Die Mäzene der Bundesliga Warum diese Männer Millionen in den Fußball stecken

Hält Anteile der ausgegliederten Fußballabteilung des HSV: Logistik-Milliardär und Rothosen-Fan Klaus-Michael Kühne

Hält Anteile der ausgegliederten Fußballabteilung des HSV: Logistik-Milliardär und Rothosen-Fan Klaus-Michael Kühne

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Der neueste Investor der Fußball-Bundesliga heißt Klaus Hofmann: Sein Geld, das er als Miteigner des Brandschutzspezialisten Minimax (1,3 Milliarden Euro Umsatz) verdient hat, steckt er in den FC Augsburg. 99 Prozent der Anteile an der ausgegliederten ersten Fußballmannschaft will Hofmann gemeinsam mit einigen weiteren Investoren zur kommenden Saison übernehmen. Er weiß, worauf er sich einlässt: Hofmann ist seit Dezember 2014 Präsident des Vereins.

Wie auch Rolf Elgeti, der jüngst seine Einstiegsabsichten bei Hansa Rostock verkündet hat, handelt Hofmann primär aus ideellen Gründen. Elgeti hatte den "Norddeutschen Neuesten Nachrichten" gesagt, er habe "ein hohes emotionales Interesse, dass der Verein weiter besteht." Fest ist in Rostock allerdings noch nichts, Elgeti hat jedoch schon "sehr lange und intensiv" mit Hansa-Vorstandschef Michael Dahlmann über ein Engagement an der Warnow diskutiert.

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Eine Voraussetzung für den umstrittenen Immobilien-Unternehmer ist, dass Rostock - wie es viele Bundesligisten wie Augsburg bereits vorgemacht haben - seine Profiabteilung ausgliedert; er wolle sein Geld nicht verbrennen, sagte er im Interview. Das klingt ambitioniert, denn, wie FCA-Präsident Hofmann zu seinem eigenen Investment festhielt: Solange die 50+1-Regelung gilt, nach der die Vereine die Mehrheit der Stimmen an ihren Fußballfirmen halten müssen, seien die Anteile ohnehin "wirtschaftlich nichts wert".

Eher teures Hobby denn lohnendes Investment

Während Investoren in Frankreich oder England ehemalige Mittelmaß-Clubs wie Paris Saint-Germain, Chelsea FC oder Manchester City zu Top-Mannschaften hochgespritzt haben, wirken die Engagements reicher Gönner in der Bundesliga eher wie kostspielige Hobbies: Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne hat dem klammen HSV immer wieder mit Darlehen und zuletzt mit einem Anteilskauf aus der Klemme geholfen. Bekommen hat er dafür vor allem das Recht, sich medial immer wieder über die Klubführung auszulassen.

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hat seinen Jugendverein 1899 Hoffenheim mit geschätzten 350 Millionen Euro aus der Kreis- in die Bundesliga geführt - einen Gewinn hat der Club in sechs Jahren Bundesliga zwischen 2008 und 2014 allerdings erst einmal erzielt, 2011 mit 1,7 Millionen Euro. Von Champions League spricht in Sinsheim niemand.

Hopp ist ein Unikat in Deutschland: Ab Juli ist er der einzige wirkliche Alleinherrscher der Bundesliga. Nach 20 Jahren Arbeit für einen Verein dürfen Geldgeber laut 50+1-Regel die Stimmenmehrheit übernehmen.

"Sie schaufeln dem Verein das Grab"

"Im typischen Spannungsfeld zwischen Tradition und Kommerzialisierung" - Hannover-96-Präsident Martin Kind

"Im typischen Spannungsfeld zwischen Tradition und Kommerzialisierung" - Hannover-96-Präsident Martin Kind

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2018 ist das auch in Hannover so weit: 96-Präsident Kind hat es mit der gleichnamigen Hörgerätefirma zu Geld gebracht; im vergangenen Herbst hat er für 3,25 Millionen Euro mit anderen Investoren die restlichen 15,7 Prozent an der Hannoveraner Ausgliederung der ersten Mannschaft gekauft, die ihm bis dahin noch nicht gehörten. Kind ist in Deutschland der bekannteste Kritiker der 50+1-Regelung - und sieht sich dafür auch innerhalb seines Vereins immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. "Sie schaufeln dem Verein das Grab", habe ihm ein erboster Fan auf der Jahreshauptversammlung entgegengerufen, berichtet die Online-Ausgabe der Sportschau.  Kind selbst sprach später gelassen "vom typischen Spannungsfeld zwischen Tradition und Kommerzialisierung".

"Kommerzialisierung" bedeutet im Falle von Kind ein kompliziertes Firmengeflecht: Die Lizenzspielerabteilung ist als GmbH & Co. KGaA organisiert, die Geldgeber sind in der S&S-Holding organisiert. Das Stadion wird von einer eigenen Gesellschaft betrieben, die geschäftsführende Management-GmbH ist eine vollständige Tochter des Vereins. "Im Grunde jedoch ist die entscheidende Information", bemüht sich sportschau.de um eine Entflechtung , "dass in allen Gesellschaften, die unter Hannover 96 firmieren, ein Mann den Ton angibt: Martin Kind".

Unternehmen binden Vereine durch Anteilskäufe an sich

Wenn es um wirtschaftlich motivierte Investments geht, sind in Deutschland vor allem Unternehmen die wichtigen Spieler: Audi und Adidas sorgen mit ihren Anteilen am FC Bayern genauso dafür, dass sie auch langfristig Partner und Ausrüster des Branchenprimus sind, wie Puma, Evonik und Signal Iduna bei Borussia Dortmund.

Der österreichische Getränkekonzern Red Bull drängt mit Rasenballsport Leipzig in die Bundesliga - Dietrich Mateschitz herrscht mittlerweile auch über ein Sportimperium und verkauft keineswegs mehr nur Brause, sondern ein Lebensgefühl. Auch die Werksteams aus Leverkusen und Wolfsburg laufen als öffentlichkeitswirksame Erweiterung von Bayer und Volkswagen auf.

Insbesondere VW hat in den vergangenen Jahren massiv in den VfL investiert - "unser Anspruch ist attraktiver, internationaler Spitzenfußball. Und das ist im Jahre 2015 sehr kostenintensiv." Sagt nicht etwa VfL-Manager Klaus Allofs, sondern der VW-Generalbevollmächtigte für Kommunikation, Außenbeziehungen und Investor Relations Stephan Grühsem. Er kann es sich herausnehmen: Als langjähriger Förderer durfte VW laut 50+1-Regelung bereits 2007 alle Anteile an der Wolfsburger Fußball-GmbH übernehmen.

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Für Neu-Investor Klaus Hofmann wäre dieser Weg mit dem FC Augsburg noch weit - laut eigener Aussage möchte er ihn allerdings auch gar nicht beschreiten. Ohnehin läuft es für die Augsburger auch ohne große Finanzspritzen derzeit ziemlich gut: Mit dem zweitkleinsten Etat der Liga haben die Bayern vor dem letzten Spieltag noch die Chance, aus eigener Kraft die Europa League zu erreichen.

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