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Flugzeugmesse Le Bourget: Milliardenaufträge für Airbus - heiße Luft für Boeing

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Großumbau EADS heißt künftig Airbus

EADS wird künftig Airbus heißen. Mit der Namensänderung des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns geht ein Großumbau einher. Das Militärgeschäft wird großteils in einer Sparte konzentriert. Die Zahl der Geschäftsbereiche schrumpft von vier auf drei.

München - Großumbau bei EADS : Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern fasst die schwächelnden Sparten für Wehrtechnik und Raumfahrt zusammen und stellt sich damit neu auf. Mit der Verschlankung von vier auf drei Geschäftsbereiche geht auch ein neuer Name einher. EADS wird ab kommendem Jahr unter dem Namen seiner kraftstrotzenden französischen Tochter Airbus firmieren.

Vorstandschef Tom Enders will den Konzern damit im Wettbewerb mit dem US-Rivalen Boeing stärken und Kosten senken. "Damit können wir alle Einheiten profitabler machen", erklärte Enders am Mittwoch den Umbau. Ob oder wie viele Arbeitsplätze der Neuausrichtung zum Opfer fallen, wollte Enders nicht sagen: "Das muss noch alles im Detail ausgearbeitet werden."

Balance zwischen Airbus und Militärgeschäft nicht mehr das Ziel

Die Änderung des Firmennamens in Airbus Group begründete Enders mit den veränderten Marktbedingungen. "Wir streben nicht mehr nach einer Balance zwischen Airbus und dem Militärgeschäft", sagte der EADS-Chef. "Die Umbenennung führt schlichtweg das gesamte Unternehmen unter der besten Marke zusammen, die wir haben. Airbus ist unsere Wachstumsmaschine und international unser bekanntestes Flaggschiff."

Die Sparte, die zwei Drittel der Konzerumsätze erwirtschaftet, füllte auch im zweiten Quartal die Auftragsbücher und Kassen von EADS . Airbus profitiert ähnlich wie Boeing  vom Boom der zivilen Luftfahrt - aufstrebende Airlines in Asien und Billigflieger bestellen ebenso neue Maschinen wie kriselnde Fluggesellschaften, die mit spritsparenden Modellen ihre Kerosinkosten senken wollen. Dagegen machen die Sparzwänge öffentlicher Auftraggeber den EADS-Sparten für Rüstung und Raumfahrt zu schaffen.

Enders' Versuch, EADS durch eine milliardenschwere Fusion mit dem britischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern BAE zu stärken, scheiterte im vergangenen Jahr an politischen Widerständen. Die Verteidigungssparte Cassidian und das Raumfahrtsegment Astrium werden nun unter dem Namen Airbus Defence & Space zusammengefasst. Der militärische Flugzeugbau von Airbus wird ebenfalls in die neue Sparte überführt, die mit Sitz in München vom bisherigen Cassidian-Chef Bernhard Gerwert geführt werden soll.

Allein im Hubschraubersegment - der dritten Sparte - bleiben ziviles und militärisches Geschäft vereint. "Bei Eurocopter gibt es eine starke technologische Verbindung zwischen beiden Bereichen", erläuterte Enders. Künftig soll diese Sparte Airbus Helicopters heißen.

EADS überrascht mit Umsatz- und Gewinnsprung

Im zweiten Quartal überraschte EADS mit Umsatz- und Gewinnzuwächsen. Der Überschuss stieg auf vergleichbarer Basis um 14 Prozent auf 518 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit 466 Millionen Euro gerechnet.

Operativ legte der Konzern um 2 Prozent auf 878 Millionen Euro zu (Ebit vor Einmaleffekten) - erwartet worden war ein Rückgang auf 839 Millionen Euro. Der Quartalsumsatz kletterte um 3 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro. Der Auftragseingang lag im ersten Halbjahr mit 96,6 Milliarden Euro 242 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Damit wuchs der Auftragsbestand von Ende Dezember bis Ende Juni um zwölf Prozent auf 634,8 Milliarden Euro.

Enders bekräftigte die Prognose für das Gesamtjahr. Unter anderem rechnet EADS mittlerweilemit Aufträgen für mehr als 1000 Zivilflugzeuge, wie Verkaufschef John Leahy vor kurzem bereits gesagt hatte. EADS hat seine Bestellerwartungen damit seit Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal zweimal angehoben. Boeing hatte Gewinn und Umsatz im zweiten Quartal ebenfalls unerwartet kräftig gesteigert, der US-Konzern steckte sich daraufhin höhere Jahresziele.

An der Börse wurden die Zahlen und der der geplante Konzernumbau positiv aufgenommen. Die EADS-Aktie legte in Paris und in Frankfurt um jeweils um rund 2 Prozent zu.

rei/rtr
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