09.01.2017

Sechs Frauen mehr in 2016

Frauenanteil in Deutschlands Vorstandsetagen bleibt gering

mg/dpa

DPA

HHLA-Chefin Angela Titzrath ist eine von insgesamt nur drei Frauen, die ein deutsches börsennotiertes Unternehmen führen

Majid Moussavi für manager magazin

Melanie Kreis
Finanzvorstand, Deutsche Post DHL Group
Sie ist die Prima inter Pares der deutschen Managerinnen. Die Mutter zweier Kinder läuft zu Hochform auf, wenn's komplex wird. Lesen Sie ein Porträt über die 45-Jährige Physikerin in der Januar-Ausgabe des manager magazins.

Microsoft

Sabine Bendiek
Deutschland-Chefin, Microsoft
Seit Januar 2016 führt sie Microsofts Deutschland-Business - als erste Frau auf diesem Posten. Erfahrungen sammelte sie unter anderem bei Siemens Nixdorf, Dell und in der Beratung. Gilt als hart, aber herzlich.

Dorothee Blessing
Deutschland-Chefin, J. P. Morgan
Die ehemalige Goldman-Sachs-Partnerin ist eine feste Größe in der deutschen Finanzszene. Seit Mitte 2015 leitet die gewiefte Dealmakerin von Frankfurt aus die deutsche Repräsentanz der größten Investmentbank der Welt. Genießt bei ihren Kunden einen tadellosen Ruf.

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Birgit Bohle
Vorstandsvorsitzende, DB Fernverkehr
Die ehemalige McKinsey-Beraterin soll die notorische Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn in den Griff kriegen. Klar strukturiert, gut vernetzt, benennt Probleme offen.

BMW / DPA

Milagros Caiña Carreiro-Andree
Personalvorstand, BMW
Arbeitete ebenfalls für die Bahn, bevor sie 2012 in den BMW-Vorstand wechselte. Nach außen eher unauffällig, gilt intern aber als Frau mit Stehvermögen.

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Lisa Davis
Vorstand Energie, Siemens
Die uneitle Amerikanerin (vormals Texaco und Shell) hat den härtesten Job im Siemens-Reich übernommen: Sie soll die preisgeplagte Energiesparte wieder in Schwung bringen und Milliardenzukäufe integrieren.

PR

Belén Garijo
Pharmavorstand, Merck
Wunschkandidatin von Konzernchef Stefan Oschmann, der sie bereits 2011 zu Merck holte. Die Spanierin soll der schwächelnden Pharmasparte neues Leben einhauchen - eine Schlüsselfunktion.

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Béatrice Guillaume-Grabisch
Deutschland-Chefin, Nestlé
Seit 2013 bei Nestlé, seit 2015 Deutschland- Geschäftsführerin. Die zielstrebige Französin ist sehr erfahren, mit vielen Stationen in der Konsumgüterindustrie (unter anderem Beiersdorf, L'Oréal, Coca-Cola).

REUTERS

Kim Hammonds
Chief Operating Officer, Deutsche Bank
Seit 2013 wühlt sich die Amerikanerin durch einen der größten Problemberge der Deutschen Bank: die Modernisierung der IT. Öffnet das Haus für externe Softwareentwickler.

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Christine Hohmann-Dennhardt
Vorstand Recht, Volkswagen
Die Juristin wechselte 2016 von Daimler zu VW, in ein herausforderndes Umfeld: Hauptverhandlungsführer für die US-Klagen ist nicht sie, sondern der Einkaufsvorstand. Auch gegen den mächtigen Justiziar muss sie sich durchsetzen.

Allianz

Jacqueline Hunt
Vorstand Asset-Management, Allianz
Südafrikanerin, seit Juli im Allianz-Vorstand. Sie soll Pimco auf die Finger schauen, der Asset-Management-Tochter in Kalifornien. Die Einheit galt zuletzt als Sorgenkind.

picture alliance / Eventpress

Julia Jäkel
CEO, Gruner + Jahr
Seit 2013 die very First Lady im Traditionsverlag am Hamburger Baumwall. Hält die Bertelsmann-Tochter durch umfangreiche Um- und Neubauten im Digitalzeitalter auf Kurs. War eine treibende Kraft hinter dem spektakulären Austritt der Hamburger Verlagshäuser aus dem Verlegerverband.

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Renata Jungo Brüngger
Vorstand Recht, Daimler
Die erfahrene Juristin aus der Schweiz hält beim Stuttgarter Autokonzern die Fahne der Integrität hoch. Seit 2011 im Konzern, seit 2016 im Vorstand, nachdem Vorgängerin Christine Hohmann-Dennhardt zu Volkswagen weiterzog. Hat 800 Leute im Team und wird von den Car-Guys sehr geschätzt.

