Dienstag, 21. Mai 2019

Gesundheits-Konzerne Fresenius wächst dank neuer Kliniken - Tochter FMC auf Rekordhoch

Blutwäsche: Der Dialyse-Konzern FMC, der einen Großteil seiner Erlöse in den USA erwirtschaftet, bekommt dort für seine Behandlungen immer weniger bezahlt

Der Kauf von 41 Kliniken vom Rivalen Rhön-Klinikum hat den Umsatz von Fresenius stark erhöht und Gewinnrückgänge in anderen Sparten wett gemacht. Die Diealyse-Tochter FMC hat zwar Probleme in den USA - doch auch hier ist der Ausblick auf 2015 positiv. Die Aktien haussieren.

Frankfurt - Im letzten Quartal legte Fresenius noch einmal deutlich zu und steigerte Umsatz und Gewinn im Gesamtjahr 2014 auf ein Rekordniveau. Auch Probleme im US-Geschäft der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC ) konnten den Konzern nicht bremsen.

Im nächsten Jahr soll sich das Wachstum aus eigener Kraft noch einmal beschleunigen - auch mit Rückenwind durch die Euro-Schwäche. FMC erwartet ebenfalls Besserung. An der Börse kam das gut an: Die Aktien der beiden Unternehmen gehörten am Mittwoch zu den größten Gewinnern im Dax .

Die Fresenius-Krankenhaus-Tochter Helios hatte vergangenes Jahr 41 Kliniken vom Rivalen Rhön-Klinikum übernommen. Dadurch schoss ihr Umsatz um mehr als die Hälfte nach oben und Helios steuerte fast so viel zum Konzernerlös bei wie der zweitgrößte Konzernteil Fresenius Kabi, der sein Geld mit Infusionen, Generika und medizinischer Ernährung verdient. Die Einbindung der neuen Häuser sei außerdem günstiger als gedacht, sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider. Das Ergebnis der Helios-Gruppe legte dadurch um fast die Hälfte zu.

Euro-Schwäche sorgt für Rückenwind

Im Gesamtkonzern sorgten die Helios-Zahlen für kräftiges Wachstum: Den Umsatz steigerte Fresenius um 14 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der Überschuss um knapp 6 Prozent auf rund 1,1 Milliarden. Aus eigener Kraft wuchs das Geschäft aber lediglich um 4 Prozent. Doch 2015 will der Konzern eine Schippe drauflegen und die Erlöse währungsbereinigt um 7 bis 10 Prozent steigern, den Gewinn sogar um 9 bis 12 Prozent.

Weil Fresenius in Euro bilanziert, die Dialyse-Tochter FMC aber in US-Dollar, sind die Währungseffekte ein großes Thema. Derzeit profitiert der Mutterkonzern vom schwächeren Euro. Bei den aktuellen Wechselkursen könnten Umsatz und Gewinn 2015 rechnerisch sogar um mehr als 16 Prozent zulegen.

FMC muss auf US-Markt kämpfen

Bei FMC lief es 2014 nicht so gut: Der Umsatz legte zwar zu, die Gewinne gingen aber zurück, weil FMC im wichtigen US-Markt zu kämpfen hatte. Dort waren staatliche Zuschüsse zur Dialyse-Behandlung gekürzt worden. Mit Zukäufen kleinerer Dialysedienstleister kam trotzdem ein Umsatzplus von 8 Prozent auf gut 15,8 Milliarden Dollar heraus.

Weil ein Sparprogramm rund 65 Millionen Dollar Einsparungen brachte, sank das Konzernergebnis nur um 6 Prozent auf rund 1,05 Milliarden. Im kommenden Jahr soll es auch bei FMC wieder besser laufen: 2016 soll das Sparprogramm voll greifen und der Gewinn dann um 15 bis 20 Prozent steigen, während die Erlöse um 9 bis 12 Prozent zulegen dürften.

Weitere Übernahmen als Wachstumstreiber?

Für viele Beobachter stellt sich die Frage, wie stark Fresenius noch aus sich selbst heraus wachsen kann. Mit den Tochterfirmen hat sich der Konzern in zahlreichen Sparten breit gemacht. FMC ist bei Dialyseprodukten und Dienstleistungen unangefochten Weltmarktführer. Fresenius Kabi ist Konzernschef Schneider zufolge in fast allen Märkten auf Rang eins oder zwei.

In den Schwellenländern steckt zwar noch Potenzial, aber um das Wachstum auf dem derzeitigen Niveau zu halten, muss sich Fresenius nach Ansicht vieler Beobachter nach neuen Übernahmezielen umschauen. Die 41 Rhön-Kliniken waren dabei nur ein Baustein. Vergangenes Jahr liebäugelte der Konzern laut Kreisen mit der Danone -Sparte für medizinische Ernährung - stieg dann aber doch aus dem Rennen aus.

Große Zukäufe hat Konzernchef Schneider aber derzeit nicht im Auge. Viele kleine Übernahmen seien besser zu handhaben als wenige große. "Wenn man sich das aufgeheizte Umfeld für Pharmaakquisitionen anschaut, ist das im Augenblick nicht die beste Zeit, auch in den Ring zu steigen", sagte er. Wenn es aber eine Gelegenheit gebe und es das eigene Geschäft schwächen würde, wenn ein Konkurrent zuschlage, "dann werden wir uns auch nach allen Regeln der Kunst darum prügeln."

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