Sonntag, 18. August 2019

Düngemittelkonzern sucht Vorstand für wichtigstes Ressort Wie sich die weltgrößte Personalberatung Egon Zehnder bei K+S blamiert

Aufwühlend: Kali-Abbau von K+S.

Der Düngemittel- und Salz-Konzern K+S (vormals Kali und Salz) durchlebt derzeit wirklich mitteltrübe Zeiten. Nachdem die Kasseler ein hochpreisiges Angebot des kanadischen Konkurrenten Potash abgelehnt hatten und kein schlüssiges Gegenkonzept entwerfen konnten, setzte der Aktienkurs zum Trudelflug an. Von etwa 37 Euro vor einem Jahr wurde das Papier auf rund 18 Euro Anfang März durchgereicht: Ende März folgte der Abstieg aus dem Dax.

Potash hat sich inzwischen gefangen und betreibt seit kurzem eine Fusion mit seinem kanadischen Wettbewerber Agrium. Bei K+S dagegen, mit 4,2 Milliarden Euro Umsatz, 780 Millionen Euro Gewinn und 14 400 Beschäftigten ein echtes Schwergewicht seiner Branche, sind sie weiterhin auf der Suche nach der verlorenen Dynamik.

Am Mittwoch trug ein grober handwerklicher Schnitzer zur mäßigen Gesamtlage bei - wobei die K+S-Vorderleute dieses Mal kaum eine Schuld trifft. Bereits zum

zweiten Mal innerhalb einer Woche musste Aufsichtsratschef Ralf Bethke seine Mitkontrolleure zusammentrommeln, um sich über Vorstandsangelegenheiten zu beugen, jeweils beraten von Egon Zehnder, dem weltgrößten Personal-Sucher für Spitzenpositionen. Bei ihrem Treffen am 24. August in Kanada, man eröffnete nebenbei eine neue Produktionsanlage, hatten die Kontrolleure den alten Finanzvorstand zum neuen Vorstandschef berufen: Am 12. Mai 2017 ersetzt Burkhard Lohr Amtsinhaber Norbert Steiner.

Im Hochgefühl der Ausflugsatmosphäre hätte man auch gleich die insgesamt zwei übrigen vakanten Vorstandsjobs vergeben können, aber das wollten die Arbeitnehmervertreter nicht - mit einer schlüssigen Begründung: Weder der Kandidat für den Job des Finanzvorstands noch der für das operative Ressort Kali und Magnesiumprodukte hatten sich bis dato dem Gesamtgremium vorgestellt. Also: Vertagung auf eine Woche später, den letzten Tag im August - auch, damit der Kandidat für das Kali-Ressort stressfrei von seinem aktuellen Einsatzort in Südamerika anreisen konnte.

Der Job des Finanzvorstands war am vergangenen Mittwoch dann schnell besetzt: Es wurde Thorsten Boeckers, 41, bislang Chef der Investorenbeziehungen (Investor Relations) unter dem scheidenden Finanzvorstand, der nun ja Vorstandschef wird. Und wer wollte dem neuen CEO seinen ersten Personalwunsch gleich abschlagen?

Eine böse Überraschung gab es dagegen beim eigentlich ebenfalls designierten neuen Kali-Chef. Der Kandidat aus Südamerika eröffnete den verdutzen Aufsichtsräten, dass er im Falle eines Job-Wechsels einem Wettbewerbsverbot durch seinen aktuellen Arbeitgeber unterliege - wenn auch zeitlich überschaubar.

Die Aufsichtsräte waren nachhaltig irritiert und fühlten sich ob der überraschenden Nachrichtenlage nicht mehr entscheidungsreif. Dem armen Kandidaten vom anderen Ende der Welt mögen sie das freilich nicht ankreiden, sondern ihren Beratern, von denen sie vorher dieses wichtige Detail nicht bekommen hatten: Egon Zehnder hatte den Suchprozess übernommen und eigentlich gar nicht so wenig Zeit gehabt, die üblichen Informationen bereitzustellen. Die Leitung des Kali-Ressorts, das renditestärkste des Konzerns, ist bereits seit Ende Februar vakant.

Für die Aufsichtsräte bedeutet die Nachlässigkeit Egon Zehnders und ihres Vorstehers Bethke nun voraussichtlich eine dritte Sitzung in kurzer Zeit: Geplant ist derzeit, innerhalb weniger Wochen erneut zusammenzukommen, um sich noch einmal über die Besetzung des Kali-Vorstands zu beugen.

K+S wollte die Informationen nicht kommentieren. Ein Sprecher Egon Zehnders teilte per Mail mit, "dass Egon Zehnder stets höchste Qualitätsstandards einhält, zu denen auch die Eruierung von Wettbewerbsklauseln zählen." Zu dem konkreten Fall wolle man sich nicht genauer äußern, "weil hier Vertraulichkeitsregeln greifen, die wir unbedingt einhalten werden".

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