Sonntag, 15. Dezember 2019

Disruption als Wohlfühltriathlon - Negieren, Kopieren, Sanieren Wie MediaMarkt und Marriott den digitalen Wandel verbocken

MediaMarkt: Der Konzern steckt im digitalen Abstiegskampf - und hat jetzt ein Sanierungsprogramm gestartet

4. Teil: Jetzt wird es ungemütlich: Sanieren

Jetzt wird es ungemütlich: Sanieren

Wenn Disziplin 2 nur halbherzig angegangen wurde, folgt in der Regel Disziplin 3. Das Management wird ausgetauscht, es folgt der Sanierungskurs. Jetzt passiert das, was in den ersten beiden Disziplinen unbedingt vermieden werden sollte: Die Zeit des Wohlfühlens ist vorbei. Zumindest für die, die durch den Sanierungskurs unmittelbar betroffen sind. Die Verwaltung, in der Stellen gestrichen werden, Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen etc.

Die Botschaft ist oft die gleiche: "Anschließend ist unser Unternehmen für die Zukunft gerüstet." Allerdings sind die Wettbewerber zu diesem Zeitpunkt schon lange außer Sichtweite. Sie haben überholt und ihr Abstand wird größer. Während MediaMarkt den eigenen Onlineshop feierte, war Amazon bereits auf dem Weg vom Internetmarktplatz zum Anbieter von Medieninhalten und zu einem der weltweit führenden Cloudanbieter. Und auch bei Airbnb kann man darauf warten, dass die nächste große Innovation kommt. Während Marriott gerade lernt, die ersten Schritte zu gehen.

Der Schlüssel liegt in der Unternehmenskultur

Die erste und zweite Disziplin des Wohlfühltriathlons sind davon geprägt, dass Unternehmen das Bestehende unbedingt erhalten wollen. Veränderung wird als negativ empfunden, zum Teil sogar als Strafe. "Na gut, dann tun es wir es eben." Die zweite Disziplin, das Kopieren, folgt genau dieser Logik. Wenn man schon etwas tun muss, dann ebenfalls möglichst nichts allzu Neues. Lieber kopiert man etwas, das sich woanders bereits bewährt hat - mit möglichst geringem Risiko. Hauptsache, nichts verkehrt machen. Die dritte Disziplin führt oft zu einer Verstärkung dieser Unternehmenskultur. Angst um den eigenen Arbeitsplatz ist ein schlechter Motor für Innovation.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Disruption liegt in einer Innovationskultur, die wirkliche Veränderung zulässt. Managementprofessor Peter Drucker hat einmal gesagt: "Culture eats strategy for breakfast." Sinngemäß könnte man das Zitat erweitern: "...and disruption for lunch."

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