Gescheitertes Öl-Investment "Kaufen Sie kein Fass Öl - es wird Sie töten"

Williston: Das Fracking-Eldorado in der Prärie North Dakotas - und Namensgeber für die eine Flasche Öl, die "Bloomberg"-Reporterin Tracy Alloway tatsächlich kaufen konnte

Williston: Das Fracking-Eldorado in der Prärie North Dakotas - und Namensgeber für die eine Flasche Öl, die "Bloomberg"-Reporterin Tracy Alloway tatsächlich kaufen konnte

Foto: Andrew Burton/ AFP

Zugegeben, es ist schon ein etwas seltsamer Wunsch: einmal selbst das schwarze Zeug in Händen halten, das sonst durch Pumpen, Röhren und Tankschiffe läuft, in Raffinerien zu Benzin, in Chemiefabriken zu Plastik oder Hautcreme verarbeitet wird. Ein Fass Rohöl für zu Hause - wer sollte so etwas wollen, und warum?

Die Finanzjournalistin Tracy Alloway von "Bloomberg News" hat sich dazu bekannt . Sie hat sich damit sogar einen lang gehegten Wunsch erfüllt - und dieses Experiment jetzt dokumentiert.

Die Idee entstand 2008, als sich der Ölmarkt im so genannten Super-Contango befand: Am Spotmarkt zur sofortigen Lieferung war der Rohstoff ohnehin schon teuer, noch viel höher jedoch waren die Preise der Future-Kontrakte für die kommenden Monate - ein sicherer Gewinn für jeden, der Öl für eine Weile lagern kann. Nur kann das eben nicht jeder.

Heute ist der Markt ein anderer, der Ölpreis  hat sich in etwa gedrittelt. Aber ein leichter Contango zwischen Spot- und Future-Preis besteht immer noch. Wer 50 Dollar für ein Fass Öl als Kaufgelegenheit ansieht, ist als Privatanleger zumeist auf Derivate wie Exchange Traded Commodities angewiesen, die im Kern nur eine Schuldverschreibung der emittierenden Bank darstellen.

Warum also nicht ein Fass Öl für den Keller als Geldanlage zum Anfassen? Ebenso, wie man sich vielleicht auch einen Barren Gold  in den Tresor legt. Und Gold ist, bei Licht betrachtet, ein viel exotischeres Investment. Mit Ausnahme vielleicht der Juweliere und einiger sehr spezieller industrieller Spezialanwendungen würde die Wirtschaft bequem auch ohne auskommen. Ohne Öl hingegen geht auf lange Sicht kaum etwas.

All der Aufwand für nur eine Flasche - mit stolzen sieben Cent Gewinnmarge

Da ist es schon erstaunlich, wie wenig Zugriff wir auf diesen alltäglichen Rohstoff haben. Das musste auch Tracy Alloway erfahren. Sie umgarnte Treibstoffhändler, sie verbrachte Tage mit der Suche nach Lieferanten, Transporteuren und Käufern.

Und am Ende bekam sie - nicht ein Fass. Aber immerhin eine Flasche echten US-Fracking-Öls aus North Dakota (liebevoll nach dem Herkunftsort "Williston" getauft). Der Inhalt soll 24 US-Cent wert sein, zum Weiterverkauf per März 2016 immerhin 31 Cent. Eine fette Marge, aber bei der geringen Menge und dem Aufwand wohl kaum ein lohnendes Geschäft.

Warum nicht ein ganzes Fass? Das liegt - neben den im Ölgeschäft nötigen Sicherheits- und Herkunftnachweisen - vor allem am ganz physischen Risiko. Rohöl ist ohne Raffinerie nicht nur mindestens so unbrauchbar wie Gold, es ist obendrein auch noch gefährlich: Aus der Masse entweichen stinkende und extrem giftige Schwefelwasserstoffe. Die Brand- und Explosionsgefahr ist da schon fast Nebensache.

Das nachdrücklichste Ergebnis der Recherche war die Warnung von Alloways Treibstoffhändler: "Kaufen Sie kein Fass Öl. Es wird Sie töten."


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