IBM

Martina Koederitz
Deutschland-Chefin, IBM
Einmal IBM, immer IBM: Die Karriere der Betriebswirtin zeichnet sich durch absolute Geradlinigkeit aus. Sehr zurückhaltend, aber glasklar positioniert, wenn es ihr wichtig erscheint: Gründungsmitglied der "Chefsache", eines Top-Manager-Netzwerks der Konzernwelt zur Förderung von Diversity.

Siemens

Janina Kugel
Personalvorstand, Siemens
Die engagierte und aufgeschlossene Kämpferin für mehr Vielfalt in der Arbeitswelt führt das Personalressort im riesigen Siemens-Reich. Hat das Ohr von CEO Joe Kaeser.
Enthielt sich als Jurorin bei der Entscheidung über ihre Person.

Kelly/ Mooney Productions

Erica Mann
Vorstand Consumer Health, Bayer
Seit Anfang 2016 erste Frau im Bayer-Vorstand. Die Südafrikanerin arbeitete bei etlichen globalen Pharmaadressen, bevor sie 2011 als Expertin für verschreibungsfreie Medikamente zu Bayer kam. Ihr Bereich liefert stabile Margen für den Konzernumbau.

DPA; Deutsche Bank/Sylvie Matherat

Sylvie Matherat
Vorstand Regulierung, Deutsche Bank
Die Regulierungs- und Compliance-Beauftragte mit französischem Pass soll helfen, die Altlasten der Vergangenheit aufzuarbeiten und Hunderte von Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Hat einen sehr selbstbewussten Auftritt, mit dem nicht jeder altgediente (männliche) Deutschbanker zurechtkommt.

REUTERS

Simone Menne
Finanzvorstand, Boehringer Ingelheim
Zu Lufthansa-Zeiten war sie Deutschlands einziger weiblicher Finanzvorstand im Dax-30. Doch die Chemie zwischen ihr und CEO Carsten Spohr stimmte nie so recht. Seit September wirkt sie nun - für mehr Geld - beim Pharmaschwergewicht in Ingelheim.

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Tina Müller
Marketingvorstand, Opel
Der Kopf hinter "Umparken im Kopf". Die originelle Kampagne hat der quirligen Managerin viel Aufmerksamkeit beschert. Ob sie auch geholfen hat, den Absatz nachhaltig anzukurbeln und die Marke endlich aus den roten Zahlen zu fahren, muss sich zeigen.

Deutsche Telekom

Claudia Nemat
Vorstand IT, Netztechnik und Innovation, Deutsche Telekom
Allein dass sie sich schon so lange inmitten der Boygroup um Tim Höttges hält, ist bemerkenswert. Das Europa-Ressort, dessen Umsätze beständig schrumpfen, hat der CEO ihr gerade entzogen. Sie kümmert sich jetzt um Innovationen. Insider sind sicher: Sie macht was draus.

Douglas

Isabelle Parize
CEO Douglas Holding
Die strenge Französin steht seit Februar an der Spitze der Parfümeriekette mit ihren rund 20.000 Mitarbeitern und fast 2,7 Milliarden Euro Umsatz. War zuvor schon CEO bei der Douglas-Tochter Nocibé. Will in allen Märkten, in denen das Unternehmen tätig ist, ganz nach vorn.

Ariane Reinhart
Personalvorstand, Conti
Übernahm das Personalressort bei Continental, nachdem ihre Vorgängerin Elke Strathmann an vorstandsinternen Querelen gescheitert war. Selbst ernanntes Car-Girl mit Porsche Macan als Dienstwagen. Selbstbewusst, dynamisch. Besitzt das Vertrauen von Conti-Großaktionärin Maria-Elisabeth Schaeffler.

Martin Joppen

Helene von Roeder
Deutschland-Chefin, Credit Suisse
Die Astrophysikerin und Investmentbankerin führt die deutsche Credit-Suisse-Tochter seit 2014. Unter ihrer Leitung gelang der Sprung auf Platz vier der besten M&A-Banken. Mitglied im einflussreichen Cranach Kreis in Frankfurt, zusammen mit Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und Rothschild-Statthalter Martin Reitz.

DPA

Anke Schäferkordt
CO-Vorstandsvorsitzende, RTL Group
Liefert seit Jahren unermüdlich stattliche Gewinne in Gütersloh ab und wurde 2012 mit einem Sitz im Bertelsmann-Konzernvorstand belohnt. Startete bei Vox, als es in der Welt des Privatfernsehens noch beschaulich zuging. Muss sich nun ranhalten, denn im Digitalgeschäft macht Rivale ProSiebenSat.1 inzwischen eine deutlich bessere Figur.

