Donnerstag, 19. September 2019

Merkels Hebel bei Erdogan-Treffen Fünf unbequeme Wirtschafts-Wahrheiten über die Türkei

4. Teil: Dicke Luft mit Europa macht einen Strom-Blackout wahrscheinlicher

Protest gegen türkisches Atomkraftwerk: Die Türkei braucht mehr Strom

Umgekehrt ist die Türkei dringend auf Kapital und Know-how aus Europa angewiesen. Erschwert Erdogan eine Flüchtlings-Lösung mit der EU, könnten EU-Unternehmen einige Großprojekte in der Türkei auf die lange Bank schieben. Und das würde auch die westlichen Finanzströme in das Land deutlich schmälern.

Geld aus dem Westen ist beispielsweise im Energiesektor unentbehrlich. Die Türkei muss ihre Stromerzeugung deutlich ausbauen, weil die Wirtschaft wächst und die Ansprüche der Bevölkerung wachsen. So entsteht an der Schwarzmeerküste das bis zu 17 Milliarden Euro teure Atomkraftwerk Sinop. Gebaut wird es von einem Konsortium, in dem die französischen Konzerne Areva und Engie (mit Mitsubishi aus Japan) den Ton angeben.

Auch deutsche Unternehmen wie Eon und RWE investieren im großen Stil in der Türkei - zum Beispiel im Bereich Windkraft. Ohne gute Beziehungen der Türkei zu Paris und Brüssel geht bei wichtigen Energieprojekten nichts - und ein größerer Blackout wäre für Erdogan eine Katastrophe.

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