Montag, 14. Oktober 2019

Entwicklung über zehn Jahre Das sind Deutschlands wachstumsstärkste Familienunternehmen

Ranking: Deutschlands wachstumsstärkste Familienunternehmen
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2. Teil: Newcomer mit innovativen Geschäftsmodellen sind bislang die absolute Ausnahme

19 Unternehmen konnten nicht ausreichend wachsen, um in den Top 100 zu bleiben: So Holtzbrinck, Vaillant, Haribo, Giesecke & Devrient und Melitta. "2008 reichte den Firmen Westfalen und alltours ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, um Rang 99 unter Deutschlands führenden Familienunternehmen einzunehmen. Für den gleichen Rang musste Logistiker Hellmann 2018 jetzt mehr als 2,5 Milliarden Euro erwirtschaften", erläutert Binz.

Das zweitgrößte deutsche Familienunternehmen war sowohl 2008 als auch 2018 die Heilbronner Schwarz-Gruppe (Lidl), die ihren Umsatz in diesem Zeitraum von 54 auf 104 Milliarden Euro fast verdoppelte. Rang 3: BMW, dessen Umsatz von 53 auf 97,5 Milliarden Euro wuchs, vor Aldi (Nord und Süd) mit einer Steigerung von rund 50 auf 85 Milliarden Euro. Große familiengeführte Medienkonzerne wie Bertelsmann, Axel Springer, Bauer Media und Hubert Burda Media rutschen durchweg im Ranking ab.

Der größte einzelne Wachstumschampion ist United Internet, dessen Umsatz um 211 Prozent wuchs - von 1,65 Milliarden auf 5,13 Milliarden. Binz: "Der Aufstieg von Ralph Dommermuth, der in Zukunft sogar im 5G-Markt mitmischen wird, offenbart auch eine Schwäche der großen deutschen Familienunternehmen. Mit ganz wenigen Ausnahmen fußen die Top-100-Firmen auf Jahrzehnten zurückliegenden Unternehmens-Gründungen in traditionellen Branchen der deutschen Wirtschaft. Newcomer mit innovativen Geschäftsmodellen wie United Internet sind bislang die absolute Ausnahme." Binz glaubt allerdings, dass sich das angesichts der Startup-Szene im Umfeld von Familienunternehmen wie Festo oder Trumpf ändern wird.

Und Binz glaubt auch, dass die Mitarbeiterproduktivität steigen wird: 2008 waren 2,96 Millionen Menschen für die Top-100-Familienunternehmen tätig, 2018 waren es 4,57 Millionen, das sind 55 Prozent mehr. Der Pro-Kopf-Umsatz pro Mitarbeiter stieg von 247.000 auf 272.000 Euro. Das ist weniger als 1 Prozent pro Jahr. Ein enttäuschendes Ergebnis, wie Binz befindet.

Die überraschend niedrige Zahl lässt sich laut Binz einerseits auf strategische Entscheidungen zurückführen: Wachstum in neuen Märkten ist oft nicht ohne Preiszugeständnisse zu machen. "Andererseits wurden zusätzliche Umsätze häufig auf internationalen Märkten mit lokalen Mitarbeitern erwirtschaftet, die im Schnitt eine deutlich niedrigere Produktivität pro Kopf als in Deutschland aufweisen." Binz sieht allerdings Licht am Horizont: Da im kommenden Jahrzehnt "Digitalisierung und Automatisierung im strategischen Fokus" stehen würden, werde damit auch zwangsläufig der Umsatz pro Mitarbeiter steigen.

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