Sonntag, 21. April 2019

Entspannungssignal im Handelsstreit Peking setzt Strafzölle aus, Tesla senkt Preise in China

Tesla Showroom in Peking: Das Model S gibt es um bis zu 15.000 Dollar billiger - zumindest, solange der Strafzoll in Höhe von 25 Prozent ausgesetzt ist

China kommt den USA im Handelsstreit mit der Aussetzung von Strafzöllen gegen die amerikanische Autoindustrie entgegen. Ab 1. Januar sollen für zunächst drei Monate die 25 Prozent Zoll auf 144 verschiedene US-Automodelle und Fahrzeugteile ausgesetzt werden, teilte das Finanzministerium am Freitag in Peking mit. Zudem fielen fünf Prozent für weitere 67 Arten von Autoteilen vorläufig weg. Das Finanzministerium sprach die Hoffnung aus, dass die Gespräche mit den USA über ein Ende der Sonderzölle beschleunigt werden.

Der Elektroauto-Hersteller Tesla Börsen-Chart zeigen reagierte darauf prompt und senkte seine Preise für zwei Typen. Laut der chinesischen Website des Unternehmen wurde der Preis für bestimmte Baureihen des Modells S um bis zu 105.000 Yuan (15.200 Dollar) und des Modell Xs um bis zu 65.000 Yuan gesenkt. Die Aktie von Tesla hatte bereits am Donnerstag kräftig zugelegt und notiertentgegen der allgemeinen Börsenschwäche nahe Rekordhoch.

US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping hatten Anfang Dezember vereinbart, die ursprünglich für Anfang Januar anstehende nächste Runde von Strafzöllen für 90 Tage auf Eis zu legen und sich in dieser Zeit um eine Lösung des Konflikts zu bemühen. Nach Angaben Trumps kauft China inzwischen wieder US-Sojabohnen.

Börsen fallen, Tesla nahe Rekordhoch: Warum Tesla der Börsenschwäche trotzt

China hatte am 6. Juli Zölle von 25 Prozent auf amerikanische Sojabohnen verhängt, nachdem zuvor die Regierung in Washington die Handelshürden für chinesische Produkte deutlich angehoben hatte. Dies hatte den amerikanischen Landwirten stark zugesetzt. Sojabohnen sind der größte Agrar-Exportschlager der USA. 2017 erwarb China rund 60 Prozent der Sojabohnen-Ausfuhren der Vereinigten Staaten.

Handelskrieg bremst chinesische Wirtschaft

Der Handelskrieg mit den USA bremst unterdessen die chinesische Wirtschaft. Der Einzelhandel und die Industrieproduktion blieben im November deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die schlechten Wirtschaftsdaten drückten am Freitag die chinesischen Aktienmärkte und demonstrieren vor der jährlichen Wirtschaftskonferenz der chinesischen Führung nächste Woche in Peking die Herausforderungen für die zweitgrößte Volkswirtschaft.

Niedrigstes Wachstum im Einzelhandel seit 15 Jahren

Mit 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fiel das Wachstum des Einzelhandels auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg errechnete. Die Industrieproduktion wuchs auch nur mit 5,4 Prozent - so langsam wie seit zehn Jahren nicht mehr. Damit könnte das Wirtschaftswachstum zum Jahresende unter die 6,5 Prozent im dritten Quartal fallen.

Die schlechte Stimmung wegen des Handelskrieges mit den USA dürfte laut Experten die Kauflaune gedrückt haben. So ist der Verkauf von Autos im November um zehn Prozent und der von Kommunikationsgeräten um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gefallen, wie die ANZ-Bank berichtete. Auch fiel der Absatz von Petroleumprodukten spürbar, wie das Statistikamt hervorhob.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung