Historischer Energiewende-Durchbruch Erste Offshore-Windparkbetreiber verzichten komplett auf Subvention

Novum im deutschen Energiewende-Prozess: Vier Betreiber von Windparks in der Nordsee wollen mit deutlich weniger Förderung auskommen als gedacht. Zwei Energieversorger verzichten sogar komplett auf Subventionen und wollen sich über den freien Wettbewerb finanzieren.
Offshore-Windpark: Wird Windstrom bald komplett wettbewerbsfähig?

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Jahrzehntelang galt die Offshore-Windkraft als extrem teuer. Das ist nun offenbar vorbei. Vielmehr könnten die Rotoren auf See die Energiewende künftig sogar verbilligen.

Denn technischer Fortschritt und intensiver Wettbewerb haben nun dazu geführt, dass gleich zwei Energieversorger erstmals auf Subventionen für Windparks in der Nordsee verzichten. Die erste Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Windparks vor den deutschen Küsten hat damit deutlich größere Einsparungen erbracht als erwartet.

Den Zuschlag erhielten vier Windparks in der Nordsee mit einer Gesamtkapazität von 1490 Megawatt, teilte die Behörde am Donnerstag in Bonn mit. Die Versorger EnBW und Dong Energy (Dänemark), die sich in der Ausschreibung durchgesetzt haben, verzichten bei drei Projekten komplett auf die Förderung - ihr Gebot lag bei 0,00 Cent pro Kilowattstunde. Ein weiteres Bauvorhaben einer Dong-Tochter erhält 6 Cent pro Kilowattstunde.

Null Cent bedeutet: Die Betreiber erwarten, dass sie die Windparks in der Nordsee komplett ohne öffentliche Förderung betreiben und sich aus dem Marktpreis für Strom finanzieren können. Das kommt einem historischen Durchbruch für die Energiewende gleich.

Denn damit wäre die Offshore-Windenergie komplett wettbewerbsfähig. Für die Stromverbraucher, die bislang die Förderung des Offshore-Windstroms über die EEG-Umlage mitfinanzieren, könnte das eine Entlastung bedeuten. Sie bezahlen allerdings weiterhin über die Netzentgelte den Anschluss der Anlagen an das Stromnetz.

Offshore-Strom wird derzeit mit 18,4 Cent pro Kilowattstunde gefördert

Zum Vergleich: Die aktuelle Förderung für Offshore-Strom liegt bei 18,4 Cent je Kilowattstunde, allerdings nur über acht Jahre, während die neuen Projekte über 20 Jahre gefördert werden. Die Windparks, die jetzt den Zuschlag erhalten haben, werden nach 2021 ans Netz gehen.

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"Offshore-Technologie qualifiziert sich durch einen Quantensprung in der Effizienz als Treiber der Energiewende in Deutschland", sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux. Sein Unternehmen hat den Zuschlag für den Bau des 900-Megawatt Projekts "He Dreiht" erhalten.

"Das Null-Subventionen-Gebot ist ein Durchbruch für die Wettbewerbsfähigkeit der Offshore-Wind-Technologie", sagte Dong-Windenergie-Chef Samuel Leupold. Die Technologie habe nun ein massives Potenzial für den weltweiten Durchbruch.

Die Billig-Gebote wurden aber auch durch die Tatsache begünstigt, dass den Windparkbetreiber nach deutschem Recht keine Kosten für den Netzanschluss entstehen. Zudem müssen die Windparks erst bis spätestens 2024 realisiert sein. Die Erbauer wetten darauf, dass Windturbinenanbieter wie Siemens  oder Vestas  dann deutlich günstigere Turbinen im Angebot haben als heute. Nicht zuletzt profitierten Dong und EnBW offenbar davon, dass sie als Unternehmen in überwiegendem Staatsbesitz gute Kreditkonditionen bei Banken bekommen.

Der Zuschlagswert liege weit unterhalb der Erwartungen, erklärte aber der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. "Das Ausschreibungsverfahren hat demnach mittel- und langfristige Kostensenkungspotenziale freigesetzt, die zu einer in diesem Umfang nicht erwarteten Senkung der Förderung führen werden." Die Offshore-Windenergie stelle ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis.

Hoher Wettbewerbsdruck - die Subventionen schmelzen

Die Ausschreibung ist ein Ergebnis der vorerst letzten Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und löst die bisherigen Fördermodelle ab. In diesem und im nächsten Jahr sind in zwei Runden insgesamt noch 3100 Megawatt ausgeschrieben. Teilnahmeberechtigt sind genehmigte und fortgeschrittene Projekte mit einem Volumen von 6000 bis 7000 Megawatt. Das erklärt den hohen Wettbewerbsdruck.

Wer nicht zum Zuge kommt, muss entweder auf einen Erfolg bei späteren Ausschreibungen spekulieren oder kann seine bislang getätigten Investitionen abschreiben. Die vier Windparks liegen sämtlich in der Nordsee; bei der nächsten Runde in einem Jahr müssen auch mindestens 500 Megawatt für die Ostsee dabei sein.

Die EEG-Umlage, mit der die Energiewende teilweise finanziert wird, ist von 3,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2012 auf 6,88 Cent in diesem Jahr gestiegen. Sie macht knapp ein Viertel des Strompreises aus. Um den Anstieg der Strompreise zu dämpfen, hatte die Bundesregierung den Ausbaupfad für die Offshore-Windenergie gedeckelt. Angesichts der Kostensenkung durch immer größere und effektivere Windkraftwerke und die zunehmende Industrialisierung fordert die Branche, den Offshore-Ausbau wieder stärker zu forcieren.

Gegenwärtig sind 16 Windparks mit rund 950 Windrädern und einer installierten Leistung von 4100 Megawatt in Betrieb. Bis 2030 sollen es 15.000 Megawatt sein.

mit dpa/rtr/la
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