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Übersicht der Investoren: Die größten 10 Investoren in Europas Top-5-Ligen

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Die Geldgeber in Europas Top-5-Ligen Spielplatz der Milliardäre - die größten Fußball-Investoren

Ob Scheich, Oligarch oder Unternehmer: Der europäische Spitzenfußball wird immer mehr zum Spielplatz von Milliardären. SPONSORs stellt die größten Investoren in den europäischen Top-5-Ligen vor, beziffert ihre finanziellen Engagements und hinterfragt die Motive.
Von Florian Oediger

Als Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan im Jahr 2008 Manchester City kaufte, galt dies in Fachkreisen - wohlwollend formuliert - als riskantes Geschäft. Der Spross des Herrscherhauses von Abu Dhabi überwies mit seiner Abu Dhabi United Group schätzungsweise 400 Millionen US-Dollar an den damaligen Eigentümer des englischen Traditionsclubs, den ehemaligen thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra.

Ende 2015 kaufte sich dann ein chinesisches Konsortium bei ManCity ein - ebenfalls für rund 400 Millionen Dollar. Dafür gab es diesmal nicht den ganzen Club, sondern lediglich einen Anteil von 13 Prozent. Die "Citizens" wurden beim Einstieg der Chinesen mit knapp drei Milliarden US-Dollar bewertet. Für Scheich Mansour bedeutete das eine Rendite von 650 Prozent. Nicht schlecht, selbst unter Berücksichtigung der hohen Investitionen für Ablösesummen und Spielergehälter von rund einer Milliarde US-Dollar, die Mansour in den rund sieben Jahren in den Verein gesteckt haben soll.

Dabei spielt Geld für den Scheich eigentlich keine Rolle, Fußball ist nur eine Leidenschaft. In seiner Jugend ritt Mansour Kamele, später sattelte er auf Pferde um und wurde passionierter Langstreckenreiter. Als Politiker und Unternehmer verdient er ein Vielfaches von dem, was er für seine Hobbys ausgibt. Dank des Ölgeschäfts wird sein Familienvermögen aktuell auf über eine Billion US-Dollar geschätzt. Scheich Mansour selbst soll laut "Forbes" derzeit rund 26 Milliarden US-Dollar besitzen.

Die Möglichkeiten für Manchester City, in der Stadt einst der Club der einfachen Leute, sind dank des steinreichen Eigentümers heute fast unbegrenzt. In der Mannschaft, die inzwischen einer Weltauswahl gleicht, stehen Spieler wie Sergio Agüero, Kevin De Bruyne und Ilkay Gündogan. Zur Saison 2016/17 wurde Trainerstar Pep Guardiola verpflichtet. Er soll mit dem Team endlich die UEFA Champions League gewinnen und so auch das Emirat Abu Dhabi auf der ganzen Welt glänzen lassen. Dies ist nämlich - neben der Begeisterung für den Fußball - das wichtigste Ziel von Scheich Mansour.

Wegbereiter Abramowitsch

Scheich Mansour ist nur ein prominentes Beispiel für die Lust der Milliardäre dieser Welt auf den Fußball. Wer genug Flugzeuge, Yachten, Immobilien und Gemälde angesammelt hat, findet in dem meistgeliebten, -gespielten und -verfolgten Sport der Welt ungeahnte Investitionsmöglichkeiten. Der europäische Spitzenfußball befindet sich dabei in der Gunst der Milliardäre weit vorn. Es vergeht fast kein Jahr, in dem nicht namhafte Clubs den Besitzer wechseln. Das gilt nicht nur für Englands Fußball-Oberhaus, sondern auch für Italiens Serie A, für die spanische Primera División sowie die Ligue 1 in Frankreich.

Insbesondere die Premier League, die reichste Fußballliga der Welt, ist heute ein Sammelbecken der internationalen Geldgeber. Nach SPONSORs-Recherchen befinden sich derzeit 14 der 20 Premier-League-Clubs im mehrheitlichen Besitz von ausländischen Investoren aus China, den USA, Russland oder von der Arabischen Halbinsel. Nicht nur der finanzielle Profit macht die englischen Clubs zu attraktiven Spekulationsobjekten - die Premier League setzte 2014/15 zuletzt 4,4 Milliarden Euro um. Dank globaler Verbindungen der Liga sind die Clubs längst auch ein starkes PR-Instrument sowie eine Plattform für Networking und gute Geschäfte abseits des Platzes.

Als einer der ersten hat dies Roman Abramowitsch erkannt, als er am 1. Juli 2003 den Londoner Club FC Chelsea für umgerechnet rund 210 Millionen Euro kaufte. Wohl kaum einer der Top-Investoren ist in den Medien so bekannt geworden wie der russische Geschäftsmann, der mit Erdöl reich wurde und sich in den Neunzigerjahren ein Imperium fast aus dem Nichts aufbaute. Der Oligarch gilt für viele als der Wegbereiter einer neuen Verbindung zwischen freier Wirtschaft und dem Fußball und hat bis heute nicht die Lust daran verloren. Seit seinem Einstieg soll er kumuliert 1,5 Milliarden Euro in den FC Chelsea investiert haben - europäische Spitze.

Pressescheue Investoren

Anders als Roman Abramowitsch halten sich viele der Investoren aber lieber im Hintergrund und scheuen den Presserummel. So beispielsweise Enos Stanley "Stan" Kroenke, ein US-amerikanischer Immobilienunternehmer mit einem geschätzten Vermögen von 7,7 Milliarden Euro. Der Hauptanteilseigner von Chelseas Stadtrivalen FC Arsenal ist mit der Erbin des Handelskonzerns Walmart verheiratet und hält zudem Anteile an mehreren Teams aus den größten US-Sportligen. Seit 2011 hält er mit 67 Prozent die Mehrheit am Londoner Club. An diesem ist mit rund 30 Prozent auch der russische Milliardär Alischer Usmanov beteiligt, Eigentümer des Stahl- und Eisenkonzerns Metalloinvest, des russischen Mobilfunk-Riesen Megafon und der einflussreichen Moskauer Wirtschaftszeitung "Kommersant".

