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Fifa-Funktionäre in Haft: Diese Stützen fehlen dem System Blatter jetzt

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Es wird eng für Fifa-Chef Blatter Ex-Fifa-Vize Warner stellt sich der Polizei

Von mm-newsdesk

Der Haftbefehl aus den USA zeigt Wirkung: Der ehemalige Vizepräsident der Fifa, Jack Warner, hat sich den Behörden in seinem Heimatland Trinidad und Tobago gestellt. Die US-Justiz wirft dem 72-Jährigen unter anderem Korruption, Betrug und Geldwäsche vor.

Mindestens eine Nacht muss Warner in Gewahrsam verbringen, dann soll er gegen eine Kaution in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar auf freien Fuß kommen - und gegen Auflagen: Unter anderem muss der Ex-Funktionär seinen Reisepass abgeben und sich zwei Mal pro Woche bei der Polizei melden. Der nächste Gerichtstermin ist für den Juli angesetzt.

Warner bestritt in einer kurzen Erklärung die gegen ihn erhobenen Vorwürfe: "Was immer gegen mich geplant ist: Es wird nicht gelingen", sagte er in einer auf Facebook verbreiteten Videobotschaft. Er sei bislang nicht zu den Vorwürfen befragt worden und könne weiter nichts zu den Vorgängen sagen. Später erklärte er: "Ich kann nachts ruhig schlafen."

Ex-Funktionär Warner: "Ich kann nachts ruhig schlafen"

Ex-Funktionär Warner: "Ich kann nachts ruhig schlafen"

Foto: Alva Viarruel/ dpa

Warner ist in der Vergangenheit mehrfach in Korruptionsskandale rund um die Fifa verstrickt gewesen. 2006 übernahm er die Ticket-Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900.000 Dollar Provisionen ein. Die Fifa-Untersuchung ergaben keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn; Warner senior kam mit einer Verwarnung davon.

Rücktritt wegen Korruptionsvorwürfen

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Warners Söhne Daryan und Daryll die gegen sie erhobenen Vorwürfe 2013 eingeräumt hätten. Offenbar kooperieren sie seither mit der US-Justiz. Dabei soll es unter anderem um Stimmenkäufe bei der Vergabe der WM 2010 an Südafrika gehen.

Jack Warner war 2011 nach weiteren Korruptionsvorwürfen rund um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 von seinen Fifa-Ämtern zurückgetreten. Bereits seit 2007 sitzt er im Parlament von Trinidad und Tobago. Von 2012 bis 2013 amtierte er kurzzeitig als Minister für Nationale Sicherheit.

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Die USA haben nun zwei Monate Zeit, einen förmlichen Auslieferungsantrag zu stellen. Laut einem bilateralen Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Trinidad und Tobago kann er nach einer richterlichen Anhörung ausgeliefert werden.

Sollte es tatsächlich zu einem Verfahren in den USA kommen, könnte es auch für Fifa-Chef Joseph Blatter eng werden. Denn Warner war über Jahrzehnte einer der engsten Weggefährten des Schweizer Verbandschefs.

Chef des englischen Verbands fordert Blatters Rücktritt

Der Präsident des englischen Fußballverbands, Greg Dyke, forderte Konsequenzen. "Sepp Blatter muss als Fifa-Präsident gehen", sagte Dyke der britischen Nachrichtenagentur Press Association. Blatter habe eine Erklärung veröffentlicht, in der es heiße, es sei Zeit, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen. Aber solange Blatter da sei, gebe es keinen Weg, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, so Dyke.

Am Mittwoch hatten Schweizer Ermittler sieben Fifa-Funktionäre auf Antrag der US-Justiz festgenommen. Insgesamt ermittelt das US-Justizministerium gegen 14 Personen. Sie sollen seit Anfang der neunziger Jahre Schmiergelder in Millionenhöhe für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben.

Der frühere brasilianische Nationalspieler Romário, der heute in seiner Heimat als Senator tätig ist, bezeichnete die festgenommenen Funktionäre als "Ratten". Der Weltmeister von 1994 attackierte vor allem Brasiliens Ex-Fußballboss José Maria Marin - dieser sei eine der "Ratten", die er schon oft beschuldigt habe. "Das ist die Person, die mit (Brasiliens) Präsidentin Dilma (Rousseff) während der Fußball-WM Staatschefs empfangen hat", schrieb Romário auf Facebook. "Diebe müssen ins Gefängnis. ... Glückwunsch ans FBI und die Schweizer Polizei."

Zu den Beschuldigten gehört der frühere Chef des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol, Nicolás Leoz aus Paraguay. Auch gegen ihn hat die US-Justiz einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Leoz' Anwalt teilte mit, sein Mandant werde wegen einer Grippe-Erkrankung im Krankenhaus behandelt.

ts/syd/AP/dpa
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