Samstag, 20. Juli 2019

Merkels Hebel bei Erdogan-Treffen Fünf unbequeme Wirtschafts-Wahrheiten über die Türkei

6. Teil: Arbeitslos und wütend - bei der Jugend brodelt's

Protest gegen die Regierung: Die Arbeitslosigkeit macht Erdogan zu schaffen
Jung und ohne Job - dieses Schicksal ist zu vielen Türken vertraut. Bei rund 10 Prozent liegt die Arbeitslosenrate in der Türkei derzeit laut offiziellen Zahlen. Bei der jugendlichen Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren beträgt sie jedoch rund 18 Prozent. Das ist fast doppelt so viel wie im Landesschnitt - und auf diesem Niveau verharrt sie schon seit Jahren.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Problem, das Erdogans Regierung bisher nicht in den Griff bekommen hat. Jedes Jahr drängen eine halbe Million junge Arbeitskräfte auf den Markt. Und es könnten bald noch mehr werden: Denn derzeit leben rund drei Millionen Flüchtlinge in der Türkei, ein großer Teil von ihnen ist unter 30 Jahre alt.

Die türkische Regierung bringt nun Gesetze auf den Weg, die registrierten Flüchtlingen das Arbeiten erlauben soll. Allerdings: Experten zufolge fehlen in der Türkei nach wie vor Arbeitsmarktreformen, die Türken und Flüchtlingen gleichermaßen den Zugang zu Jobs erleichtern würden.

Mitschuld daran sei auch Ministerpräsident Erdogan selbst, heißt es immer wieder. Denn er hört kaum auf seine Ökonomen - und setzt am liebsten auf ein Uralt-Rezept: Er lässt bauen - etwa Autobahnen, Großflughäfen oder protzige Residenzen. Das mag ein paar Leuten Arbeit geben, doch als Dauerprogramm eignen sich solche Vorhaben kaum. Die Folge: Bei der Jugend steigt die Unzufriedenheit - und das könnte nicht nur Erdogan, sondern bei politischen Unruhen auch unmittelbar der türkischen Wirtschaft gefährlich werden.

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