Montag, 21. Oktober 2019

Goldbeck Gewerbebau Lego für Erwachsene - das sind Deutschlands neue Baulöwen

Entrepreneure des Jahres: Die Bau-Profis Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck
Christian Protte für manager magazin
Entrepreneure des Jahres: Die Bau-Profis Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck

2. Teil: Aufbruch ins Ausland - aber mit Umsicht

Gegen Ende der 90er Jahre folgte dann mit der Gründung von Goldbeck International der - vorsichtige - Aufbruch ins Ausland. Vor allem Richtung Osteuropa: Polen, Tschechien, Slowakei. "Da war ja viel aufzubauen", sagt Jörg-Uwe Goldbeck. Schwieriger gestaltet sich die Expansion ins westliche Ausland. "Frankreich war damals ein Misserfolg", gesteht er ein. Doch heute denken die Westfalen wieder über einen Einstieg dort nach, ebenso über den in andere Nachbarländer und Skandinavien.

Jörg-Uwe, der schon 1998 in das elterliche Unternehmen eingestiegen war, ist seit 2007 Sprecher der Geschäftsleitung. Damals fand der Generationswechsel statt. Zwei der drei Söhne übernahmen: Jörg-Uwe und Jan-Hendrik. Betriebswirt der eine, Wirtschaftsingenieur der andere.

Da Jörg-Uwe der Ältere und Erfahrenere war, war klar, dass er den Vorsitz übernahm. Neben den zwei Brüdern sind noch vier familienfremde Manager in der Geschäftsführung, darunter alte Kämpen wie Christian Schnieder, der seit 38 Jahren im Unternehmen ist.

Für Vater Ortwin war die Zeit nach dem Wechsel nicht einfach. Er begleitet zwar das Unternehmen als Vorsitzender des Beirats. Aber wenn montags die Geschäftsführersitzung war, saß er etwas wehmütig in seinem Büro, das gar nicht weit weg vom Konferenzzimmer lag. Ablenkung schaffte das Ehrenamt des Präsidenten der IHK Ostwestfalen, das er von 2006 bis 2014 innehatte.

Der dritte Bruder Joachim (47) ist auch im Unternehmen, aber nicht in der Geschäftsführung. Er hatte immer ein Faible für erneuerbare Energien, arbeitete in der Solarbranche und ist sogar Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Solarwirtschaft.

"Ihr habt doch so große Dächer", sagte er vor Jahren zu seinen Brüdern. Seitdem hat Goldbeck auch Solaranlagen, die sie allerdings nicht selbst herstellen, im Programm. Die kleine Solarsparte, die es seit 2001 gibt und von Joachim Goldbeck geleitet wird, macht 40 bis 140 Millionen Euro Umsatz.

Das große Zukunftsthema im Unternehmen ist freilich ein anderes. Es trägt einen etwas verqueren englischen Namen: Building Information Modeling, kurz BIM - das Modethema in der Branche. Der gesamte Bauprozess wird in einem interaktiven, dreidimensionalen Modell abgebildet. Per Virtual-Reality-Brille können zum Beispiel die Kunden schon vor Fertigstellung ihr künftiges Gebäude betreten und Entscheidungen über Aufteilung und Ausstattung treffen.

"Wir wollen bei der Entwicklung des BIM-Ansatzes mitgestalten", sagt Jan-Henrik Goldbeck, der sich unlängst in Stanford über die neuesten Trends informiert hat. BIM zwinge ja zur Systematisierung. "Unsere Geschäftsidee ist die optimale Basis für BIM", schwärmt er geradezu.

Übersicht: Das sind die Entrepreneure des Jahres

Goldbeck scheint für die bevorstehende Digitalisierung der Branche gut gerüstet. Man denkt in Bielefeld sogar schon weiter: In naher Zukunft sollen Drohnen und Roboter auf Baustellen im Einsatz sein.

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