Freitag, 24. Mai 2019

Fünf Regeln für Kulturwandel und Mobilisierung Mach neu, mach anders, mach besser!

Neu, bunt, anders: Das fällt in einer tradierten Unternehmenskultur schwer
Dominic Veken
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    Dominic Veken ist Managing Director von BrightHouse, einer auf Purpose und Kulturentwicklung spezialisierten Einheit der Boston Consulting Group. Er hat die Bücher "Ab jetzt Begeisterung" und "Der Sinn des Unternehmens" verfasst und unterrichtet Unternehmensphilosophie an der Universität der Künste in Berlin.

Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen: Wir bewegen uns in einen hyperkomplexen Dschungel aus Technologiefortschritt im Exponentialwachstum. So schnell kann's gehen! Und was machen unsere Unternehmen? Die erscheinen uns unglaublich starr, langsam und überbürokratisch.

Wo soll das nur enden? Wir schauen nach links ins Silicon Valley, nach rechts nach Shenzen und versuchen dort im Crashkurs Agilität, Geschwindigkeit und Drive zu lernen. Wie können wir da dranbleiben und mithalten? Doch irgendwie scheint es uns bei all unseren Transformationsprogrammen und Digitalisierungsversuchen nicht richtig zu gelingen, vorzupreschen und das Spiel zu machen. Irgendwie scheinen wir gerade nur noch hinterherzurennen. Doch warum ist das so? Wir sind doch schlau, perfekt ausgebildet, haben eine große Tradition.

Die einfache Antwort: Genau das ist das Problem! Weil wir uns über Jahrhunderte ein Kulturmuster aufgebaut haben, das uns im Industrialisierungszeitalter erfolgreich gemacht hat, jetzt aber nicht mehr geeignet ist, die Zukunft zu gestalten. Wir befinden uns mitten in einem globalen Wettbewerb der Unternehmenskulturen - und plötzlich ist unsere calvinistisch-preussisch geprägte Vorzeigekultur voller Fleiß, Disziplin und perfekter Organisation nicht mehr state of the art. Das wollen wir einfach nicht wahrhaben. Und deshalb fällt es uns so schwer, aus unserem Kulturmuster herauszukommen und ein neues anzunehmen.

Mobilisierung ist das Leitthema der Zukunft!

Alles muss beweglich werden - und zwar pronto! Mobilisierung wird zum Muss der Gegenwart. Vier große Trends zeigen hier, wo der Hase im Pfeffer liegt und wie es zukünftig weitergehen könnte:

  • Der Wunsch nach Agilität: Hier geht es um "New Ways of Working". Das iterative Befolgen des sich permanent wiederholenden Entwicklungskreislaufs "Build, measure, learn". Um eine andere Fehlerkultur in zunehmend liquiden Strukturen.
  • Die Sehnsucht nach einer Aufbruchsstimmung: Neue Energie. Endlich wieder erfüllt sein statt nur erfüllen. Gegen die Schwere der Aufgabenvielfalt. Gegen das "Arbeit als Pflicht"-Gefühl.
  • Die Möglichkeit der Flexibilisierung: Feste Arbeitszeiten, Arbeitsorte, Arbeitsverträge, Arbeitskollegen - alles passé. Alles muss immer freier verhandel- und kombinierbar werden. So wird das freie Radikale zum fixen Bestandteil.
  • Der Siegeszug der Bewegungen: In der Politik ist die Wirkmächtigkeit von Movements bereits unübersehbar: Ob Macron, Gelbwesten, Fünf Sterne, Sebastian Kurz, Obama oder Trump - alle setzen auf Geistesgemeinschaft. Und auch in der Wirtschaft regiert längst die Wirkweise sozialer Bewegungen - nur etwas weniger öffentlich reflektiert: Ob bei Apple, Amazon oder Alibaba, bei Tesla, Whatsapp oder Zappos.

Wie aber kann die ersehnte umfassende Mobilisierungswelle funktionieren? Eine Anleitung in fünf Schritten:

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