Mittwoch, 20. November 2019

Warum die Gute-Laune-Digitalisierung eine Farce ist Macht den Leuten nichts vor!

Schicke Büros und Pizza zur Begrüßung: Die neue digitale Arbeitswelt ist keine Party und Gute-Laune-Veranstaltung.
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Schicke Büros und Pizza zur Begrüßung: Die neue digitale Arbeitswelt ist keine Party und Gute-Laune-Veranstaltung.

2. Teil: Leicht zu durchschauende Seifenoper

Die Konzerne sollten sich nicht nur ihrer Verantwortung für den Standort Deutschland erinnern, sie sollten auch aus ganz egoistischen Motiven auf eine so wirklichkeitsferne, bis zur Unkenntlichkeit positivierte, eindimensionale Erzählung verzichten: Es ist ein Trugschluss, dass die jungen, hochtalentierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für die diese Seifenoper der heilen digitalen Welt inszeniert wird, auf ein derart dümmliches Gewäsch hereinfallen.

Diese Leute haben an den besten Universitäten der Welt studiert, es ist beinahe beleidigend, wie amateurhaft hier Kulissen aufgemalt werden, die so durchsichtig sind, dass es keinen Stanford-Abschluss braucht, um sie zu durchschauen. Und sollte es wider Erwarten doch gelingen, einige der Besten mit derart leeren Versprechungen anzulocken, werden sie schnell wieder kehrtmachen, sobald sie die nüchterne Realität der noch immer bleiernen Konzernwelt erleben.

Überdies sollte jeder Konzern ernsthaft darüber nachdenken, ob er für die massiven Herausforderungen der nächsten Dekade tatsächlich Mitarbeiter braucht, die einen Job wollen, weil er lauter Leckerli bringt. Oder ob nicht doch Leute besser wären, die Lust auf den Job und Spaß an der Herausforderung haben.

Hinzu kommt: Wer derart anbiedernd-positiviert kommuniziert, der läuft Gefahr, auf Sicht die eigenen Mitarbeiter abzuhängen. Der Großteil der Konzernbelegschaften arbeitet Tag für Tag hart und fremdelt bis heute mit der Berlin-Mitte-Start-up-Kultur, die so rein gar nichts mit ihrer Arbeitswirklichkeit zu tun hat. Wer diesen kulturellen Clash ohne Not befeuert, verstärkt im Zweifel nur die Ablehnungstendenzen gegen jede Art von notwendiger Veränderung.

Lasst euch nicht einschüchtern!

Liebe Konzerne, liebe Mittelständler, gebt den Leuten das echte Leben, zeigt euch mal ungeschminkt, lasst wirkliche Diversität und nicht nur ein paar hippe Corporate Influencer für euch sprechen. Lasst euch nicht einschüchtern von den Generation-Y-Flüsterern, seid selbstbewusst und kuscht nicht so devot vor den vermeintlichen neuen Anforderungen kommender Generationen. Spart euch die uniforme Hdgdl-Digitalisierung, die ihr auf Twitter, Instagram und LinkedIn aufführen lasst - sie ist ein Zerrbild, eine radikale Fehlannahme, die langfristig nur Enttäuschung produzieren wird.

Achtet stattdessen darauf, dass ihr den Arbeitsalltag für eure Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sinne von New Work zum Positiven verändert, dass ihr Prozesse und Strukturen fit für das digitale Zeitalter macht, dass ihr die Digitalisierung ernsthaft betreibt und sie nicht nur inszeniert. Erzählt den Menschen, wie mühsam Innovationen wirklich entstehen, wie weh Veränderungen tun können. Erzählt den Leuten, dass es Arbeit ist. Und hört auf, ihnen etwas vorzumachen. Denn Digitalisierung ist harte Arbeit - und das wird fürs Erste auch so bleiben.

Panos Meyer arbeitete einst für Twitter, ist heute Geschäftsführer der Digitalagentur Cellular in Hamburg und schreibt hier als Gastkommentator. Gastkommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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