Freitag, 20. September 2019

Industrieboss fordert Einwanderungsgesetz Evonik-Chef setzt auf abgelehnte Asylbewerber

Evonik-Chef Engel: "Brauchen jetzt endlich ein Einwanderungsgesetz"

Die Wirtschaft braucht Facharbeiter, doch oft werden qualifizierte Asylbewerber abgeschoben. Der Chef des Chemiekonzerns Evonik will das ändern - und fordert ein Einwanderungsgesetz.

Die Opposition aus Grünen und Linken ist ohnehin dafür, der Koalitionspartner von der SPD ebenfalls - und auch vonseiten der Wirtschaft wächst der Druck auf die Union, ein Einwanderungsgesetz zu schaffen. Nun hat der Chef des Chemiekonzerns Evonik, Klaus Engel, mit deutlichen Worten dafür geworben, abgelehnte Asylbewerber nicht einfach so abzuschieben. Stattdessen solle geprüft werden, ob sie der deutschen Wirtschaft als Arbeitnehmer nützlich sein könnten, fordert Engel in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag" ("BamS").

"Niemand prüft die Qualifikation und Leistungsfähigkeit der Flüchtlinge, um festzustellen, ob sie unser Land nicht trotzdem bereichern könnten. Ich finde das falsch", schreibt der Konzernchef. Derzeit sei das Asylsystem das einzige Nadelöhr für Menschen, die eigentlich aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland wollen: "Weil wir kein ordentliches Einwanderungsgesetz haben, sind diese Leute gezwungen, Asylanträge zu stellen."

Das solle sich nun ändern, schreibt Engel. "Wir brauchen jetzt endlich ein Einwanderungsgesetz." Seine Managerkollegen kritisiert der Evonik-Chef in diesem Zusammenhang scharf, weil sie zu wenig für ein solches Gesetz werben würden. "Ich wünsche mir viel mehr positiven Druck der großen Unternehmen und der Wirtschaftsverbände. Ich verstehe das Zögern nicht." Qualifizierte Arbeitnehmer seien schließlich der wichtigste Treibstoff der Wirtschaft.

Sechs von zehn Deutschen halten Deutschland nicht für überfordert

Mit seiner Forderung gibt Engel die Stimmung einer großen Mehrheit in der Bevölkerung wieder. Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "BamS" sprachen sich 76 Prozent der Befragten für ein Einwanderungsgesetz aus, nur 17 Prozent waren dagegen. Bei den Anhängern der Union war die Zustimmung mit ebenfalls 76 Prozent gar höher als bei denen der SPD, von denen 69 Prozent dafür plädierten.

Mit 58 Prozent ist eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger demnach zudem der Ansicht, dass Deutschland von der hohen Anzahl der Flüchtlinge nicht überfordert ist - trotz der auf 800.000 drastisch erhöhten Prognose der Bundesregierung für dieses Jahr. 38 Prozent halten Deutschland für überfordert.

Dieses deutliche Meinungsbild ist umso erstaunlicher, wenn man die Frage betrachtet, die gestellt wurde: "Deutschland erwartet in diesem Jahr 800.000 Flüchtlinge. Meinen Sie, dass Deutschland in der Lage ist, diese Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen?" Diese Formulierung legt nahe, dass alle der 800.000 erwarteten Flüchtlinge auch Asyl erhalten und in Deutschland bleiben können - in Wirklichkeit wird aber ein Großteil der Anträge abgelehnt und die Bewerber abgeschoben. Unter dem Strich bleiben also weit weniger Flüchtlinge tatsächlich im Land.

Kraft: "Werden wahrscheinlich für immer bleiben"

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hält es in einem Interview mit dem Deutschlandfunk für möglich, dass in diesem Jahr sogar mehr als 800.000 Menschen Asyl in Deutschland beantragen könnten. Sie forderte, dass die Dauer der Asylverfahren von jetzt durchschnittlich sieben Monaten deutlich verkürzt wird, indem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge personell aufgestockt wird.

Kraft wies zudem darauf hin, dass die meisten der aktuellen Bürgerkriegsflüchtlinge etwa aus Syrien, bei denen eine große Wahrscheinlichkeit bestehe, dass sie Asyl erhalten, dauerhaft in Deutschland bleiben würden - "wahrscheinlich für immer". Daher sei es wichtig, zum Beispiel in Sprachförderung oder Kita-Plätze für Flüchtlingsfamilien zu investieren: "Am Ende sind es alle Nordrhein-Westfalen."

fdi/ts

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung