Sonntag, 26. Januar 2020

Der DEnglische Patient Englisch lernen mit... Theresa und mit "may"

Die britische Premierministerin Theresa May in London

Während sich das höchste britische Gericht, der Supreme Court, mit dem #Brexit beschäftigt, gehen wir in eine Englischstunde mit der Premierministerin

Peter Littger
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    Neben Rückenproblemen und Übergewicht schleppen wir oft auch eine andere Zivilisationskrankheit mit uns herum: holpriges Englisch. Falls Sie auch darunter leiden, hilft Ihnen diese Kolumne von Peter Littger. Er berichtet als Denglischer Patient aus allen möglichen Lebenslagen über deutsch-englische Sprachverwirrungen und nicht zuletzt über seine eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. Sein Buch "The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache" ist ein Bestseller.
    Auf Twitter unter @FluentEnglish.

Theresa! May!

Zwei Namen - ein Problem. Jedenfalls für uns denglische Patienten. Obwohl wir "Brexit" längst im Schlaf buchstabieren können, löst bereits der Vorname der britischen Regierungschefin Zweifel in uns aus - weniger über Europa, als viel mehr über unser Englisch. So fragen sich viele deutschsprachige Menschen:

Wird "Theresa" eigentlich mit oder ohne Tieäytsch gesprochen?

Der Blick zurück auf die erste Premierministerin der Geschichte hilft nicht weiter: Als Margaret Thatcher noch Chefin in der 10 Downing Street war, wurde "Thatcher" selbstverständlich mit Tieäytsch gesprochen. Dasselbe gilt nicht für den Vornamen der heutigen Amtsinhaberin. Denn wie Thomas oder River Thames hat Theresa vorne ein hartes T:

Tomm'ähs. Tämm's. Tä'rih'sa.

Warum? No idea. Weil es immer so war. Die wahrscheinlich britischste aller Begründungen!

Kommen wir zum Nachnamen der Lady, die den Brexit durchboxen soll. Während sich die Welt schon seit langem fragt "may the UK - or may it not leave the EU?", stolpern wir immer wieder über das Modalverb "may" und stellen fest, gar nicht genau zu wissen, was es eigentlich bedeutet.

Variante 1: They may leave - sie können/dürfen gehen

Variante 2: They may stay - sie können/dürfen bleiben

Variante 3: They may leave - sie werden (vielleicht) gehen

Variante 4: They may stay - sie werden (vielleicht) bleiben

Variante 5: They may be leaving but are still unhappy - selbst wenn sie gehen sind sie traurig

Variante 6: They may be remaining but are still unhappy - selbst wenn sie bleiben sind sie traurig

Variante 7: May they leave/stay peacefully - auf dass sie keinen (weiteren) Streit anzetteln

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The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache


KiWi-Taschenbuch, 320 Seiten, Juni 2016, 9,99 Euro

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Robert Shrimsley schrieb schon vor einigen Wochen in der "Financial Times" über den "may-factor": "Theresa May may offer us a fairly hard Brexit or she may soften it. All we can say with certainty is ... she may." Kein Name scheint sich also besser für die Person zu eignen, die einen so ungewissen Plan verantwortet wie diesen Brexit.

Be that as it may - wie dem auch sei!

Dass Namen manchmal tatsächlich Programm sind, zeigt sich in dieser Woche in London. Theresa Mays Regierung muss sich vor dem höchsten britischen Gericht in London gegen einen Anwalt verteidigen, der auf Seiten der "Remainers" den Brexit verhindern soll. Der Mann heißt ausgerechnet "Pannick": Lord Pannick! Und ich denke mir: After the verdict he may panic - or he may not!

Then Theresa may.

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