Auch Manchester United hat mit der Glazer-Familie einen US-amerikanischen Mehrheitseigentümer. Die "Red Devils" befinden sich auch nach dem Tod von Malcolm Glazer, der den Club 2005 für etwa eine Milliarde Euro übernahm, zu 90 Prozent im Besitz seiner Familie. Im Gegensatz zu Chelsea-Besitzer Abramowitsch oder auch Scheich Mansour bei ManCity war Glazer nie ein großer Fußballfan. Er betrachtete ManUnited deshalb wie jedes andere seiner Investments auch: Er erkannte den Wert und versuchte, seine Rendite zu maximieren. Für Glazer und seine Familie war der englische Rekordmeister in dieser Hinsicht ein lukrativer Deal: Mittlerweile gilt ManUnited mit einem Wert von über drei Milliarden US-Dollar als einer der wertvollsten Fußballclubs der Welt.

Auf eine vergleichbare Wertsteigerung hofft auch der chinesische Magnat Chen Yansheng. 2015 übernahm er mit seinem Konzern Rastar Group für gerade einmal 65 Millionen Euro den spanischen Erstligaclub Espanyol Barcelona. Der Hersteller von Elektrospielzeug hält inzwischen 90 Prozent der Anteile an dem mehr als 115 Jahre alten Club. Mit seinem Einstieg in den spanischen Profifußball will der Konzern in erster Linie neue Geschäftsfelder erschließen und seine internationale Präsenz stärken. Mit den rund 50 Millionen Euro, die dem Club seit dem Einstieg bereitgestellt wurden, schafft es Chen Yansheng gerade noch in die Top 20 der größten Investoren im europäischen Fußball.

Aus dem Vollen schöpfen kann inzwischen auch der französische Fußball-Erstligist Olympique Marseille. Der neue Eigentümer, der US-Amerikaner Franck McCourt, will in den nächsten vier Jahren 200 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung stellen. Die Forderungen des Investors sind klar: Der Club soll möglichst jedes Jahr Meister werden und in Zukunft wieder die Champions League gewinnen - wie zuletzt 1993. McCourt hatte im Oktober die Anteile der bisherigen Mehrheitsaktionärin Margarita Louis-Dreyfus übernommen. Die Witwe des ehemaligen Adidas-CEO Robert Louis-Dreyfus hatte den Club, der seit 1996 im mehrheitlichen Besitz der Familie war, nach dem Tod ihres Mannes bis zum Verkauf geleitet.

Familiensilber verkauft

Was in Marseille geschah, ist in der italienischen Serie A derzeit in noch stärkerem Maße zu beobachten - etwa bei den Mailänder Clubs Inter und AC. Eine Generation italienischer Fußballpatriarchen verkauft das Familiensilber, weil ihre Kinder und Erben es nicht mehr wollen. Was jahrzehntelang als italienisches Kulturgut gepriesen wurde, wird nun mit milliardenschweren Käufern aus Fußball-Entwicklungsländern zu Geld gemacht.

So ging Ende 2016 beim AC Mailand die 30-jährige Regentschaft von Silvio Berlusconi als Clubpräsident zu Ende. Der ehemalige italienische Premier einigte sich mit einem chinesischen Konsortium auf den Verkauf seines kompletten Aktienpakets. Das Konsortium verpflichtete sich für die nächsten drei Jahre zu Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro in die Mannschaft. Geldgeber Sino-Europe Investment Management Changxing unter der Führung von Li Yonghong, an dem sich auch der chinesische Staatsfonds Haixia Capital beteiligt, hatte den AC Mailand beim Kauf mit einem Wert von 740 Millionen Euro bewertet. Dabei wurden auch die Verbindlichkeiten in Höhe von 220 Millionen Euro berücksichtigt, die den Verein belasten.

Mit dem Verkauf an chinesische Investoren wandelt Berlusconi auf den Spuren des Stadtrivalen Inter. Dieser war Anfang Juni vom chinesischen Einzelhandelsriesen Suning Commerce übernommen worden. Suning bezahlte für einen Anteil von knapp 68,5 Prozent rund 270 Millionen Euro. Der langjährige Inter-Präsident Massimo Moratti hatte sich als Eigner komplett zurückgezogen, während der aktuelle Clubchef, der indonesische Geschäftsmann Erick Thohir, einen Minderheitenanteil von 31 Prozent behalten hatte. Hierzulande weitgehend unbekannt, ist Suning in China ein wichtiger Partner des E-Commerce-Riesen Alibaba, der 20 Prozent an Suning hält. Ziel ist es laut Suning-Eigentümer Zhang Jindong, in Europa, aber auch dem Rest der Welt eine bekannte Haushaltsmarke zu werden.

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Anders als Zhang Jindong halten es die meisten Milliardäre in Bezug auf ihre Strategie aber eher mit "Pionier" Abramowitsch. Der Russe antwortete in einem Interview einmal auf die Frage, warum er denn ausgerechnet den FC Chelsea übernommen habe: "Ich will mein Geld nicht zum Fenster rauswerfen, ich will nur Spaß haben."

Der obige Text stammt aus SPONSORs, dem führenden deutschsprachigen Anbieter von Informationen aus dem Sportbusiness.