Sonntag, 25. August 2019

Datenskandal schlägt Wellen Aktionäre verklagen Facebook - Konzern sieht sich als Opfer

"Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden": Facebook-Chef Mark Zuckerberg gerät immer mehr in Bedrängnis. US-Senatoren und mehrere Regierungen in Europa wollen Zuckerberg vorladen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sieht sich und seinen Konzern als Opfer im Datenskandal. Aktionäre sehen das anders, sie haben Facebook verklagt, weil sie sich von dem Konzern falsch informiert fühlen. Die Aktien des Konzerns haben in den letzten Tagen bis 50 Milliarden Dollar an Wert verloren. Derweil scheint die für den Datenskandal mit verantwortliche Analysefirma enge Kontakte zu Donald Trump gehabt zu haben.

Im Datenskandal um Facebook haben Aktionäre Klage gegen das weltgrößte soziale Netzwerk eingereicht. Facebook habe "sachlich falsche und irreführende Aussagen" zur Firmenpolitik gemacht, heißt es in der Klageschrift, die am Dienstag (Ortszeit) bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht wurde. Das berichten CNN und weitere US-Medien. Hintergrund ist der dramatische Kurseinbruch der Facebook-Aktie seit Bekanntwerden des Datenskandals um die britische Analysefirma Cambridge Analytica.

Facebook habe mitteilen müssen, dass es Dritten Zugriff auf Daten von Millionen Nutzern ohne deren Zustimmung gewährt habe, argumentieren die Kläger. Da das Unternehmen das nicht getan habe, hätten sie große Verluste erlitten.

Der Kurs der Aktie von Facebook Börsen-Chart zeigen hatte am Montag um 7 Prozent nachgegeben, was rund 35 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtete. Am Dienstag sackte er erneut um 2,6 Prozent ab. Facebook verlor seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert an der Börse.

Den Berichten zufolge reichte der Facebook-Aktionär Fan Yuan die Klage stellvertretend für eine ungenannte Zahl weiterer Investoren ein, die zwischen dem 3. Februar und dem 19. März Facebook-Aktien gekauft hätten. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage von CNN zunächst nicht zu der Klage äußern.

Vielmehr sieht sich Facebook selbst als Betrogenen. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", heißt es in einer ebenfalls am Dienstag (Ortszeit) verbreiteten von Facebook.

Analysefirma soll Kontakt zu Trump gehabt haben

Die umstrittene Datenanalyse-Firma, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix einen Großteil des Wahlkampfs für US-Präsident Donald Trump bestritten hat, soll Zugriff auf Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen gehabt haben. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC leitete nach Informationen der "Washington Post" eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein.

Das Unternehmen erklärte in der Mitteilung, es werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernsts der Lage bewusst.

Dabei gärt die Diskussion um mehr Transparenz schon länger in dem Konzern. In dem Streit hatte der Facebook-Sicherheitschef eine Untersuchung zur möglichen Beeinflussung von Facebook-Nutzern und mehr Öffentlichkeit in dieser Frage vom Management eingefordert, konnte sich damit aber nicht durchsetzen und wird Facebook nun verlassen, berichteten US-Medien.

Cambridge Analytica soll mit seiner Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben - möglicherweise mithilfe von unrechtmäßig gesammelten Facebook-Daten. Nix, der am Dienstagabend suspendiert worden war, hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter von Channel 4.

Unter anderem will Nix Trump persönlich mehrere Male getroffen haben. Nix selbst erklärte, er habe nur ein Spiel gespielt. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht offiziell. Der Undercover-Reporter von Channel 4 hatte sich mit Nix und anderen Top-Managern von November 2017 bis Januar 2018 mehrfach in Londoner Hotels getroffen.

Undercover-Reporter soll Analytica-Chef mehrfach getroffen haben

An einer Stelle antwortete Nix dem Channel-4-Bericht zufolge auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Gegner zu beschaffen, seine Firma könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken". Ukrainerinnen seien "sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut". Eine weitere Vorgehensweise sei, einem Kandidaten viel Geld für seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit Ländereien als Gegenleistung - und das Ganze auf Video aufzunehmen und später zu veröffentlichen.

Erst nach Untersuchungen im US-Kongress räumte das Online-Netzwerk schrittweise ein, dass 150 Millionen Nutzer von Facebook und Instagram mit politischer Propaganda aus Russland in Berührung gekommen sein dürften.

rei mit Agenturen

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