Wessen Vermögen am stärksten schrumpfte Die größten Verlierer unter den reichsten Deutschen

Die Autoindustrie ist bekanntlich die wichtigste Branche in Deutschland. Es heißt, der Otto-Motor habe mehr als alles andere den Wohlstand in diesem Land geprägt. Das mag stimmen - zumindest haben etliche der 1001 reichsten Deutschen  ihr Vermögen maßgeblich dem Bau und gewinnbringenden Verkauf von Autos in alle Welt zu verdanken. Gerät diese Branche ins Schlingern, macht sich das logischerweise auch bei denjenigen bemerkbar, die ihre Familienmilliarden in Autobauern und ihren Zulieferer investiert haben.

Hinzu kommen weitere Faktoren wie die globalen Handelskonflikte, die konjunkturelle Eintrübung, aggressive Umweltkampagnen, zweifelnde Anleger oder schlicht unternehmerische Fehlentscheidungen, die dazu führten, dass unter Deutschlands Reichsten einige innerhalb nur eines Jahres Milliarden verloren. Das sind die größten Verlierer:

Platz 5: Familie Kronseder

Zuversichtlich: Volker Kronseder steuert die Krones AG als Vorstandsvorsitzender.

Zuversichtlich: Volker Kronseder steuert die Krones AG als Vorstandsvorsitzender.

Foto: imago stock&people

Wenn es irgendwo auf der Welt darum geht, große Menge an Flüssigem in viele kleine Behältnisse abzufüllen, führt an den Kronseders aus Neutraubling in der Oberpfalz kein Weg vorbei. Dose oder Flasche? Glas oder Plastik? Sie haben für jeden die richtige Abfüllanlage für fast jede Getränkeart. Als Vorstandschef steuerte Volker Kronseder (65) den von seinem Vater gegründeten Maschinenbauer Krones zwei Jahrzehnte stabil durch alle Lagen. Den Wechsel 2016 mit dem Aufstieg des langjährigen Vorstands Christoph Klenk (55) zum CEO bereitete er mustergültig vor und übernahm den Aufsichtsratsvorsitz.

Dennoch hat die Erfolgsgeschichte des Weltmarktführers für Getränkeabfüllanlagen neuerdings ein paar tiefe Kratzer.  Überraschende, planlos wirkende Gewinnwarnungen verschreckten die Anleger. Im Juli musste der Finanzchef gehen. Und das Geschäft wird schwieriger: Wegen der Plastikmülldiskussion verschieben Kunden Bestellungen von Anlagen für Plastikflaschen.

Die Folge: Binnen eines Jahres halbierte sich der Aktienkurs - bitter für die Familie, die knapp 52 Prozent hält. Um 0,9 Milliarden Euro halbierte sich ihr Vermögen, so dass sie gerade noch zu den 180 reichsten Deutschen zählt.

Und Volker Kronseder? Ist die Ruhe selbst: "Die strategische Position des Unternehmens ist unverändert gut. Irgendwann wird der Kurs auch wieder raufgehen." Amen.

Platz 4: Ralph Dommermuth

Gründer Ralph Dommermuth: Sein 40-Prozent-Anteil an United Internet war schon mal mehr wert.

Gründer Ralph Dommermuth: Sein 40-Prozent-Anteil an United Internet war schon mal mehr wert.

Foto: Markus Hauschild; United Internet

Als halben Kerl haben Rivalen wie die Deutsche Telekom ihn einst bespöttelt. Denn um seinen Kunden Telefon und Internet anbieten zu können, muss Ralph Dommermuth (55), Gründer von United Internet (UI), Kabel und Masten von anderen mieten. Über eine halbe Milliarde Euro zahlt er dafür im Jahr.

In diesem Jahr nun wagte er sich vor. Nach 497 Runden ersteigerte der Mann aus Montabaur im Sommer die Frequenzen für ein eigenes 5G-Mobilfunknetz. Preis: 1,1 Milliarden Euro. Für die digitale Dreifaltigkeit aus Telekom, Vodafone und Telefónica dürfte Selbstfunker Dommermuth daher bald noch nerviger werden als ohnehin schon. Denn kaum einer versteht es so gut, Handy- und andere IT-Verträge an Kommunikationswillige zu verkaufen.

Nur die Investoren zweifeln an den Plänen und der Story, die Dommermuth vertritt. An der Börse ist, 5G hin oder her, Ralphs Reich(tum) - er nennt 40 Prozent von UI sein Eigen - um bis zu 40 Prozent abgewertet. Sein Vermögen ist daher um 1,2 Milliarden Euro geringer als noch 2018 - mit insgesamt 2,9 Milliarden Euro belegt er nur noch Rang 56 unter den 1001 reichsten Deutschen . Aber kann so was einen ganzen Kerl wie RD erschüttern? Kaum.

Platz 3: Familie Wacker

Peter-Alexander Wacker: Die Wacker-Aktie kennt seit 2018 nur den Weg nach unten.

Peter-Alexander Wacker: Die Wacker-Aktie kennt seit 2018 nur den Weg nach unten.