Otto

Petra Scharner-Wolff
Finanzvorstand, Otto Group
Kontrolliert seit Juni 2015 die Finanzen des Hamburger Versandhändlers mit gut 12 Milliarden Euro Umsatz. Die Diplomkauffrau ist seit 17 Jahren im Unternehmen und nach außen wenig bekannt. Intern fiel ihr Potenzial früh auf, wurde über Jahre systematisch nach oben entwickelt.

DPA / HSBC Trinkaus & Burkhardt / Jochen Manz

Carola Gräfin von Schmettow
Vorstandssprecherin, HSBC Trinkaus
Die Chefin der Privatbank HSBC Trinkaus ist Deutschlands einzige Frau an der Spitze eines größeren Geldhauses. Startete 1992 als Händlerin im Großraumbüro, gilt als extrem analytisch. Kontrolliert den stahlgeschwächten Ruhrkonzern ThyssenKrupp.

imago

Hauke Stars
Vorstand Wertpapierhandel, Deutsche Börse
2012 heuerte die damalige Schweiz-Top-Managerin von Hewlett-Packard bei der Deutschen Börse an. Wichtigstes Projekt der Kassamarktchefin: das neue Marktsegment für junge, schnell wachsende Kleinunternehmen.

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Margret Suckale
Personalvorstand, BASF
Als Arbeitsdirektorin und Leiterin des Standorts Ludwigshafen ist die Ex-Bahnerin hoch respektiert. Ihr Abgang dort (ungeklärte Beteiligung an der Datenaffäre) ist vergessen. Suckales BASF-Vertrag läuft bis 2017. Eine Karriere als Aufsichtsrätin könnte folgen.

Lufthansa / DPA

Bettina Volkens
Personalvorstand, Lufthansa
Seit Mitte 2013 Personalchefin der deutschen Vorzeige-Airline. Machte zuvor bei der Bahn als Personalerin Karriere. Ihre Kernaufgabe, die Befriedung der zeitweilig von Streikserien erschütterten Fluggesellschaft, hat die promovierte Juristin allerdings noch nicht gelöst.

DPA

Ute Wolf
Finanzvorstand, Evonik
Mathematikerin mit Stationen bei Deutscher Bank, Telekom und Metro. Begleitete die RAG erfolgreich beim Umbau in den Börsenkonzern Evonik. Der Vorstandsposten kam zwangsläufig. Gibt sich eher leise.

Die Führungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind trotz des politischen Drucks häufig reine Männerdomänen. Der Frauenanteil in den Vorständen wächst nur langsam, wie eine am Montag veröffentlichte Auswertung der Beratungsfirma EY zeigt. Demnach arbeiten zum 1. Januar 2017 in den 160 börsennotierten Firmen aus Dax , MDax , SDax und TecDax nur 45 weibliche Vorstände. Das seien sechs mehr als ein Jahr zuvor. Knapp 76 Prozent der Gremien seien aber weiter rein mit Männern besetzt.

Den 45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Das ergebe einen Frauenanteil von 6,7 Prozent. Anfang 2016 waren es 5,9 Prozent, ein Jahr zuvor 5,2 Prozent. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorständen weiter so langsam steige wie im letzten Jahr, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnet EY vor. "Deutsche Vorstandsetagen sind nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen", sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung in Deutschland.

Nur drei der 160 Unternehmen werden von Frauen geführt. Bei RTL , dem Hamburger Hafen- und Logistikdienstleister HHLA sowie dem Biotechunternehmen Medigene stehen Frauen an der Spitze, die übrigen 157 sind in männlicher Hand.

Deutlich höher ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten. Bei den 30 Dax-Konzernen überschritt er nach früheren Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) insgesamt bereits die 30-Prozent-Marke. Die Bundesregierung hatte im Mai 2015 mit dem Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen den Druck auf Wirtschaft und Verwaltung erhöht.

Quote gilt nur für Aufsichtsräte, nicht für Vorstände

Seit dem 1. Januar 2016 verpflichtet es 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht, von dem Gesetz sollte aber Signalwirkung ausgehen.

Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeige, dass es keine Frage des Könnens der Frauen, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen sei, meint Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der EY-Geschäftsführung. "Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Vorstandsposten." Gemischte Teams brächten zudem bessere Leistungen.

Bei der Präsenz von Frauen in Vorständen liegen die 30 Großkonzerne aus dem Dax vorne. Sie weisen einen Quote von 11,3 Prozent aus. Im SDax haben weibliche Vorstände hingegen einen Anteil von 5,9 Prozent, noch weniger sind es im MDax (4,3) und dem TecDax (3,9).

Den höchsten Frauenanteil im Vorstand haben laut der Analyse Firmen aus der Telekommunikations- und Finanzbranche (je 14 Prozent) sowie der Transport- und Logistiksektor (13). Das Schlusslicht bilden die Branchen Industrie und Rohstoffe (je 4) sowie Technologie (1).

Erfolgreiche Frauen: Das sind Deutschlands wichtigste Managerinnen

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