Donnerstag, 17. Oktober 2019

Schweizer Investor Oberhänsli Der Mann, der sich mit DocMorris einen Goldfisch angelte

Zur-Rose-Gründer Walter Oberhänsli: Selten ohne Krawatte, nie ohne Einstecktuch zu sehen

Walter Oberhänsli wirkt wie der Gegenentwurf eines Digitalunternehmers. Den vornehmen Schweizer Herrn sieht man öffentlich selten ohne Krawatte und nie ohne Einstecktuch. Eigentlich ist er Anwalt und wurde eher zufällig Geschäftsmann, weil es in seinem Heimatdorf keine Apotheke gab, er aber eine passende Immobilie zur Verfügung hatte. Heute ist er CEO und Gründer der Schweizer Zur Rose Group, die 2017 knapp eine Milliarde Franken Umsatz machte. Dazu gehört die Schweizer Versandapotheke Zur Rose, vor allem aber der europäische Marktführer der Versandhausapotheken: DocMorris.

Oberhänsli ist gewissermaßen der Gottseibeiuns der deutschen Apothekerschaft, die um ihre Privilegien fürchtet. Denn der Onlinehändler DocMorris wächst derzeit rasant, im ersten Quartal 2018 um 39 Prozent.

Alles begann damit, dass Oberhänsli 2012 dem Großhändler Celesio Börsen-Chart zeigen dessen ungeliebtes Kind DocMorris für 25 Millionen Euro abkaufte. Seitdem hat der Schweizer viel Geld in die neu erworbene Tochter gesteckt, um das Wachstum zu finanzieren. Ein großes Verteilzentrum im niederländischen Heerlen wurde gebaut und eine knapp 30 Millionen Euro teure Werbekampagne der Agentur Heimat hat die Markenbekanntheit von Doc Morris nach oben getrieben. Nach einer von DocMorris bei der GfK Börsen-Chart zeigen in Auftrag gegebenen Studie kennen 66 Prozent der erwachsenen Bundesbürger den Namen der Versandapotheke.

DocMorris kooperiert ab sofort mit der Apo-rot-Apotheke

Vor allem aber hat Doc Morris mit dem Geld seiner Muttergesellschaft Zur Rose zahlreiche Wettbewerber übernommen, etwa Vitalsana. Erst heute gab DocMorris bekannt, künftig das Versandhausgeschäft der Hamburger Apo-rot-Apotheke mit einem Umsatz von jährlich 100 Millionen Euro zu betreiben. Dazu kommen 22 Apotheken, die weiter von Apo-rot gemanagt werden.

Die Investitionen könnten sich bald auszahlen. Oberhänsli ist dabei jedoch abhängig von einer politischen Entscheidung der Bundesregierung, konkret vom neuen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Frage ist, ob und wie er das in der Koalitionsvereinbarung verlangte Verbot für Versandapotheken umsetzt, verschreibungspflichtige Medikamente zu verkaufen.

Vor kurzem gab es dazu ein Gespräch zwischen Spahn und Vertretern der Apothekerlobby, über dessen Inhalt Stillschweigen vereinbart wurde. Nach einem Bericht der Deutschen Apothekerzeitung wachsen jedoch inzwischen die Zweifel, dass das Verbot tatsächlich kommt. Auch der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich nahm von dem Vorhaben Abstand.

Wert von DocMorris hat sich seit dem Kauf Vervierzehnfacht

Offensichtlich spekulieren einige Investoren darauf, dass DocMorris weitgehend unbeschadet aus der politischen Debatte herauskommt. Der Aktienkurs der Muttergesellschaft Zur Rose ist zuletzt wieder stark gestiegen, nachdem er mit Bekanntwerden der Koalitionsvereinbarung abgestürzt war. Marktteilnehmer sehen in der Kurssteigerung erste Anzeichen für eine mögliche Übernahme.

Allerdings handele es sich bei möglichen Käufern nicht - wie verschiedentlich schon spekuliert - um den Versandriesen Amazon Börsen-Chart zeigen, heißt es in Finanzkreisen. Denkbar wären eher andere onlineaffine Händler wie Otto oder Douglas Börsen-Chart zeigen oder auch Private-Equity-Firmen.

Oberhänsli, der heute auf der Generalversammlung von Zur Rose vor seine Aktionäre tritt, kann das trotz aktueller Verluste guten Mutes tun. Der Wert von DocMorris lag schon vor dem aktuellen Apo-rot-Deal bei mehr als 350 Millionen Euro. Das wäre eine Vervierzehnfachung des Wertes seit dem Kauf 2012 - das hat durchaus Silicon-Valley-Format.

mm-redaktion

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