Donnerstag, 21. November 2019

Evonik und der BVB Echte Liebe?

Borusse Marco Reus: Partnerschaft mit Evonik vorzeitig verlängert

2. Teil: "Wo immer unsere Leute hingehen, der BVB war schon da"

An den guten Umfragewerten hat der BVB einen großen Anteil: 50 Prozent derjenigen, die Evonik kennen, nennen Borussia Dortmund als ihren Kontaktpunkt zum Unternehmen. Bei den Finanz- und Wirtschaftsentscheidern sind es sogar 74 Prozent. Für Langer ist "der BVB schon heute der zwölfte Mann im Vertrieb". Er sagt: "Wo immer unsere Leute hingehen, der BVB war schon da" - und meint damit die TV-Übertragungen der Dortmunder Spiele, insbesondere in der UEFA Champions League.

Diese Erfahrung machen Evonik-Mitarbeiter nicht nur hierzulande, sondern vor allem im Ausland: in Asien, Südamerika oder Afrika. "Für viele Menschen, die mit dem Kunstnamen Evonik noch nichts anfangen können, ist die Tatsache, dass wir Trikotsponsor des BVB sind, ein Vertrauensvorschuss und ein Zeichen, das wir ein relevantes Unternehmen für sie sind."

Langer bezeichnet das Sponsorship beim BVB gern als "Markenpartnerschaft", von der aus seiner Sicht sowohl sein Arbeitgeber als auch der Club gleichermaßen profitieren. Evonik, das in mehr als 100 Ländern aktiv ist, will die Partnerschaft nun in den Folgejahren auf eine "neue Stufe" heben. Denn: Bislang sei Evonik international noch "eine Nischenmarke mit begrenzter Strahlkraft", sagt Langer.

Das soll sich ändern, um auch im Ausland attraktiv zu sein - für Kunden, Dienstleister und Arbeitnehmer. Der Evonik-Mann ist sich bewusst, dass dieser internationale Markenaufbau Zeit braucht und begründet damit auch die lange Laufzeit des Vertrags. Ob man dafür tatsächlich elf Jahre und 200 Millionen Euro benötigt? Man wird es sehen.

Grundvoraussetzung für Evonik ist laut Langer, dass der BVB wie in den vergangenen Jahren weiterhin langfristig international auf höchstem Niveau spielt. Garantien dafür gibt es natürlich nicht. Dennoch war Evonik bereit, auf Basis der vergangenen Erfolge in Vorleistung zu gehen und die Basissumme des Vertrags jährlich um rund fünf Millionen Euro zu erhöhen. Langer zieht einen Vergleich zu Clubs wie Schalke 04, dem VfL Wolfsburg oder anderen europäischen Champions-League-Teilnehmern und ist sich sicher: "Mit dem neuen Vertrag sind wir immer noch auf einem wirtschaftlich vernünftigen Niveau."

Kein neues Geschäftsfeld Fußball

Dass Evonik zusätzlich zur Vertragsverlängerung des Sponsorships auch als Gesellschafter der Borussen eingestiegen ist und 9,06 Prozent der Anteile des BVB erworben hat, ist nicht großen wirtschaftlichen Renditezielen geschuldet. "Wir wollen neben dem Geschäftsfeld Spezialchemie kein zweites Geschäftsfeld Fußball aufbauen", sagt Langer.

Das strategische Investment sei vielmehr ein naheliegender Schritt gewesen und "eine gute Möglichkeit, die enge Verbindung zwischen den Marken Evonik und BVB nachhaltig zu unterstreichen - auch wenn uns sicherlich der eine oder andere Finanzexperte unter Anlagegesichtspunkten empfohlen hätte, eher in anderen Geschäftsfeldern zu investieren."

Lukrativer Nebeneffekt für Evonik: Durch die Paketlösung aus Sponsorship und Anteilskauf konnte das Unternehmen "die Gesamtsumme des Sponsorings attraktiv halten" wie Langer es ausdrückt. Heißt: Wäre Evonik nicht als strategischer Partner eingestiegen, wäre die Sponsoringsumme noch höher ausgefallen. Nicht ganz uneigennützig schlägt Evonik als neuer Anteilseigener auch die Tür für andere Firmen zu, die auf die Trikotbrust der Borussen geschielt hatten. Zu einer echten Liebe gehört schließlich auch ein wenig Eifersucht.

Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs, dem Fachmagazin für Sport-Business.

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