Freitag, 22. November 2019

Europachef des Drohnenbauers DJI "In zehn Jahren könnte es persönliche Flugsysteme für Pendler geben"

Dave Hollins: Der Ex-BMW-Ingenieur leitet das Europageschäft des chinesischen Multikopter-Pioniers DJI
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Dave Hollins: Der Ex-BMW-Ingenieur leitet das Europageschäft des chinesischen Multikopter-Pioniers DJI

Der chinesische Drohnenhersteller DJI baut mit dem Multikopter Phantom die weltweit meistverkaufte Kameradrohne. Im Interview spricht Europachef Dave Hollins über Amazons Paketauslieferung, Fluggeräte für Pendler und den DJI-Gründer Frank Wang, den er mit Steve Jobs vergleicht.

mm: Herr Hollins, Amazon will Pakete per Drohne ausliefern, Chinas Regierung den Smog mit Drohnen bekämpfen. Mehr Aufmerksamkeit kann sich ein Unternehmen wie DJI doch gar nicht wünschen.

Hollins: Ja, das stimmt schon. Wir zielen mit unseren Produkten aber eher auf die Fotografie. In Deutschland zum Beispiel wurden unsere fliegenden Kameras schon eingesetzt, um Autobahnunfälle aus der Luft zu begutachten und zu fotografieren.

mm: Die Paketauslieferung ist nichts für Sie?

Hollins: Ach ja, die Pakete. Sicher kann man ein unbemanntes Fluggerät so programmieren, dass es von A nach B fliegt. Aber was passiert, wenn der Empfänger des Pakets nicht zuhause ist. Soll die Drohne es dann einfach fallen lassen? Soll sie an der Tür klopfen? Bei den Nachbarn klingeln? Abgesehen davon sind bislang nur Flüge bis zu 30 Minuten realistisch - und das ohne Paket. Mit Ballast sinkt die Flugdauer rapide.

mm: Ist dafür keine Lösung in Sicht?

Hollins: Jeder schaut sich derzeit die Batterietechnologie an. Auch wir haben verschiedene Ansätze im Blick. Um die Flugdauer zu verlängern, brauchen wir mehr Leistung bei geringerem Gewicht. Amazon oder Smogbekämpfung, das ist Zukunftsmusik.

mm: Google hat jüngst das Unternehmen Titan übernommen, dessen Drohnen solarbetrieben sind und Jahre in der Luft verbringen können.

Hollins: Bei großen Flugsystemen wie denen von Titan geht das. Heutige Solarmodule erzeugen im Verhältnis zu ihrem Gewicht aber noch zu wenig Energie, damit das auch mit kleinen Drohnen funktioniert. Die zusätzliche Solarenergie würde das zusätzliche Gewicht der Panels nicht kompensieren.

mm: Sie haben die deutschen Autobahnen genannt. Wo kommen ihre Drohnen noch zum Einsatz?

Hollins: Unsere Phantom…

mm: … ihre Einsteigerdrohne mit vier Rotoren und Kamera…

Hollins: …kommt zum Beispiel in Australien zum Einsatz, wenn ein Buschfeuer ausbricht. Es ist dort wichtig, zu wissen, in welche Richtung sich das Feuer bewegt. Wenn sich die Richtung ändert, kann das gefährlich werden. Unsere Drohnen filmen daher die Entwicklung des Brandes von oben. Ein anderes Einsatzgebiet sind Minen. Um deren Stabilität, also zum Beispiel Risse an den Abbaukanten zu überwachen, wurden bislang Hubschrauber eingesetzt. Das ist teuer. Unsere Maschinen können das günstiger erledigen. Außerdem können Sie kartografieren, welche Rohstoffe wo in der Mine vorhanden sind. Und wie viel bereits abgebaut worden ist.

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