Freitag, 22. November 2019

Russische Leasinggesellschaft fordert Geld zurück Erster Kunde verklagt Boeing wegen 737-Debakels

Vorübergehend stillgelegt: Maschinen des Typs Boeing 737 (hier auf einer Fläche in Seattle) dürfen nicht fliegen, bis die Sicherheitsmängel in der Software der Flugzeuge beseitigt wurden.
Lindsey Wasson/ REUTERS
Vorübergehend stillgelegt: Maschinen des Typs Boeing 737 (hier auf einer Fläche in Seattle) dürfen nicht fliegen, bis die Sicherheitsmängel in der Software der Flugzeuge beseitigt wurden.

Dass das Debakel mit den Maschinen des Typs 737 Max für den Flugzeughersteller Boeing noch ein juristisches Nachspiel haben würde, war zu erwarten. Jetzt hat ein Boeing-Kunde eine erste Klage gegen das US-Unternehmen eingereicht - nach Einschätzung des Klägeranwalts dürfte es kaum die letzte bleiben.

Wie die "Financial Times" berichtet, verklagt die russische Leasinggesellschaft Avia Capital Services Boeing vor einem Gericht in Chicago. Der Vorwurf: Der US-Flugzeugbauer habe vor den beiden Abstürzen mit Maschinen des Typs 737 Max in Indonesien und in Äthiopien im Oktober 2018 und im März 2019, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen, wichtige Kenntnisse über das Flugzeugmodell bewusst zurückgehalten, um die 737 Max besser verkaufen zu können. Boeing wollte sich zu den Vorwürfen laut "FT" nicht äußern.

Die Maschinen des Typs 737 Max wurden nach den Abstürzen von Behörden rund um den Globus aus dem Flugverkehr genommen ("Grounding"). Zudem setzte Boeing die Auslieferung der 737 Max aus. Das Unternehmen arbeitet seither an einem Softwareupdate, mit dem die Sicherheitsprobleme bei dem Flugzeugtyp behoben werden sollen.

Der Anwalt des Klägers erwartet weitere Verfahren

Avia Capital, eine Tochter des Rostec-Konglomerats, hatte 35 Maschinen des Typs 737 Max geordert und dafür eigenen Angaben zufolge bereits eine Anzahlung in Höhe von 35 Millionen Dollar geleistet. Ziel der Klage ist es nun, von der Order zurückzutreten sowie die Anzahlung inklusive Zinsen zurückzuerhalten, berichtet die "Financial Times".

Nach Angaben des Klägeranwalts Steven Marks aus Miami hat Boeing zuvor einen Vergleich angeboten. Der Vorschlag sei jedoch nicht angemessen gewesen, so Marks gegenüber der "FT". Der Jurist steht eigenen Angaben in Kontakt zu weiteren Boeing-Kunden, die ähnliche Klagen vorbereiten. "Ich denke, wir werden eine Reihe weiterer Fluggesellschaften sehen, die in den kommenden Monaten klagen werden", so Marks. "Dies ist die erste Klage von vielen weiteren."

Boeing hatte für Zahlungen im Zusammenhang mit den 737-Abstürzen im zweiten Quartal bereits Rückstellungen in Höhe von 4,9 Milliarden Dollar bilden müssen. Nicht zuletzt deshalb rutschte der Flugzeughersteller tief in die roten Zahlen: Der Nettoverlust betrug im zweiten Quartal 2,9 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen vor wenigen Wochen bekanntgab. Der Umsatz des Flugzeugherstellern sank im gleichen Zeitraum um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 15,75 Milliarden Dollar.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Auftragsbücher seien allerdings gut gefüllt, teilte Boeing weiter mit. Demnach verfügt das Unternehmen über Bestellungen von mehr als 5500 Flugzeugen im Wert von 390 Milliarden Dollar. Einen neuen Jahresausblick gab das Unternehmen nicht, denn noch sei unsicher, wann die 737 wieder abheben dürfe.

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