Sonntag, 18. August 2019

US-Konzerne sollen mehr Amerikaner einstellen Neuer Trump-Erlass in Arbeit - Silicon Valley im Visier

Multikulti in der US-Wirtschaft: Vor allem in zahlreichen IT-Unternehmen wie in diesem Fall bei der Unterkunftplattform Airbnb arbeiten Leute aus vielen verschiedenen Ländern - das will Trump offenbar ändern

Noch hat sich die Aufregung über den aktuellen Einreisestopp, den US-Präsident Donald Trump gegen Menschen aus sieben Staaten verhängt hat, nicht gelegt, da bereitet das Weiße Haus offenbar bereits die nächste Verordnung zum Thema Einreise in die USA vor. Die Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley, die sich - wie viele andere auch - in der großen Mehrheit bereits über Trumps jüngstes Dekret echauffieren, dürften von dem kommenden noch stärker betroffen sein.

Wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, will Trump in Kürze auch die Regeln zur Anwendung von Arbeitsvisa ändern. Diese Visa spielen vor allem für die US-Techindustrie eine wichtige Rolle, weil Firmen wie Apple Börsen-Chart zeigen, Google Börsen-Chart zeigen oder Microsoft Börsen-Chart zeigen viele Mitarbeiter aus dem Ausland beschäftigen, die sich aufgrund eines solchen Arbeitsvisums in den USA aufhalten können.

Wie Bloomberg berichtet, sollten die Arbeitsvisa ursprünglich dazu dienen, dass die Unternehmen qualifiziertes Personal, sofern es in den USA nicht zu finden war, unkompliziert im Ausland anheuern konnte. Dies galt vor allem in den Feldern Wissenschaft, Technologie, Ingenieurswesen sowie Mathematik, in denen viele talentierte Leute beispielsweise aus Indien und anderen asiatischen Staaten in die USA kamen.

In der jüngeren Vergangenheit sei die Regelung aber immer häufiger genutzt worden, um insbesondere günstige Mitarbeiter im Ausland zu rekrutieren, so Bloomberg.

Das ist US-Präsident Trump offenbar ein Dorn im Auge. Passend zu seiner Linie, die Aussichten für US-Amerikaner auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern ("America first"), plant er laut Bloomberg deshalb eine Neuregelung: Demnach sollen US-Konzerne künftig vorzugsweise US-Amerikaner einstellen, bevor Leute aus dem Ausland geholt werden. Und wenn doch auf Nicht-Amerikaner zurückgegriffen wird, so angeblich der Plan, so soll es sich dabei vornehmlich um besser bezahlte Arbeitskräfte handeln.

Laut Blomberg wollte das Weiße Haus das Vorhaben nicht kommentieren. Wann der Erlass in Kraft treten solle, sei zudem noch unklar.

Damit zeichnet sich eine weitere Front zwischen der US-Tech-Industrie und der neuen US-Regierung ab. Dabei sah es noch vor wenigen Wochen nach einer Annäherung aus: Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit trafen sich die Gründer und Chefs verschiedener namhafter US-Technologiekonzerne wie Apple, Microsoft und Amazon mit dem neuen US-Präsidenten zum Gipfelgespräch. Dabei bot Trump den Tech-Bossen an, sich bei jeglichen Themen, über die Gesprächsbedarf bestehe, jederzeit an ihn oder sein Team zu wenden.

Derartigen Gesprächsbedarf gibt es inzwischen reichlich. Allein der jüngste Erlass Trumps zum Verbot der Einreise von Bürgern aus den Staaten Iran, Irak, Syrien, Sudan, Libyen, Somalia und Jemen sorgt vor allem in der Tech-Branche für Empörung, weil dort viele Mitarbeiter persönlich von der Regelung betroffen sind. Nachdem sich zahlreiche Firmen bereits von dem Schritt distanziert hatten, gibt es inzwischen in verschiedenen IT-Konzernen zudem Überlegungen, eine Klage gegen den Erlass zu unterstützen. Amazon-Chef Jeff Bezos etwa hat bereits angekündigt, die Klage, die gegen die Verordnung Trumps in Washington anhängig ist, unterstützen zu wollen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Mit einer Änderung der Regelungen für Arbeitsvisa dürfte Trump die IT-Konzerne ebenfalls gegen sich aufbringen. Gefragt ist dann womöglich das besondere Verhandlungsgeschick von Leuten wie Tesla-Chef Elon Musk oder Uber-Chef Travis Kalanick. Die beiden Silicon-Valley-Bosse hatten sich, nachdem sie Trump anfangs ebenfalls kritisch gegenüber gestanden hatten, in dessen Beraterstab aufnehmen lassen. Dafür waren beide ihrerseits kritisiert worden. Nun könnte sich jedoch zeigen, dass der direkte Draht zum Präsidenten Vorteile hat.

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