Donnerstag, 5. Dezember 2019

Kartellamt braucht Zeit für "weitere Ermittlungen" Verkauf von Real-Märkten an Edeka wackelt

Real Supermarkt: Redos wird nur einen Teil der Märkte behalten - der Rest geht an die Konkurrenz. Doch bei Edeka hat das Kartellamt Bedenken

Die rund 34.000 Beschäftigten der Supermarktkette Real werden in diesem Jahr keine Klarheit mehr über ihre Zukunft bekommen: Das Kartellamt hat eine umfassende Prüfung des Verkaufs von Märkten der Metro-Tochter an den Konkurrenten Edeka eingeleitet. Es seien weitere Ermittlungen zu den Auswirkungen der Übernahme nötig, teilte die Bonner Behörde am Dienstag mit. Die Untersuchung laufe deshalb nach aktuellem Stand bis zum 28. Februar 2020. Edeka will 87 Real-Standorte übernehmen. Aber auch der Rivale Tegut greift ebenso wie die bayerische V-Markt nach Real-Märkten.

Der Real-Mutterkonzern Metro will die Supermarktkette an ein Konsortium um den Immobilien-Investor Redos verkaufen. Metro-Chef Olaf Koch hatte Real vor einem Jahr ins Schaufenster gestellt. Die Kette passt nicht zu seiner Strategie, den Düsseldorfer Konzern auf das Geschäft rund um den Großhandel zu konzentrieren. Das Kartellamt hatte die Pläne für die Übernahme durch Redos bereits genehmigt.

Redos übernimmt rund 50 der 270 Märkte und reicht den Rest weiter

Redos will Insidern zufolge mehr als 50 der über 270 Real-Märkte weiter betreiben, die Marke Real soll erhalten bleiben. Die übrigen Standorte sollen an Konkurrenten gehen. Der geplante Verkauf an andere Händler muss aber ebenfalls vom Kartellamt gebilligt werden.

Darunter fällt auch die Prüfung der Übernahme-Pläne Edekas. Klarheit, welche Märkte Edeka übernehmen kann, herrscht erst nach dem Ende der Prüfung durch die Kartellwächter. Diese schauen sich Übernahmen im von wenigen großen Handelskonzernen geprägten deutschen Einzelhandel in der Regel sehr genau an.

Erst wenn das Bundeskartellamt seine Prüfungen beendet habe, "können wir verbindlich klären, welche Märkte an welche Händler abgegeben werden und welche bei Real bleiben", hatte Metro-Chef Koch in einem Brief an die Real-Mitarbeiter erklärt. Arbeitnehmervertreter hatten immer wieder betont, die Beschäftigten bräuchten endlich Klarheit über ihre Zukunft.

Neben Redos buhlt aber auch ein Konsortium um den Investor X+Bricks um Real. Dieses hatte seine Offerte jüngst aufpoliert: "X+Bricks hat ein nochmals verbessertes Angebot abgegeben", hatte ein Sprecher vergangene Woche gesagt. Daraufhin hatte eine Metro-Sprecherin deutlich gemacht, dass Metro die Verhandlungen mit Redos mit Hochdruck fortführen werde, "um diese möglichst in den kommenden Wochen abzuschließen."

la/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung