Samstag, 14. Dezember 2019

Europachef des Drohnenbauers DJI "In zehn Jahren könnte es persönliche Flugsysteme für Pendler geben"

Dave Hollins: Der Ex-BMW-Ingenieur leitet das Europageschäft des chinesischen Multikopter-Pioniers DJI
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Dave Hollins: Der Ex-BMW-Ingenieur leitet das Europageschäft des chinesischen Multikopter-Pioniers DJI

3. Teil: "Wir müssen selbst über die Kopien unserer Produkte lachen"

Hollins: Frank ist ein wahrer Technologiepionier. Schon als Junge war er fasziniert von ferngesteuerten Flugzeugen und Hubschraubern. Als er später an der Universität von Hong Kong in Shenzen studierte, erfüllte er sich seinen Kindheitstraum. Seine Abschlussarbeit schrieb er über autonom fliegende, ferngelenkte Hubschrauber. Er hat sich dabei vor allem mit der Stabilität der Maschine in der Luft auseinandergesetzt. Seine Arbeit war so gut, dass ihn sein Professor dazu anregte, das Thema weiter voranzutreiben. Gemeinsam mit zwei Kommilitonen entwickelte er daher ein Autopilotsystem für ferngesteuerte Hubschrauber. Das war 2006. Weil Frank auch die Idee hatte, ein System für fliegende Kameras zu entwickeln, wechselte er von Helikoptern hin zu den leiseren und stabileren Multikoptern. Später kamen dann weitere Modelle, eigene Propeller- und Kameratechnologien dazu. Heute beschäftigt DJI allein für Forschung und Entwicklung mehr als 400 Mitarbeiter.

mm: Welche Rolle spielt Frank Wang für DJI heute?

Hollins: Er ist so ein bisschen wie - ach, ich hasse es, diesen Vergleich zu machen - er ist so ein bisschen wie Steve Jobs bei Apple. Wenn Sie ihn treffen, würden sie ihn kaum wahrnehmen. Er ist sehr geerdet. Und er ist zugänglich für Mitarbeiter und ihre Vorschläge. Wenn ein Entwickler in einer technischen Frage nicht weiterkommt, geht Frank zu ihm hin, löst das Problem oder hilft dabei.

mm: Das macht noch keinen Steve Jobs.

Hollins: Frank hat auch einen Blick für technologische Verbesserungen und Fortschritte. Er sieht Produkte, die bislang nicht existieren. Er hat erkannt, dass es einen Markt für Luftaufnahmen gibt, wie wir sie heute ermöglichen. Mit der Phantom haben wir eine Plattform entwickelt, deren Zweck letztlich jeder für sich entdecken kann, seien es Feuerwehrleute, Bauarbeiter oder Naturschützer.

mm: Die Phantom, Ihre bekannteste Drohne, wird sogar schon von Wettbewerbern kopiert. Für ein chinesisches Unternehmen ist das doch eher ungewohnt. Gelten doch eigentlich die Chinesen als Kopierweltmeister.

Hollins: Manchmal müssen wir selbst über die Kopien unserer Produkte lachen. Wir sehen uns aber gar nicht so sehr als chinesisches, sondern eher als globales Unternehmen. Wir haben unseren Fußabdruck ja längst auch in Deutschland, Großbritannien, den USA, Japan und Afrika hinterlassen.

mm: Wie groß ist der Markt?

Hollins: Riesig!

mm: Was heißt denn das?

Hollins: Ich kann Ihnen nicht mit Zahlen dienen. Aber es ist für uns möglich, immer neue Felder in der Fotografie zu erschließen. Unsere wichtigsten Kunden sind derzeit Hobbyfotografen und Hobbyfilmer. Dieser Markt ist längst noch nicht erschlossen. Und jeden Tag kommen interessante neue Anwendungen dazu. Ich habe kürzlich auf einer Messe einen Archäologen getroffen, der begeistert war von unseren Produkten. Ich habe ihn gefragt, was er als Archäologe denn mit ihnen anfangen könne. Da sagte er mir, dass er bislang an jedem Nachmittag ein Gerüst aufbauen müsse, um die Ausgrabungsstelle einmal täglich von oben zu fotografieren. Mit der Phantom könnte er sich diesen Aufwand sparen.


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