Dienstag, 25. Juni 2019

Sal. Oppenheim-Prozess Ex-Privatbank-Manager lehnt Deal mit Gericht ab

Kein Ende in Sicht: Die ehemaligen Banker Matthias Graf von Krockow (M.), Friedrich Carl Janssen (l.) und Dieter Pfundt (r.) stehen am Mittwoch in Köln im Saal des Landgerichts. Der Prozess gegen die ehemaligen Chefs des Bankhauses Sal. Oppenheim dauert schon mehr als 100 Verhandlungstage

Knapp zwei Jahre nach dem Beginn des Sal.-Oppenheim-Prozesses zeichnet sich kein rasches Ende ab. Einer der Angeklagten, Ex-Sal.-Oppenheim-Manager Dieter Pfundt, wies einen Verständigungsvorschlag des Gerichts ab.

Köln - Knapp zwei Jahre nach dem Beginn des Sal.-Oppenheim-Prozesses zeichnet sich vor dem Landgericht Köln kein rasches Ende des Verfahrens ab. Einer der Angeklagten, der ehemalige Sal.-Oppenheim-Manager Dieter Pfundt, wies am Mittwoch einen Verständigungsvorschlag des Gerichts ab.

Er sehe sich nicht in der Lage, ein vom Gericht vorgeschlagenes Geständnis abzulegen, argumentierte seine Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft will sich nun in der kommenden Woche zu dem Vorschlag der Richter äußern, mit dem die Weichen in Richtung auf einen Abschluss des bereits über 100 Verhandlungstage dauernden Verfahrens gestellt werden sollten.

Richterin Sabine Grobecker hatte in der vergangenen Woche gesagt, die Kammer halte vier ehemalige Führungsmitglieder der Privatbank nach gegenwärtigem Stand für schuldig und neige dazu bei ihnen auf schwere Untreue zu entscheiden. Grobecker hatte drei Angeklagten zudem - wie von diesen gewünscht - Verständigungsvorschläge gemacht.

Ohne Geständnisse kommt der Deal nicht zustande

Danach würde sich eine Strafe für den Ex-Bankier Matthias Graf von Krockow zwischen zwei und drei Jahren bewegen, bei Christopher von Oppenheim seien es zwischen 22 und 34 Monaten und Pfundt könne mit einer Spanne zwischen 20 und 32 Monaten rechnen. Freiheitsstrafen bis zu einer Höhe von zwei Jahren würden zur Bewährung ausgesetzt. Damit diese Vorschläge umgesetzt werden können, müssten die Angeklagten aber Geständnisse ablegen. Pfundt stimmt dem Vorschlag der Kammer nun aber nicht zu.

Die Anklage beanstandet in dem 2013 begonnenen Prozess Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt, bei denen ein Millionenschaden entstanden sein soll. Auch Geschäfte der Bank rund um die Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor sind Teil der Anklage. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, geriet auch die eng mit dem Konzern verbundene Bank Sal. Oppenheim in Schwierigkeiten. Die einst größte Privatbank in Europa wurde letztlich von der Deutschen Bank aufgefangen.

rei/rtr

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