Samstag, 17. August 2019

DHL-Paketgeschäft Post will 10.000 Stellen schaffen

Paketbote: Lohnkosten näher an die von UPS oder TNT bringen

Die Deutsche Post will neuen Mitarbeitern im boomenden Paketgeschäft künftig niedrigere Löhne zahlen als der Stammbelegschaft. Im Gegenzug sollen 10.000 Arbeitsplätze entstehen - vielleicht sogar 20.000.

Bonn - Die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen will bis 2020 bis zu 10.000 neue Stellen in der Paketzustellung schaffen. Grund dafür sei das vor allem vom E-Commerce-Boom ausgelöste Wachstum im Paketgeschäft, berichtete der Bonner Logistikkonzern am Donnerstag. Bis 2025 könnten sogar 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die neuen Mitarbeiter sollen allerdings nicht bei der Post selbst angestellt werden, sondern bei neu gegründeten Gesellschaften unter dem Namen DHL Delivery GmbH. Die Bezahlung erfolgt dort nicht nach dem Haustarifvertrag der Post, sondern nach den nach Gewerkschaftsangaben für das Unternehmen meist günstigeren regionalen Tarifverträgen der Speditions- und Logistikbranche.

Konzernvorstand Jürgen Gerdes betonte, diese Struktur biete der Post die Möglichkeit, neue, unbefristete Arbeitsplätze zu schaffen und zugleich das Paketgeschäft "mit konkurrenzfähigen Löhnen auf eine belastbare und zukunftssichere Grundlage zu stellen".

Die Post betonte, die ersten von 49 bereits gegründeten Gesellschaften würden ab sofort neue Mitarbeiter einstellen. Dabei würden befristet Beschäftigte der Post, deren Verträge auslaufen, bevorzugt. Der Bonner Konzern werde zudem künftig auch bei den Arbeitszeiten flexibler. Die Post beschäftigt derzeit in Gerdes' Sparte in Deutschland rund 180.000 Mitarbeiter. "Diejenigen Menschen, die bereits bei uns unbefristet beschäftigt sind, sind nicht Zielgruppe der neuen Gesellschaften", betonte Gerdes: "Für sie gilt der Haustarifvertrag weiter."

Gerdes und die Gewerkschaft Verdi liegen schon länger im Clinch, weil der Post-Vorstand für Neueinstellungen immer wieder eine "marktgerechte Bezahlung" forderte. "Unser altes Tarifsystem in der AG kommt aus den 70er Jahren, aus den Zeiten der Bundespost", sagte er. "Heute sind wir ein modernes Dienstleistungsunternehmen und brauchen somit auch ein modernes Tarifgefüge." Ziel ist dabei, die Lohnkosten näher an die von Wettbewerbern wie UPS Börsen-Chart zeigen oder TNT zu bringen. Die Tarifentgelte in der Logistik beginnen bei Stundenlöhnen von knapp über zehn Euro, in einigen Bezirken - etwa in Süddeutschland - liegen sie deutlich höher.

Das Paketgeschäft entwickele sich zu einer wirklichen Erfolgsgeschichte, betonte Gerdes. Die gelte für Deutschland als auch für das Ausland. Die indische Tochter Blue Dart stehe nicht zum Verkauf. Die Gewinnprognosen der Brief- und Paketsparte änderten sich zudem nicht: "Unsere mehrfach bekräftigten Gewinnziele bestehen weiter." Der operative Gewinn der Sparte soll danach 2016 bei über 1,3 Milliarden Euro liegen.

ts/rtr/dpa-afx

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