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Ranking: Deutschlands wachstumsstärkste Familienunternehmen

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Entwicklung über zehn Jahre Das sind Deutschlands wachstumsstärkste Familienunternehmen

1,24 Billionen Euro: Soviel Umsatz erwirtschafteten die 100 größten von Familien und familiennahen Stiftungen kontrollierten deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr. Aber welche dieser Firmen haben auf lange Sicht die Nase vorn?

Das untersucht ein Vergleich, den die die Stuttgarter Kanzlei Binz & Partner anhand von Daten der vergangenen zehn Jahre vorgenommen hat. Jährlich untersucht sie Potenzial und Performance deutscher Familienunternehmen und gibt seit etlichen Jahren das Ranking der 100 größten heraus.

Nahezu ein Drittel der Liste von 2008, damals noch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhoben, schafft es (aus sehr unterschiedlichen Gründen) nicht mehr unter die heutigen Top 100. (Hier geht es zu den zwölf Wachstums-Stars - und den zwölf wachstumsschwächsten Unternehmen im Ranking.) Überraschend ist besonders eine Zahl: Beim Umsatz pro Mitarbeiter konnten die Unternehmen in der vergangenen Dekade im Schnitt nur unter einem Prozent pro Jahr zulegen.

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Vor gut zehn Jahren lag der Gesamtumsatz der 100 größten Familienunternehmen noch bei 734 Milliarden Euro. Das sind 510 Milliarden weniger als 2018 und ein Wachstum um rund 70 Prozent; rechnet man Volkswagen  heraus, sind es immer noch 38 Prozent. Zum Vergleich: Die Dax-Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen) kamen nur auf 31 Prozent.

Volkswagen steht seit 2009, als die Familien Porsche und Piech das Sagen übernahmen, unangefochten an der Spitze der Top-100-Liste. Für den Rest des Rankings ergeben sich im 10-Jahres-Vergleich "erhebliche Verwerfungen", wie Mark K. Binz, Seniorpartner der Kanzlei, feststellt. 29 Unternehmen, die noch 2008 führend waren, verloren ihren Rang unter den Top 100; aber lediglich zwei (Arcandor und Schlecker) gingen in die Insolvenz.

Mehrere Firmen fielen aus dem Ranking, weil sie nicht mehr von Familien betrieben werden. So Celesio  (Familie Haniel), das 2014 an den US-Pharmahändler McKesson ging, Schrottrecycler Scholz wurde an die Chiho Enviromental Group (Hongkong) verkauft, Union Tank Eckstein ging an die französische Edenred S.A., Automobilzulieferer Behr wurde von Mahle übernommen, die Mehrheit an Medion  ging an Lenovo  aus Hongkong.

Newcomer mit innovativen Geschäftsmodellen sind bislang die absolute Ausnahme

Etliche Unternehmen wurden auch völlig neu aufgestellt, so etwa die Merckle-Gruppe nach dem Tod von Adolf Merckle. 2008 hatte sie noch Rang 5, im jüngsten Ranking finden sich mit Phoenix  (Rang 8) und HeidelbergCement  (Rang 12) zwei Unternehmen unter der Kontrolle der Familie Merckle. Entsorger Rethmann teilte sich auf in die Unternehmen Remondis, Rhenus und Saria, Interseroh ging in der Alba-Group auf.

19 Unternehmen konnten nicht ausreichend wachsen, um in den Top 100 zu bleiben: So Holtzbrinck, Vaillant, Haribo, Giesecke & Devrient und Melitta. "2008 reichte den Firmen Westfalen und alltours ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, um Rang 99 unter Deutschlands führenden Familienunternehmen einzunehmen. Für den gleichen Rang musste Logistiker Hellmann 2018 jetzt mehr als 2,5 Milliarden Euro erwirtschaften", erläutert Binz.

Das zweitgrößte deutsche Familienunternehmen war sowohl 2008 als auch 2018 die Heilbronner Schwarz-Gruppe (Lidl), die ihren Umsatz in diesem Zeitraum von 54 auf 104 Milliarden Euro fast verdoppelte. Rang 3: BMW, dessen Umsatz von 53 auf 97,5 Milliarden Euro wuchs, vor Aldi (Nord und Süd) mit einer Steigerung von rund 50 auf 85 Milliarden Euro. Große familiengeführte Medienkonzerne wie Bertelsmann, Axel Springer, Bauer Media und Hubert Burda Media rutschen durchweg im Ranking ab.

Der größte einzelne Wachstumschampion ist United Internet, dessen Umsatz um 211 Prozent wuchs - von 1,65 Milliarden auf 5,13 Milliarden. Binz: "Der Aufstieg von Ralph Dommermuth, der in Zukunft sogar im 5G-Markt mitmischen wird, offenbart auch eine Schwäche der großen deutschen Familienunternehmen. Mit ganz wenigen Ausnahmen fußen die Top-100-Firmen auf Jahrzehnten zurückliegenden Unternehmens-Gründungen in traditionellen Branchen der deutschen Wirtschaft. Newcomer mit innovativen Geschäftsmodellen wie United Internet sind bislang die absolute Ausnahme." Binz glaubt allerdings, dass sich das angesichts der Startup-Szene im Umfeld von Familienunternehmen wie Festo oder Trumpf ändern wird.

Und Binz glaubt auch, dass die Mitarbeiterproduktivität steigen wird: 2008 waren 2,96 Millionen Menschen für die Top-100-Familienunternehmen tätig, 2018 waren es 4,57 Millionen, das sind 55 Prozent mehr. Der Pro-Kopf-Umsatz pro Mitarbeiter stieg von 247.000 auf 272.000 Euro. Das ist weniger als 1 Prozent pro Jahr. Ein enttäuschendes Ergebnis, wie Binz befindet.

Die überraschend niedrige Zahl lässt sich laut Binz einerseits auf strategische Entscheidungen zurückführen: Wachstum in neuen Märkten ist oft nicht ohne Preiszugeständnisse zu machen. "Andererseits wurden zusätzliche Umsätze häufig auf internationalen Märkten mit lokalen Mitarbeitern erwirtschaftet, die im Schnitt eine deutlich niedrigere Produktivität pro Kopf als in Deutschland aufweisen." Binz sieht allerdings Licht am Horizont: Da im kommenden Jahrzehnt "Digitalisierung und Automatisierung im strategischen Fokus" stehen würden, werde damit auch zwangsläufig der Umsatz pro Mitarbeiter steigen.

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