Donnerstag, 14. November 2019

CEO Bauer findet Käufer für Berliner Verlag Abschied aus Berlin ist ein Befreiungsschlag für DuMont

DuMont-Chef Christoph Bauer ist mit den Berliner Zeitungen einen Problemfall losgeworden - und geht nun gestärkt in die Verkaufsgespräche für andere Titel
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DuMont-Chef Christoph Bauer ist mit den Berliner Zeitungen einen Problemfall losgeworden - und geht nun gestärkt in die Verkaufsgespräche für andere Titel

Die DuMont Mediengruppe verkauft den Berliner Verlag an das Investorenpaar Holger und Silke Friedrich. Damit hat DuMont-CEO Christoph Bauer (48) den ersten Teil des Ausstiegs aus dem Printgeschäft umgesetzt. Bis Jahresende will er nun Käufer für die anderen Zeitungstitel seines Hauses präsentieren.

Im Februar war bekannt geworden, dass DuMont den Verkauf seiner Zeitungen prüft. Neben dem Berliner Verlag ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", Berliner Abendblatt" u.a.) gehören dem Traditionsverlag der "Kölner Stadt-Anzeiger" und das Boulevardblatt "Express" in Köln sowie die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle und die "Hamburger Morgenpost".

Intern galt der Prozess stets als ergebnisoffen: Die Gesellschafter, die Familien Neven DuMont und DuMont Schütte, hätten ihre Blätter auch im Gesamtpaket verkauft oder hätten - je nach Angebotslage - auch alle behalten.

Nun haben sie sich entschieden, sich zumindest vom wirtschaftlich schwierigsten Objekt zu trennen. Der Berliner Zeitungsmarkt gilt als einer der umkämpftesten der Republik. Vor drei Jahren hatte DuMont sogar geprüft, den Berliner Verlag dichtzumachen, entschied sich aber dann doch zu einer Sanierung. Nun soll der Verlag wieder in den schwarzen Zahlen sein.

Insofern übernehmen die Käufer ein Zeitungshaus, das seine Kosten für den Moment selbst trägt. Und angenehm für DuMont: Die Berliner werden weiterhin diverse Services in Köln einkaufen wie etwa Controlling, Anzeigenvermarktung oder IT.

Ausstieg aus Berlin ist Abschied von einem vergifteten Erbe

Mit dem Ausstieg aus Berlin wickelt DuMont-CEO Bauer das vergiftete Erbe von Altverleger Alfred Neven DuMont (1927 bis 2015) endgültig ab. "Sir Alfred" hatte den Berliner Verlag 2009 übernommen, auch weil er sich nach einer nationalen Bedeutung für seinen mittelständischen Verlag sehnte. Auch die "Frankfurter Rundschau" hatte er sich 2006 zugelegt - zu einer Zeit also, als das Geschäftsmodell von Tageszeitungen durch die Digitalisierung längst unter erheblichem Druck stand. Die beiden Investments kosteten ihn und seine Erben etwa 350 Millionen Euro - für eine Verlag mit (heute) gut 620 Millionen Umsatz im Jahr eine gewaltige, fast existenzbedrohende Summe.

Der Teil-Exit zeigt, wie schwer es heute ist, Tageszeitungen zu verkaufen. Keiner der anderen großen Regionalverlage wie die Funke Mediengruppe ("WAZ") oder Madsack ("Hannoversche Allgemeine Zeitung") war offenbar bereit, DuMont seinen Problemfall abzunehmen. Mögliche Synergien scheinen also die Risiken nicht kompensieren zu können. Zudem hat das Bundeskartellamt bei Zeitungsverkäufen stets das letzte Wort.

Holger und Silke Friedrich - wie das Investoren-Ehepaar reich geworden ist

Stattdessen kommt ein Unternehmerpaar zum Zuge, das im Mediengeschäft ein unbeschriebenes Blatt ist. Holger Friedrich kommt aus der Softwareindustrie, verkaufte einst seine Firma an SAP Börsen-Chart zeigen , war kurz Vorstand der Software AG und McKinsey-Partner und ist seither als Investor und Berater unterwegs. Ihm gehört in Berlin das E-Werk, in dem einst ein berühmter Techno-Club seine Parties feierte. Seine Frau Silke leitet unter anderem die Berlin Metropolitan School, mit etwa 1000 Schülern die größte Privatschule Berlins.

Die Friedrichs sehen ihr Investment als "zivilgesellschaftliches Engagement in bewegten Zeiten". Das Kapital für den Deal soll ausschließlich aus dem recht stattlichen Vermögen des Ehepaares stammen, Dritte sollen also nicht investiert sein.


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Für DuMont hat sich die Lage mit dem Verkauf des Berliner Verlages deutlich verbessert. Ohne das schwache Berliner Business ist die Printsparte nun profitabler als zuvor. Köln und Halle gelten als gesund, und Hamburg ist zu klein, um das Gesamtergebnis allzu sehr zu belasten. In die Gespräche mit den Interessenten für seine anderen Titel geht CEO Bauer nun also gestärkt.

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