Freitag, 13. Dezember 2019

Europachef des Drohnenbauers DJI "In zehn Jahren könnte es persönliche Flugsysteme für Pendler geben"

Dave Hollins: Der Ex-BMW-Ingenieur leitet das Europageschäft des chinesischen Multikopter-Pioniers DJI
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Dave Hollins: Der Ex-BMW-Ingenieur leitet das Europageschäft des chinesischen Multikopter-Pioniers DJI

2. Teil: In China sind die Regeln eher locker

mm: Werden Drohnen in zehn Jahren Teil des täglichen Stadtlebens sein?

Hollins: Das hängt zum einen von der technologischen Entwicklung ab, zum anderen von den Regularien. Ich glaube aber, dass in zehn Jahren nicht nur Pakete von Multikoptern versendet werden, sondern es auch persönliche Flugsysteme geben wird. Wir reden dann von einsitzigen oder zweisitzigen Maschinen für Pendler. Solche Innovationen hängen aber ganz klar von den Regularien ab. Wenn es jedoch Korridore gibt, in denen sich solchen "Drohnen" bewegen können, halte ich eine solche Entwicklung für möglich.

mm: Aber gerade Regulierungen sind ja das Thema. In Bremen sorgte im Frühjahr eine Ufo-Sichtung für hitzige Diskussionen. Haben Sie davon gehört?

Hollins: Also ich war es nicht. Aber es kann schon sein, dass eine Drohne mit ihren ganzen Leuchtdioden vor allem nachts wie ein Ufo wirkt. Da gibt es jedoch strikte Regeln. Niemand darf einfach so über einen Flughafen fliegen. In England müssen Sie zum Beispiel fünf Meilen Abstand von einem aktiven Flugfeld halten. Wer sich daran nicht hält, hat auch eine Strafe verdient.

mm: Unterscheiden sich die Regularien weltweit?

Hollins: Ja, sehr. Ich halte die Gesetze in Großbritannien für sehr gut. Alle Drohnenflüge die dort für eine Gegenleistung stattfinden, sei es auch nur ein Kasten Bier, gelten dort als kommerzielle Flüge. Die Maschinen und die Piloten müssen entsprechend zertifiziert sein. Wer fliegen will, braucht eine Erlaubnis. Auch Frankreich hat eine gute Lösung gefunden. Sie haben dort Regeln für die erlaubte Entfernung und die erlaubte Höhe zu Menschen und Gebäuden festgelegt. In den Niederlanden Österreich und Deutschland ist es ähnlich.

mm: Und in China?

Hollins: Dort ist es eher locker. Dort können sie an fast allen Orten fliegen. Nur in manchen Großstädten wie Peking gibt es Gegenden, wo das Fliegen verboten ist. An Flughäfen gilt in China ebenfalls ein Verbot, wie überall auf der Welt. Wir haben deshalb auch Drohnen entwickelt, die am Rande dieser Verbotszonen automatisch zur Landung gezwungen werden. Eine weitere Konstante weltweit sind die Höhenbeschränkungen in verschiedenen Ländern. In den vereinigten Staaten sind es 400 Fuß, in Frankreich 100 Meter. Technisch gesehen könnten Drohnen viel höher fliegen. Wir haben die Betriebssoftware aber so verändert, dass die Nutzer die Einstellung entsprechend ihrer Länder anpassen können, so dass die Drohne eine bestimmte Höhe nicht überschreitet.

mm: Waren die lockeren Regularien in China ein Wettbewerbsvorteil für DJI?

Hollins: Nein. Als das Unternehmen 2006 gegründet wurde, gab es nirgendwo auf der Welt Regeln für Drohnenflüge. Das heißt, das Unternehmen hätte in jedem anderen Land dieselben Startbedingungen gehabt. Der einzige Grund, warum dieses Unternehmen so erfolgreich ist, ist sein Gründer,…

mm: … der heute 35-jährige Frank Wang.

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