haben sich kluge Köpfe etwas einfallen lassen. Und nein: Glaswände sind es diesmal nicht.

Dunkle Geschäfte

Der Trick ist viel einfacher: Sorgen Sie dafür, dass das Licht in den Wasch- und Toilettenräumlichkeiten ihres Unternehmens automatisch an- und ausgeht. Mit Bewegungsmeldern, das spart Strom und damit Kosten. Vor allem aber ermöglicht es Ihnen, Ihren Mitarbeitern nach allem anderen auch noch vorzuschreiben, wie lange deren, nun ja, Sitzung zu dauern hat. Wo kämen wir denn auch hin, wenn jeder so lange auf dem Klo verweilen würde, wie die Natur es ... aber lassen wir das.

Was also tun? Ganz simpel: Einen einzigen Bewegungsmelder, gleich vorne bei den Waschbecken, mehr braucht es selbstverständlich nicht. Wozu denn in den Zellen, hinter den verschließbaren Türen auch noch welche anbringen ... ?

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