Dienstag, 20. August 2019

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte Wie Barbe-Nicole zur "Veuve Clicquot" wurde

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte: Wie Barbe-Nicole zur "Veuve Clicquot" wurde
Denys / Wikipedia

Deutschland versucht mit der Quote, Frauen in die Top-Jobs der Wirtschaft zu bringen. In einer losen Reihe stellen wir Frauen vor, die sich mit ganz besonderen Fähigkeiten nach oben gekämpft haben. Den Anfang macht die Champagner-Witwe Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin.

Barbe-Nicole hätte eigentlich das Schicksal vieler wohlhabender Frauen der Zeit teilen sollen. Die 1777 in Reims geborene Frau hätte ein gutes halbes Dutzend Kinder kriegen und ihrem Mann unauffällig den Rücken stärken sollen. Doch der starb 1805. Die 27-Jährige entschied sich zu einem folgenschweren Schritt: Sie führte das Familienunternehmen weiter.

Streben nach Perfektion

Damit stand sie gar nicht mal allein. Es gibt Belege für einige weitere, durchaus erfolgreiche Winzerinnen und Weinhändlerinnen dieser Zeit. Und als Witwe hatte Barbe-Nicole in Frankreich sogar die Freiheit, selbst Verträge zu schließen - was verheirateten Frauen untersagt war. Allerdings arbeiteten Frauen aus der Oberschicht so gut wie nie. In der Regel stammten die Unternehmerinnen aus unteren Schichten und waren gezwungen, zum Überleben ihrer Familien beizutragen.

Was Veuve Clicquot, also die Witwe Clicquot, herausragend machte, waren ihre extrem mutigen, beinahe waghalsigen Entscheidungen und ihr unbedingtes Streben nach Perfektion. Sie wollte den besten Champagner - und sie wollte geschäftlichen Erfolg. 1814, nachdem ihre Geschäfte aufgrund des Kriegstreibens Napoleons und seiner Exportsperre fast ein Jahrzehnt lang den Bach hinunter gegangen waren, organisierte sie als erstes Weinhaus nach dem Krieg den Verkauf in Russland.

Russisches Glücksspiel

Ohne Ausfuhrgenehmigung schickte sie ihren treuesten Verkäufer mit ihrem besten Champagner nach Königsberg und St. Petersburg. Wäre die Schiffsladung entdeckt worden, wäre sie vermutlich bankrott gewesen. Sie hatte Glück: Die Flaschen erreichten ihr Ziel, die russische Oberschicht wollte nur noch eins: flaschenweise Veuve Clicquot. Sie zahlte dafür Preise, von denen Barbe-Nicole vorher nur hatte träumen können. Noch bevor sie von dem Erfolg wusste, charterte sie ein zweites Schiff mit Nachschub. Denn ihr war klar, dass ihre Konkurrenz in den Startlöchern stand und keine Schiffe mehr zu kriegen wären, sobald die Exportsperre aufgehoben war.

In den Folgejahren entwickelte sie ein Verfahren, um Champagner schneller und in größeren Mengen zu produzieren. Ihr Antrieb: Sie brauchte Nachschub, ihr bisheriges Produktionsverfahren war zu langsam. Die größten Verzögerungen gab es bei der Degorgierung der Weine: Nach der zweiten Gärung, bei der Zucker und Hefe zugesetzt werden, um den Wein zum Perlen zu bringen, entstanden Ablagerungen in der Flasche. Die mussten entfernt werden, aber die traditionellen Methoden waren entweder zu langsam oder führten zu Qualitätsverlusten.

Geschäftsvorteil durch revolutionäre Idee

Die Lösung entstand mithilfe ihres Küchentisches und gegen den Widerstand des Großteils ihrer Mitarbeiter: Barbe-Nicole kam auf die Idee, die Flaschen kopfüber zu lagern statt waagerecht. Dadurch würden sich die Stoffe am Korken lagern und beim Öffnen der Flasche herauskommen, ohne die perlage zu zerstören und Wein zu verlieren. Sie ließ Löcher in ihren Küchentisch sägen und steckte die Flaschen hinein.

Sechs Wochen lang drehte sie sie vorsichtig und klopfte darauf. Am Ende behielt sie Recht. Das Verfahren "remuage sur purpitre" - "Rütteln auf dem Pult" verschaffte ihr einen nicht zu verachtenden Geschäftsvorteil - und blieb fast ein Jahrzehnt Betriebsgeheimnis.

Männliche Unterstützung

Der Gerechtigkeit halber darf aber nicht vergessen werden, dass Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin ohne die vielen Männer, die sie unterstützt haben, keine Chance auf Erfolg gehabt hätte. Ihr Mann hat sie von Beginn an seinen Winzerplänen teilhaben lassen. Ihr Schwiegervater hatte genug Vertrauen in sie, um ihr das Familiengeschäft zu übertragen. Auch ihr Vater, ein hoher Politiker, unterstützte sie, genauso wie ihre zahlreichen Mitarbeiter, von denen einer hinterher das Champagnerhaus übernahm.

Dieser Artikel erschien zuerst auf BizzMiss - dem Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance. Einmal wöchentlich erscheint der Newsletter mit den interessantesten Lesetipps der Woche.

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