Foto: imago images/argum

Auf die elefantöse Größe von 3,8 Milliarden Euro blies sich das Vermögen der Wackers in München zwischenzeitlich auf. Ihr Geschäft - man hält Anteile an Wacker Chemie und Siltronic in Freiberg - sind Polymere und polykristallines Silizium, Spezialchemie also. Da solche Stoffe für Computerchips und Solarzellen dringend gebraucht werden, hängen die Wackers am Wohl und zuletzt eher Wehe dieser Branchen.

Vormann Peter-Alexander Wacker (68) hatte den Konzern einst für 500 Millionen Euro von Hoechst zurückgekauft. Denn 80 Jahre lang waren die Wackers nur Juniorpartner in ihrer Firma, die ein Urahn 1914 gegründet hatte. Über einen Börsengang 2006 refinanzierte Wacker den riskanten Deal. Danach ging es lange steil nach oben mit Börsenwert und Vermögen.

Im Januar 2018 notierte die Wacker-Aktie gar bei nie gesehenen 174 Euro - aber zuletzt waren es kaum mehr als 70 Euro. Das trug maßgeblich dazu bei, dass die Familie um 1,7 Milliarden Euro ärmer ist als noch im Vorjahr.

Und da die Konjunktur allerorten verflacht, dürfte mit einem neuerlichen Aufschwung einstweilen auch nicht zu rechnen sein. Aber Peter-Alexander Wacker, der einst 14 Jahre bei BMW managte, denkt weiter groß: Eine seiner Investmentfirmen hat er "Blue Elephant" getauft.

Platz 2: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler

Georg F. W. Schaeffler und Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann: Mutter und Sohn bangen ums Erbe.

Georg F. W. Schaeffler und Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann: Mutter und Sohn bangen ums Erbe.

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Wenn man so will, dann erlebten Georg (54) und Maria-Elisabeth Schaeffler (78) ein vergleichsweise gutes Jahr. Um "nur" 3,6 Milliarden Euro ist ihr gemeinsames Vermögen geschrumpft - im Vorjahr hatte das Minus noch fünf Milliarden Euro betragen. Diese Wertvernichtung verdanken Mutter (20 Prozent) und Sohn (80 Prozent) der Tatsache, dass ihre beiden Großunternehmen Schaeffler und Continental erheblich von einem Produkt abhängen, das seit einigen Jahren sowohl gesellschaftlich als auch geschäftlich unter Druck geraten ist: dem Verbrennungsmotor.

Wie man in der aufziehenden Elektrowelt vorne dabeibleiben will, das haben die Ingenieure und Vorstände in Herzogenaurach und Hannover noch nicht recht ausgetüftelt. Also erodieren Ergebnisse und Börsenkurse, die Schaefflers drohen ihr Erbe zu verspielen.  So viel wie sie hat in den vergangenen beiden Jahren zusammen niemand in Deutschland verloren.

Dass die Schaefflers nicht unbedingt als begnadete Unternehmenslenker gelten, hilft auch nicht gerade. Bei Conti soll nun der größte Konzernumbau der Geschichte die Wende bringen: Knapp ein Zehntel der weltweit 244.000 Jobs stehen zur Disposition.

Platz 1: Stefan Quandt und Susanne Klatten

Susanne Klatten: BMW hat ihr Vermögen zuletzt um Milliarden geschrumpft. Noch reicht es für den Platz als Drittreichste.

Susanne Klatten: BMW hat ihr Vermögen zuletzt um Milliarden geschrumpft. Noch reicht es für den Platz als Drittreichste.

Foto: picture alliance / Matthias Balk

Lange Jahre war die 47-Prozent-Beteiligung von Stefan Quandt (53) und Susanne Klatten (57) an BMW, ein stetiger Quell großer Freude. Der Kurs entwickelte sich tendenziell freundlich, vor allem aber sorgten die satt röhrenden Gewinne des Autobauers für üppigste Dividenden: Auch für 2018 gab es eine Milliarde Euro für die Geschwister.

Im Video: Darum sind die Quandts nicht länger die reichsten Deutschen:

manager magazin

Weil aber die BMW-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten fast ein Drittel ihres Wertes verlor, stand am Ende trotzdem ein Vermögensminus von 7,5 Milliarden Euro auf dem Papier - mehr als bei jedem anderen. Waren sie im vergangenen Jahr noch die reichsten Deutschen, sind sie 2019 nur noch die drittreichsten . Die Quandts sind zwar in allen möglichen Bereichen investiert - von Chemie (Altana) über Karbon (SGL) und Solarenergie bis zu Robotik, Logistik und Automatisierung (alles Delton). Aber BMW wirkt nun fast wie ein Klumpenrisiko.

Nicht nur wegen der schwächelnden Autokonjunktur und der Umstellung auf die Elektromobilität, die Topmanager und Cash-Reserven stresst. BMW ist gegenüber Mercedes und Audi auch wegen hausgemachter Probleme zurückgefallen: Der einstige Vorzeigekonzern der deutschen Wirtschaft erlebte einen Systemabsturz.  Die Geschwister mussten einsehen, dass sie mit Harald Krüger (53) wohl den falschen Chef verpflichtet hatten - weshalb sie sich im Sommer vorzeitig von ihm trennten. Unter dessen Nachfolger Oliver Zipse (55) soll BMW nun wieder werden, was es im quandt'schen Portfolio lange war: ein weiß-blauer Goldbarren.

Die vollständige Liste der 1001 reichsten Deutschen 2019 finden Sie auf manager magazin premium. 

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