Dienstag, 23. April 2019

Fußballclub investiert in elektronische Sportler Warum Schalke ein eSport-Team für "League of Legends" kauft

Neues Spielfeld: Schalke investiert viel Geld in seine elektronischen Sportler, die in der LCS das Computerspiel "League of Legends" (LoL) spielen
FC Schalke 04
Neues Spielfeld: Schalke investiert viel Geld in seine elektronischen Sportler, die in der LCS das Computerspiel "League of Legends" (LoL) spielen

Der FC Schalke 04 hat ein eSport-Team gekauft. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von der Zielgruppe bis hin zum digitalen Merchandising. Nebenbei sollen die elektronischen Sportler auch bei der Internationalisierung helfen.

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Heft März 2019

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Schalke-Manager Moritz Beckers-Schwarz nennt es "Pionierarbeit". Der Club aus Gelsenkirchen hat etwas getan, was noch kein Profifußballclub vor ihm gemacht hat: Er hat ein komplettes eSport-Team erworben. Bereits seit Anfang Juni spielen fünf der weltbesten eSportler im königsblauen Trikot "League of Legends" (LoL), das populärste Computerspiel der Welt. Grob gesagt, ist LoL ein Strategiespiel, die offizielle Bezeichnung lautet Multiplayer Online Battle Arena (MOBA). Das heißt, zwei Teams spielen auf einem festgelegten Areal, mit dem Ziel, das Hauptquartier des Gegners einzunehmen.

Die fünf neuen Schalker Spieler treten für den Club in der League of Legends Championship Series Europa (LCS) an, der aus zehn Teams bestehenden, bedeutendsten Liga für dieses Spiel. Neben der LCS Europa gibt es noch die LCS Nordamerika sowie weitere kleinere regionale Ligen. Organisiert und finanziert wird die LCS vom LoLHersteller Riot Games und der Electronic Sports League (ESL), dem größten eSport-Unternehmen der Welt.

Doch warum investiert Schalke Geld in eSport, zusätzlich zu seinem Kerngeschäft, dem Fußball?

Beckers-Schwarz, der Vorsitzende der Geschäftsführung der FC Schalke 04 Arena Management GmbH, hat eine Menge Argumente. Darunter beispielsweise:

  • die hohen finanziellen Wachstumsraten im eSport, von der letztlich alle Protagonisten wie Spieler, Ligenbetreiber und auch Teambesitzer profitieren dürften. Zur Einordnung: 2014 lag der weltweite Umsatz im eSport laut des US-amerikanischen Marktforschungsinstituts "Newzoo" bei 194 Millionen US-Dollar. 2017 werden 465 Millionen US-Dollar erwartet. 2019 soll dann bereits die Milliardengrenze durchbrochen werden.
  • die junge Community im eSport: "Wir fragen uns ständig: Wie können wir die sogenannten 'Digital Natives' erreichen? Denn mit dem klassischen Sport ist es unheimlich schwer geworden", sagt Beckers-Schwarz.
  • die neuen kommunikativen Möglichkeiten, um mit der jungen Zielgruppe in Kontakt zu treten: Streaming-Plattformen im eSport haben enorme Zugriffszahlen. Die größte unter diesen Plattformen ist Twitch. Dort verfolgten beispielsweise im August vergangenen Jahres zeitgleich 2,1 Millionen Menschen die Streams von einem eSport-Turnier in Köln. Am selben Wochenende verzeichnete Twitch 27 Millionen Unique Visitors.
  • Zudem sind eSportler aufgrund ihrer hohen Social-Media-Follower-Zahlen wichtige Influencer mit riesigen Reichweiten. Diese will S04 nutzen, um den Club global bekannter zu machen.

Denn die Stärkung der Marke FC Schalke 04, das betont Beckers-Schwarz immer wieder, steht als Ziel über allen Aktivitäten des Clubs. Dazu soll der eSport als globales Phänomen künftig beitragen.

Millionen-Investment: Ablösesummen für die Akteure

Und den Einstieg in den eSport lässt sich der Club offenbar auch einiges kosten. Offizielle Zahlen gibt es von Schalke nicht, in der Szene aber ist die Rede von einem Millionen-Investment. So soll allein der Startplatz für die LCS mehrere Hunderttausend Euro gekostet haben. Hinzu kommen Ablösesummen für die vier Spieler, die pro Akteur zwischen 50.000 und 150.000 Euro gelegen haben dürften.

Die laufenden Personalkosten sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen. eSportler liegen zwar bei Weitem noch nicht auf dem Gehaltslevel von Profifußballern. Aber hohe fünfstellige Summen dürften pro Jahr durchaus auch an eSportler überwiesen werden. Hinzu kommen bei Schalke ein Manager und ein Trainer für das neue eSport-Team sowie die neu geschaffene Position des Head of eSport.

Letztere wird besetzt von Tim Reichert, Bruder des Gründers und Geschäftsführers der ESL, Ralf Reichert. In Kommunikations- und Marketingfragen wird der neue Bereich aktuell noch aus der bestehenden Vereinsstruktur unterstützt, aber auch hier will S04 personell aufrüsten.

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