Donnerstag, 18. Juli 2019

Deutschlands verheißungsvollste Start-ups Die Weltschatzsucher

2. Teil: Ein Trio zum Anfassen

Alexander Rinke (l.), Martin Klenk (M.) und Bastian Nominacher: "Wir wollen Weltmarktführer werden"
Florian Generotzky für manager magazin
Alexander Rinke (l.), Martin Klenk (M.) und Bastian Nominacher: "Wir wollen Weltmarktführer werden"
Martin Klenk, Bastian Nominacher, Alexander Rinke
Celonis
Die Entrepreneure
Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke lernten sich an der TU München kennen. Klenk studierte Informatik, Nominacher Wirtschaftsinformatik und Rinke Mathematik. Ihre Wege kreuzten sich in der studentischen Unternehmensberatung Academy Consult München. Dort analysierten sie die internen Serviceprozesse des Bayerischen Rundfunks.
Das Unternehmen
Die Celonis GmbH wurde 2011 in München gegründet. Das Unternehmen ist in dem noch jungen Segment des Process-Mining, der Analyse von gewaltigen Datenmengen, tätig. Celonis bietet Kunden wie Edeka, Nestlé oder Vodafone Software an, damit diese ihre Prozesse effizienter gestalten können. Das Unternehmen hat knapp 100 Mitarbeiter und macht einen Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Zumal sich auch das Triumvirat an der Spitze gut ergänzt: Der Bayer Bastian Nominacher ist der Intellektuelle, der Stratege. "Ich kümmere mich um die organisatorische Aufbauarbeit", sagt er. Der Schwabe Martin Klenk ist der Ruhige, der Tüftler, er leitet die Forschung und Entwicklung. Und der in Berlin aufgewachsene Alexander Rinke ist der Eloquente, der Vertriebsmensch.

Alle sind sie Chefs zum Anfassen. Einmal im Monat, freitags um 14 Uhr, gibt es eine "Ask the Bosses Session", Da werden bedeutende ("Wie läuft das USA-Geschäft?") und weniger bedeutende Fragen ("Warum haben wir so wenig Almdudler in der Küche?") gestellt, nichts bleibt unbeantwortet. Treffpunkt ist die Lobby in der dritten Etage des Business-Park-Gebäudes, ein Kicker steht herum, an der Wand lehnt eine Gitarre. Sie kommt am späten Freitagnachmittag des Öfteren zum Einsatz. Am Ende einer Arbeitswoche trifft sich die jugendliche Belegschaft zum gemeinsamen Biertrinken.

Kürzlich gab es einen gewaltigen Grund zum Feiern: Zwei renommierte Risikokapitalgeber schossen im Sommer 2016 rund 27,5 Millionen Dollar in das Unternehmen ein und erhielten dafür 22,87 Prozent der Anteile: Accel (das auch in Deliveroo, Dropbox und Spotify investiert ist) und 83 North. Laurel Bowden, Partnerin von 83 North, nennt den Grund für den Einstieg: "Der Markt ist enorm, alle Unternehmen können die Celonis-Technologie nutzen."

Die Kapitalspritze können die Münchener gut gebrauchen - für die Weiterentwicklung ihrer Software und die Internationalisierung. Schon 2015 wurde Celonis in das Globale Reseller Agreement von SAP Börsen-Chart zeigen aufgenommen. Die Softwarepakete von Celonis werden seitdem auf der Preisliste der Walldorfer geführt und können dadurch weltweit erworben werden. Den Sprung auf diese Liste hat bislang noch kein Start-up geschafft. Es war aber auch ein zäher Weg. "Über 7000 E-Mails habe ich an die SAP-Manager geschickt, bis wir es endlich geschafft hatten", sagt Nominacher.

Bei der Expansion ins Ausland wollen sich die drei natürlich nicht allein auf SAP verlassen. Deshalb bauen sie sukzessive eine eigene Vertriebsorganisation auf. Zunächst in den USA, bald auch in Asien, wo Singapur als zentraler Standort dienen könnte.

Um das Geschäft in Nordamerika anzukurbeln und mit potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen, ist Rinke im Sommer 2016 nach New York umgezogen und hat dort inzwischen zehn Mitarbeiter eingestellt. So schnell wie möglich will er den US-Markt besetzen, noch ist Celonis konkurrenzlos.

Nominacher, der Stratege, hat klare Ziele. Er will bis 2020 rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen und die Firma zum Einhorn machen, also auf eine Unternehmensbewertung von mehr als eine Milliarde Dollar kommen. Für 2020 ist dann auch der Börsengang vorgesehen. An der Nasdaq Börsen-Chart zeigen natürlich.

Und dann machen die drei Jungs Kasse und steigen aus? "Nein, nein", sagen sie unisono. Ihnen gehe es nicht ums schnelle Geld. "Wir sind Datenanalysefreaks", sagt Rinke. Das Geschäft sei für sie Beruf und Hobby zugleich.

Auch Nominachers elterliche Bäckerei war mal ein Start-up. Jetzt existiert es seit mehr als 130 Jahren. Mindestens 20 Jahre wolle er seine eigene Firma schon führen.

Die drei Firmen schafften es unter die Finalisten der Kategorie Start-up:

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