Freitag, 10. April 2020

Von der Straße ins Wasser Die Luxusjachten der Autobauer

Bugatti/Palmer Johnson/dpa-tmn

Baut ein Autohersteller ein Boot - was wie ein Scherz klingt, haben Mercedes, Aston Martin und Bugatti schon getan. Zuletzt stellte auch Lexus sein erstes Boot vor. Marketing-Gag oder Geschäftsmodell?

Der Silberpfeil ist ein Mythos. Mit den berühmten Mercedes-Rennautos hatte der neue Silberpfeil, den Daimler im Sommer 2016 vorstellte, aber nichts zu tun. Auch wenn man mit etwas Fantasie denken konnte, dass es sich hier um einen Mercedes-Renner handelt - nur mit Schraube anstelle von Rädern. Als "Silberpfeil der Meere" bewarben die Schwaben die Jacht - was zugegebenermaßen eingängiger klingt als deren tatsächlicher Name "Arrow460-Granturismo".

Das 960 PS starke Boot soll laut Mercedes die Proportionen eines Automobils haben. Nur liegt der Preis der Jacht, die von Mercedes designt und vom monegassischen Bootshersteller Silver Arrows Marine gebaut wird, jenseits aller S-Klassen - ab 2,7 Millionen Euro.

Auch andere Premiumhersteller wie Bugatti, Aston Martin oder Porsche Design sind maritim unterwegs. Doch die Aktivitäten zu Wasser sind für sie natürlich nur ein Nebenschauplatz. "Sportboote sind für Autohersteller ein Nischenmarkt", sagt der Branchenexperte Stefan Bratzel. Für die Entwicklung kompletter Sportboote besitzen sie wenig Kompetenz und kooperieren deshalb oft mit Schiffswerften.

Sportboote als Markenpflege

"Bei den geringen Stückzahlen liegt der Aufwand hoch und rechnet sich kaum. Die Sportboote sind eher eine Marketingidee", sagt Bratzel, der als Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach lehrt.

Premiumhersteller nutzen also den Wassersport, um ihre Marke einer neuen Zielgruppe zu präsentieren. "Die Produkte müssen exklusiv sein und dem Luxus- und Highend-Bereich zugehören. Nur dann strahlt das Produkt Sportboot auf die Fahrzeugmarke ab", erläutert Bratzel.

Porsche-Jacht ab 12,5 Millionen Euro

Aston Martin entwarf zusammen mit Quintessence Yachts die AM37, ein 11,10 Meter langes Powerboot. Bugatti baut mit dem Boothersteller Palmer Johnson die 20 Meter lange, auf 66 Exemplare limitierte Niniette 66. Das Designstudio F. A. Porsche legte gemeinsam mit dem Jachtbauer Dynamiq die Gran Turismo Transatlantic 115 auf. Der Preis für die 35 Meter lange Riesenjacht: ab 12,5 Millionen Euro.

Solch ein Manöver ist längst nicht für jeden Autobauer etwas. Hersteller müssten sich zu Beginn einer Kooperation die Frage stellen, ob das Engagement ihre Marke aufwertet, sagt Bratzel. Es sei mit Markenwerbung wie für Ski, Tennis, Fußball oder Segelsport zu vergleichen und hänge immer mit der Positionierung der Marke ab. Bei Opel oder Seat würden Luxusboote sicher nicht zum Markenkern passen.

Luxusjacht von Lexus

Zu Lexus passt Luxus dagegen schon. Die Premiumtochter von Toyota lässt von der US-amerikanischen Werft Marquis Yachts Jachten bauen. Die knapp 20 Meter lange LY 650 mit ihren bis zu 2700 PS starken Motoren kostet zwischen 3,7 und 4,7 Millionen US-Dollar - das sind rund 3,3 bis 4,3 Millionen Euro. Fünf bis sechs Boote sollen pro Jahr gebaut werden. Toyota-Chef Akio Toyoda hatte 2011 die Idee zu einer eigenen Jacht. Ein Ziel war, die Marke aufzufrischen.

"Lexus war damals langweilig, wir brauchten neue Ideen und ein neues Design. Sportboote sind sportlich und aufregend", sagt Toyoda. Einige Teile der Jacht sollten den Fahrzeugen optisch ähneln, darunter Bug, Deck und Fenster.

Motoren für Autos und Boote

Andere Unternehmen sind schon länger auf dem Wasser zu Hause. Der Motorenhersteller Honda entwickelt seit Jahrzehnten Antriebe für Boote, ebenso wie Yamaha. Suzuki stellt Außenbordmotoren her - eine engere Verbindung zur Automobilsparte besteht hier jedoch nicht. Das gilt ebenso für Volvo Penta. Der schwedische Hersteller von Schiffsmotoren hat mit dem Autobauer nur den Namen gemein.

Renault will künftig alte Akkus seiner E-Fahrzeuge in Schiffen einsetzen und kooperiert dafür mit Seine Alliance, einem Betreiber von Ausflugsschiffen auf der Seine in Paris. Dieser plant, bis zum Jahr 2024 seine gesamte Flotte zu elektrifizieren.

Boote als eine von vielen Nischen

Bei Mercedes-Benz ist Martin Bremer mit seinem Team verantwortlich für das "Design beyond the Car" - also quasi für alles, was keine vier Räder hat. Neben dem Sportboot "Arrow460-Granturismo" hat Mercedes auch Helikopter-Interieur, Möbel oder Lampen im Angebot.

Es gehe bei allen Projekten um Design, Lebensgefühl, Qualität und Luxus, erklärt Bremer. "Wir schauen uns an, wo wir Mercedes-Benz als Luxusmarke noch in anderen Bereichen positionieren können. Da passen Sportboote ganz gut." Ein Boot sei immer noch ein Verkehrsmittel - und alles, was sich bewegt, interessiert die Designer.

Die Designsprache aus dem Auto herauszuarbeiten und die eigene Ästhetik aufs Wasser zu übertragen, habe das Team besonders gereizt, erzählt Bremer. Die Formensprache des Bootes lehnt sich an die von Mercedes-Coupés an.

Auch einige technische Lösungen ließen sich ins Boot übertragen, darunter ein sogenanntes Magic-Sky-Dach. Diese schaltbare Glasfläche, die 2011 erstmals im Roadster SLK eingesetzt wurde, ist wahlweise durchsichtig oder dunkel. Auch der sportliche Ableger Mercedes-AMG baut Boote. Die Affalterbacher kooperieren dafür mit der amerikanischen Firma Cigarette - einem Speedboat-Hersteller.

Von Fabian Hoberg, dpa

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung